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02. Dezember 2013

«Schulen sind keine Fabriken»

Carolina Müller-Möhl ist Mitinitiantin des ersten Schweizer Schulpreises und Präsidentin der gleichnamigen Stiftung, die den Preis mitsponsert. Die Unternehmerin wünscht sich mehr Frühförderung und Lob für Schulen.

Carolina Müller-Möhl, wie sieht Ihre Traumschule aus?

Da muss ich sofort an meine Kindheit denken. Mein Lieblingslehrer von damals unterrichtete Deutsch, Geschichte und Theater und konnte im Unterricht die Literatur einbringen, in die Theaterkiste greifen oder den Bismarck spielen. Ich liebte die Stunden bei ihm.

Und aus heutiger Sicht?

Als Erwachsene finde ich, eine Schule muss in allen sechs Punkten gut sein, die wir für den Schulpreis beurteilen: Leistung, Umgang mit Vielfalt, Unterrichtsqualität, Verantwortung, Schulklima und Schule als lernende Institution. Und in mindestens einem Punkt müsste sie überragend sein. Natürlich sollte sie auch Lehrer ein-stellen, die Wissen so ver-mitteln können, dass die Schüler motiviert, animiert und inspiriert sind.

Als Mitinitiantin des ersten gesamtschweizerischen Schulpreises suchen Sie die beste Schule des Landes. Was versprechen Sie sich davon?

Zunächst muss ich etwas klarstellen: Die beste Schule gibt es nicht. Wir sprechen deshalb von ausgezeichneten Schulen. Abgesehen davon halte ich den Schulpreis auch deshalb für eine tolle Idee, weil er für einmal das Positive beleuchtet. Das scheint mir dringend nötig nach all dem Schul-Bashing, das seit Jahren in den Medien stattfindet. Der Preis soll Lehrer, Schüler und Eltern gleichermassen stolz machen.

«In erster Linie muss man den Lehrberuf wieder attraktiver machen.»

Was gibt es Gutes zu sagen über die Schweizer Schullandschaft?

Wir haben eine tolle Volksschule und ein duales Berufsbildungssystem, das wegen seiner Genialität im Ausland x-fach kopiert wird. Daraus resultiert eine weltweit einmalig tiefe Jugendarbeitslosigkeit. Aber wir dürfen nicht stehen bleiben.

Was müsste man rasch ändern?

Dringenden Handlungsbedarf gibt es bei der Frühförderung. Bereits Kleinkinder brauchen eine ausgewogene Bildung und Erziehung. Studien belegen, dass Kinder davon in Sachen Durchhaltevermögen und Selbstdisziplin profitieren. Sie neigen später weniger zu Kriminalität und Drogenabhängigkeit. Das bedeutet weniger Sozialfälle. Eine Studie des Nobelpreisträgers James Heckman zeigt, dass jeder hier investierte Franken siebenfach zurückkommt.

Autor: Yvette Hettinger