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08. Mai 2017

Schüler schreiben für Schüler

Der 16-jährige Nils Feigenwinter hat sich mit der Gründung des Onlinemagazins «Tize» einen Traum aus Kindertagen erfüllt. 30 junge Menschen schreiben in der Schülerzeitung darüber, was sie bewegt. Im Video erklärt er, worum es bei «Tize» geht.

Ausgerechnet das Café der Kantonsbibliothek Basel-Land schlägt Nils Feigenwinter für das Treffen vor. Dort, wo Lesestoff noch auf gedrucktem Papier zu finden ist. Dort, wo Menschen sich an einer gut sortierten Magazin- und Zeitungswand bedienen, sich in eine Ecke setzen und hinter einer Doppelseite verschwinden.

Geht es nach Nils Feigenwinter, wird das hier in Zukunft bald der Vergangenheit angehören. Nein, nicht die Bücher. Die liest er selbst nach wie vor lieber klassisch auf Papier, wegen der Haptik und des Geruchs. Aber die Zeitungen, die Magazine, Journalismus aus der Druckmaschine – das wird es wohl bald nicht mehr geben.

Feigenwinter, 16 Jahre alt, gehört zu einer ­Generation, vor der sich klassische Medienverlage fürchten – und die sie umschwärmen: Der Jugendliche verkörpert die «Generation Smartphone».

Facebook ist veraltet

Das Handy ist ihr Newsportal, ihre Kommunikationsplattform. Sie nutzen Apps wie Instagram, Snapchat oder Whatsapp. Facebook ist schon wieder veraltet. «Es ist erstaunlich, wie schnell mittlerweile Trends kommen und wieder verschwinden», sagt er.

Auch eine Schülerzeitung muss mit der Zeit gehen, findet Feigenwinter. Deshalb hat der Schüler des Gymnasiums in Liestal seine eigene im Jahr 2015 als einer der ersten auf den Computer und etwas später auch aufs Smartphone gebracht. «Tize» nennt sich die digitale Schülerzeitung, bei der gut 30 Jugendliche aus der ganzen Schweiz mitschreiben.

Nils Feigenwinter (16), Gymnasiast aus Liestal BL, ist der Gründer der virtuellen Schülerzeitschrift «Tize».
Nils Feigenwinter (16), Gymnasiast aus Liestal BL, ist der Gründer der virtuellen Schülerzeitschrift «Tize».

Nils Feigenwinter (16), Gymnasiast aus Liestal BL, ist der Gründer der virtuellen Schülerzeitschrift «Tize».

«Für mich war von Anfang an wichtig, dass ‹Tize› ausschliesslich von Jugend­lichen und jungen Erwachsenen gemacht wird. Es gibt keine Erwachsenen, die uns helfen. Denn nur wir wissen, was unsere Generation genau interessiert», sagt der Schüler. Die Altersobergrenze für eine Mitarbeit liegt deshalb bei 23 Jahren.

Wer die App oder Homepage von «Tize» öffnet, findet Artikel wie «Wird die 3. Generation bald erleichtert eingebürgert?», «5 Apps für das perfekte Foto» oder «Wie kann ich in Hollywood durchstarten?». Die Online-Schülerzeitung ist ein Gefäss, in dem Jugendliche publizieren können, was sie gerade bewegt.

«Sie können einfach drauflosschreiben. So entstehen Texte, die in einem anderem Medium nicht publiziert würden. Wir sind ein grosser virtueller Sandkasten», sagt Feigenwinter. Poetische Texte würden auf «Tize» besonders gut ankommen. «Meine Gedanken kreisen viel um ‹Tize›. Manchmal kommt mir vor dem Einschlafen oder morgens nach dem Aufwachen eine Idee.»

E-Mail ist viel zu langsam

Bevor ein Artikel erscheint, wird das Thema in einem Redaktions-Chat auf Whatsapp besprochen. «Das geht am schnellsten», sagt Feigenwinter. Per E-Mail werde kaum noch kommuniziert. Das sei für sie etwa wie faxen. «Wahnsinnig langsam».

Wer bei «Tize» mitschreibt, tut es aus Idealismus. Denn die Autoren bezahlen kann Feigenwinter – noch – nicht. Zwar gäbe es schon Werbeeinnahmen oder ein bisschen Geld von Stiftungen. Doch für Feigenwinter und den Rest des «Tize»-Teams ist das Ganze nach wie vor ein Hobby, bei dem die Spesen gedeckt sind.

Es geht ihm sowieso nicht in erster Linie ums Geld. «Am wichtigsten ist die Wertschätzung. Wenn ich sehe, dass Artikel von ‹Tize› auf einem Busbildschirm hier in Basel erscheint, bekomme ich Gänsehaut.»

Nils Feigenwinter war schon früh kreativ. Mit fünf hat er seinen ersten Stop-Motion-Film gedreht. Mit zehn wurde er Kinderreporter beim Kinderprogramm «Zambo» im SRF. «Es war immer mein Traum, später ein eigenes Magazin zu haben», sagt er. «Dafür braucht es manchmal auch Durchhaltewillen.»

Nicht aufzugeben, das habe er von Vorbildern wie Apple-Gründer Steve Jobs, Barack Obama oder Walt Disney abgeschaut. Feigenwinter möchte mit «Tize» noch grösser werden, mehr junge Menschen in der Schweiz erreichen und vielleicht einen Ableger in Französisch lancieren. Wichtig sei, am Ball zu bleiben und zu wissen, was gerade angesagt ist. Seine 12-jährige Schwester ist eine gute Trendquelle. Es gibt nämlich Hypes, die gehen bereits an einem 16-Jährigen wie ihm vorbei.

Weitere Infos: www.tize.ch ; App für iOS und Android: «Tize», gratis. «Tize» gibt es auch auf Instagram, Snapchat und Twitter.

Autor: Andreas Bättig

Fotograf: Kostas Maros