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17. Februar 2014

Schöner gärtnern

Die «Bohne, Bluescht & Berger»-Autorin kämpft mit Minderwertigkeitskomplexen: Zwischen all den tollen Gartenbüchern und ihrer eigenen Gartenrealität liegen Welten.

Studium fremder Gärten
Beim Studium fremder Gärten oder von Anleitungen zum perfekten Glück unmittelbar vor der Haustür.

Eine nette Nebenerscheinung meines Jobs als Gartenkolumnistin ist, dass ich zurzeit laufend Vorabexemplare von Gartenbüchern frei Redaktion geliefert bekomme. Und so verbringe ich manchen Abend auf dem Sofa, die geliebten Fasnachtschüechli in Griffnähe, und blättere mich durch prachtvolle Gartenwelten, während im Kachelofen die Überbleibsel des Thujaheckenmassakers vom letzten Herbst vor sich hinknacken.

Tönt beneidenswert, nicht wahr? Die Sache hat aber einen Haken. Je mehr ich nämlich blättere, je mehr perfekt konzipierte, perfekt gestylte, perfekt geputzt und «gstrählte» Gärten ich zu sehen bekomme, desto grösser werden meine Minderwertigkeitskomplexe. Denn anders als auf meinen eigenen paar Quadratmetern findet sich hier nichts, was das Auge stört: Unkraut? Null! Verblühte Blüten? No way! Mickrige Kohlräbli? Aber hallo! Vermooste Gartenplatten? Gahts no (ausser der gezeigte Garten macht auf antik, und das Moos ist Konzept)! Schnecken?... Schnecken??... Schnecken??? Keine Antwort ist auch eine Antwort!

Das soll alles gelesen werden?
Das soll alles gelesen werden?

Eine meiner Arbeitskolleginnen kämpft mit ähnlichen Gefühlen, wenn sie sich Wohnheftli reinzieht. Und das, obwohl sie ja eigentlich weiss, dass die in «Schöner Wohnen» und Co. präsentierten Wohnwelten zuvor von unzähligen Wohnstylisten von all dem befreit wurden, was das normale Leben so mit sich bringt: dreckige Fussballschuhe im Hauseingang, Kafiringe auf dem Küchentisch, Hundehaare auf dem Sofa, Fliegenschiss am Panoramafenster. Genauso wie ja auch ich im Prinzip weiss, dass all die tollen Gärten in «Schöner gärtnern» und Co. nur so toll aussehen, weil neben Herden von Gartenstylisten Photoshop und ähnliche Fotobearbeitungsprogramme gewirkt und auch noch die letzten Störeffekte ausradiert haben.

Und drum nehme ich mir hier und jetzt ganz fest vor, mich in der kommenden Gartensaison nicht mehr verrückt machen zu lassen, sondern einfach das zu tun, was ich am besten kann: buddeln. Und wenn sich dann tatsächlich einer dieser flüchtig-magischen Momente einstellen sollte, in dem mein Garten einfach nur perfekt ist, dann werde ich ihn umso mehr geniessen. Zumal dann bei mir definitiv kein Photoshop gewirkt hat!


Lasst Ihr Euch von all den perfekt gestylten Gartenbüchern zu Höchstleistungen motivieren? Oder geht es Euch ähnlich wie der «Bohne-, Bluescht- & Berger»-Autorin, die sich vor allem verunsichern lässt? Teilt Eure Meinung in einem Kommentar mit, oder erstellt einen eigenen Artikel inklusive Fotos (Infos zu beidem siehe rechts).

Autor: Almut Berger

Fotograf: Almut Berger