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15. August 2016

Schnitzeljagd auf dem ersten Familytrail in Basel

Am 10. August 2016 eröffnete Ex-Mister Schweiz Renzo Blumenthal den Familytrail des Kinderhilfswerks World Vison Schweiz in Basel. Wir waren bei der Premiere dabei.

Altstadt Basel
Auf dem Familytrail in Basels Stadtteil Spalen, ganz in der Nähe des Spalentors.

Nach Zürich und Bern gibt es ab sofort auch in Basel einen Familytrail. Familytrail ist quasi der Bruder der inzwischen bekannten Foxtrails. Auf der Schnitzeljagd rätselt man sich in Teams von Posten zu Posten und lernt die jeweilige Stadt kennen. Die Familytrails verbinden die Schnitzeljagd mit der Idee, spielerisch etwas für die Bedürfnisse der Kinder in weniger privilegierten Ländern zu erfahren und dabei die Arbeit eines Kinderhilfswerks wie World Vision Schweiz in Entwicklungsprojekten kennenzulernen.

Der Start ins Abenteuer beginnt zuhause: Auf World Vision bucht man sich die Tickets (Erwachsene ab 31, Familien mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern 79 Franken), druckt danach die Unterlagen aus und holt die ÖV-Billette im entsprechenden Bahnhof ab.

Dort startet dann die gut zweistündige Schnitzeljagd auf dem Familytrail. Und wie bei den Foxtrails fasziniert, mit welcher Raffinesse die einzelnen Posten zu suchen und zu lösen sind – vom Buchladen im Bahnhof Basel SBB über Schächte mit Ritzen, wo man mit dem Smartphone ein Bild machen muss, um weiterzukommen. Faszinierend ist auch, wie begeistert und durchaus erfolgreich gerade der Nachwuchs die Rätsel löst.

Spalentor
Höhepunkt auf dem Familytrail: das Spalentor. Aus dem Fenster links erhält man Morsezeichen zur weiteren Auflösung des Parcours.

Auch auf dem Familytrail in Basel erlebt man die Stadt von einer anderen Seite, begegnet dem Botanischen Garten oder dem bekannten Spalentor. Dort kommt es zu einem Höhepunkt des Parcours: Am Geländer vor dem historischen Tor befindet sich unauffällig ein Lochkartenlesegerät. Schiebt man das zuvor richtig abgestempelte Blatt rein, wird aus dem Fenster im Tor eine Nachricht gemorst. Für diesen gilt wie für alle anderen Posten: Wissen die Teilnehmer nicht mehr weiter, können sie stets eine Helpline anrufen. Während das offenbar bei den einen der Stolz nicht zulässt, gibt es andere, die davon reichlich Gebrauch machen…

Michael Eberle
Michael Eberle: «Als Deutschschweizer gefällt mir Lugano mit seinem mediterranen Flair sehr gut. Wir haben dort einen tollen Trail mit einem unterirdischen Gang, zu dem man nur mit einem speziellen Code Zugang erhält.»

DAS EXPERTENINTERVIEW

«Bei den Familytrails steckt eine spannende Geschichte dahinter»

Michael Eberle (43) ist Projektmanager «Entwicklung» bei der Swisscovery GmbH in Luzern, die 45 Foxtrails in schweizweit 10 Jagdrevieren betreibt.
Michael Eberle, Foxtrails gibt es seit über zehn Jahren. Nun wurden diesen Sommer erstmals Familytrails eröffnet. Was ist der Unterschied zwischen Fox- und Familytrails?

Mit den Foxtrails, dem Teamerlebnis für Freunde, Vereine, Firmen und Familien, erlebt man die Stadt, man besucht Orte, die man noch nicht entdeckt hat – selbst, als Stadtbewohner. Bei den Familytrails steckt eine Geschichte dahinter. Es geht nicht primär um die Stadt. Wir erzählen mit der Kunstfigur Tobi auf einer spannenden Schnitzeljagd, wie World Vision an verschiedenen Orten der Welt hilft und regen zum Nachdenken an. Kurz: Foxtrail und Familytrail sind verwandte und doch verschiedene Angebote.
Familytrail gibt es bis anhin in Zürich, Bern und seit Mitte August auch in Basel. Wie unterscheiden sich die Standorte?
In den drei Städten hat es teilweise identische Posten, weil wir Geschichten mit Bezug zur Entwicklungshilfe erzählen. Wir berücksichtigen aber auch ortstypische Besonderheiten. Ähnlichkeiten bedeuten also nicht, dass man nicht auch in jeder Stadt etwas Neues erleben kann.
Sind weitere Standorte für die Familytrails geplant?
Angedacht auf jeden Fall. Wir sind selbstverständlich interessiert daran. Aber letztlich entscheidet unser Kunde World Vision, ob weitere Orte dazukommen.

Zu welchen Zeiten kann man auf den Fox- und Familytrails auf Schnitzeljagd gehen?

An über 360 Tagen im Jahr von morgens bis abends vor dem Eindunkeln. Nur bei grossen Anlässen oder Baustellen, die den Trambetrieb verunmöglichen, werden einzelne Trails zeitweise geschlossen. Einige Trails mit starkem Bezug zur Natur werden im Winter aus Witterungsgründen nicht betrieben.
Foxtrails gibt es inzwischen in Thun, Bern, Basel, Zürich, St. Gallen, Lausanne, Bern, Basel, Delémont, Luzern, Lugano und in drei Aargauer Schlössern. Wie viele Kunden gingen in den letzten Jahren auf Schnitzeljagd?
Die Zahl steigt noch immer stark an, auf inzwischen über 100 000 Teilnehmer alleine im letzten Jahr.
Welches ist Ihr Lieblingstrail?
Oh, da gibt es wahnsinnig viele. Als Deutschschweizer gefällt mir Lugano mit seinem mediterranen Flair sehr gut. Wir haben dort einen tollen Trail mit einem unterirdischen Gang, zu dem man nur mit einem speziellen Code Zugang erhält. Und ich mag auch die Trails auf den Schlössern Lenzburg und Wildegg. Wir bieten dort den Teilnehmern Einblicke, die man als normaler Schlossbesucher nicht sieht.
Als Projektmanager sind Sie ständig mit neuen Aufgaben beschäftigt. Woran arbeiten Sie jetzt?
Wir entwickeln einen Trail für einen Anlass im Auftrag von Disney Schweiz und Sony Pictures. Es geht um die Lancierung des Films «Inferno» mit Tom Hanks in der Hauptrolle. Die Rätsel aus dem Film kann man 1:1 in Zürich erleben. Dort werden am 17. September 18 Teams gegeneinander antreten. Das Gewinnerteam darf an die Weltpremiere des Films nach Florenz reisen. Anmelden kann man sich ab Ende August.
Sie sind diplomierter Architekt. Weshalb haben Sie sich entschieden, Trails zu entwickeln?
Ich war Stellvertretender Geschäftsführer eines Architekturbüros. In diesem Beruf wird man mit fortschreitender Karriere immer mehr zum Manager. Ich vermisste die kreative Seite bei der Arbeit. Dann sah ich ein Stelleninserat der Swisscovery GmbH, die einen Trailentwickler suchte. Das war genau das, was ich mir immer wünschte. Ich profitiere von den Erfahrungen als Projektmanager, kann aber meine Kreativität ausspielen, die einen viel grösseren Stellenwert einnimmt als in meinem angestammten Beruf.

Autor: Reto Wild

Fotograf: Reto Wild