Archiv
16. April 2012

«Schlüssel verstecken ist keine Lösung»

Fünf Fragen an Christian Aldrey, Chef der Verkehrspolizei im Kanton St. Gallen. Er stellt zwar eine abnehmende Anzahl an Strolchenfahrten von Jugendlichen fest, doch die dabei verursachten Unfälle würden immer spektakulärer.

Christian Aldrey (36), Chef Verkehrspolizei bei der Kantonspolizei St. Gallen
Christian Aldrey (36), Chef Verkehrspolizei bei der Kantonspolizei St. Gallen. (Bild zVg)

1. Christian Aldrey, Anfang April verunfallte bei Magdenau SG ein 16-Jähriger mit dem Auto seines Vaters. Nur wenige Tage vorher verursachte in Zürich ein 17-Jähriger ebenfalls einen Unfall mit einem entwendeten Auto. Dabei starb eine jugendliche Mitfahrerin – nehmen solche Strolchenfahrten zu?

Im Kanton St. Gallen wurden letztes Jahr zehn Strolchenfahrten mit Personenwagen, Lieferwagen oder Motorrädern registriert. Die Anzahl ist seit ein paar Jahren rückläufig. Die Unfälle selbst werden jedoch immer spektakulärer. Gründe dafür sind der zunehmende Ausbaustandard und die PS-Stärke der Fahrzeuge: Man spürt die Fahrgeschwindigkeit nicht mehr so stark, Assistenz- systeme korrigieren zudem Fahrfehler. Verliert der Fahrer die Kontrolle, geschieht das dann oft bei hoher Geschwindigkeit, mit fatalen Folgen.

2. Weshalb gehen Jugendliche solche Risiken ein?

Die Jugendlichen überschätzen ihr Können und sind sich der Physik eines Fahrzeugs nicht bewusst. Warum Jugendliche überhaupt auf Strolchenfahrt gehen, ist von Fall zu Fall verschieden. Oft sind diese Fahrten jedoch ein Anzeichen für tiefer liegende Probleme.

3. Hilft es, wenn Eltern den Autoschlüssel verstecken?

Den Schlüssel ständig zu verstecken, ist in der Realität kaum umsetzbar und zudem nur eine oberflächliche Lösung. Ist das Auto der Eltern nicht «verfügbar», findet der Jugendliche eines bei Onkel, Tante, Geschwistern oder Freunden.

4. Aber können Eltern denn gar nichts tun?

Die Eltern sollten mit Jugendlichen unter 18 Jahren und ohne Fahrerlaubnis offen über Gefahren und Folgen sprechen — und ganz klar ein Fahrverbot aussprechen.

5. Mit welchen strafrechtlichen Folgen muss ein Jugendlicher rechnen, der ein Auto entwendet und verunfallt?

Bis Ende 2011 war Fahren ohne Ausweis ein Regelverstoss, der lediglich gebüsst wurde. Heute ist es ein Vergehen (Art. 95 SVG), das ein Strafverfahren zur Folge hat. Je nach Schwere des Falls muss der Jugendliche die Strafe mit Geld, gemeinnütziger Arbeit oder Freiheitsentzug abgelten.

aus dem «St. Galler Tagblatt» vom 1. April 2012
Der Artikel aus dem «St. Galler Tagblatt» vom 1. April 2012

Die Quelle
Den ganzen Beitrag aus dem «St. Galler Tagblatt» vom 1. April 2012

Autor: Claudia Langenegger