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03. Juni 2013

Der Computer denkt mit

Es gibt schlaue Menschen und schlaue Computer. Deren sogenannte künstliche Intelligenz (KI) nutzen wir jeden Tag – meistens ohne es zu merken.

Zukunft Künstliche Intelligenz KI
Ist das die Zukunft? Speicherchip im Gehirn (Bild: iStock Photo).

Was 1997 noch eine regelrechte Sensation war, lockt heute niemanden mehr hinter dem Ofen hervor: ein Schachcomputer, der die Weltnummer 1 unter den Profispielern besiegt. Denn seither hat die künstliche Intelligenz stark Einzug in den Alltag gefunden und wird heute von vielen Menschen als selbstverständlich hingenommen.

Ein Beispiel gefällig?

Die Informationsflut im Internet kann heute mit einer einfachen Internetsuche innert einer Hundertstelsekunde auf den Punkt gebacht werden – mit Google, einem seit mehreren Jahren weltweit etablierten Dienst. Aber man darf dabei nicht vergessen, dass die Website erst ein Jahr nach dem eingangs erwähnten Sieg von Deep Blue gegen den Schachweltmeister Garri Kasparow gestartet ist.

Heute, 15 Jahre danach, ist die Entwicklung bei der Internetsuche noch nicht zu Ende. Künftig sollen Empfehlungen von Freunden zuoberst in den Suchresultaten erscheinen – quasi als digitale Mundpropaganda. Wenn bei der Suche nach einem Restaurant, einem Schuhladen oder einer Jeansmarke angezeigt wird, dass diese der beste Freund Martin empfiehlt, erhält das Resultat ein ganz anderes Gewicht.

Die KI hört...

Drehen wir die Zeit wieder ein paar Jahre zurück. Erinnern Sie sich noch an den ersten Scanner auf dem Schreibtisch, der ein eingelesenes Schriftstück (mehr oder weniger) fehlerfrei in ein digitales Textdokument verwandelte? Grosses Kino! Aber noch ein Stummfilm in Schwarz-Weiss...

Hinzu kommen einerseits Farbe – schliesslich erkennt heute ein PC ohne Weiteres direkt auf seinem Bildschirm erfasste handschriftliche Notizen – und andererseits Ton: Tippen müssen wir auch nicht mehr lange. Schon heute ist die Spracherkennung weit fortgeschritten. Moderne Telefone erkennen einfache Ansagen wie «Wo ist der Bahnhof?», «Rufe Sandra an», «Wie ist das Wetter in Bern?» oder «Neuer Termin nächsten Dienstag» und führt den gewünschten Befehl auf dem Bildschirm aus.

… und vernetzt

Bald können wir unseren PCs auch ganze Texte diktieren und diese ohne Umschweife fehlerlos einlesen und anschliessend problemlos in eine beliebige Fremdsprache übersetzen lassen. Dass dies bereits hetue ohne Umwege funktioniert, beweist Samsung mit seinem Dienst «S Translate»: Ein gesprochenes Wort wird direkt in eine von zehn Sprachen übersetzt. Zwar noch nicht fehlerfrei, aber der Weg ist vorgezeigt.

Eine klare Richtung gibt auch Google vor: Bei «Now» fasst der Anbieter mehrere Dienste zusammen und kann dadurch den Nutzer passender informieren. Dank eines Eintrags im Kalender weiss Google, dass in zwei Stunden in Bern ein wichtiger Termin ansteht. Leider befindet sich die Person aber noch in Lausanne, was dank GPS-Informationen ebenfalls bekannt ist. Die Verknüpfung aus beiden Informationen und die selbständig getätigte Abfrage im SBB-Fahrplan lässt auf dem Handydisplay die Nachricht erscheinen, dass der letztmögliche Zug zur Sitzung in 18 Minuten auf Gleis 5 abfährt. Und erinnert an den Schirm. Denn am Zielort regnet es.

Schlaue Computer, dumme Menschen?

Aber das ist noch nicht alles. Nicht nur Computer können untereinander kommunizieren, sondern bald auch Dinge. Deshalb weiss die heimische Sauna in Zukunft, dass der Besitzer ein Meeting hat, später heimkommt, und wärmt sich deshalb erst für 22 Uhr auf – Stau auf dem Rückweg selbstverständlich eingerechnet. Ebenfalls Internetzugang haben künftig Kaffeemaschine, Kühlschrank und Waschmaschine. Sie mahlen Bohnen, bestellen frisches Gemüse und waschen Wäsche selbständig, immer zum richtigen Zeitpunkt.

Beängstigend oder praktisch? Darüber scheiden sich die Geister. Während sich die einen über die technischen Errungenschaften freuen und froh sind, dass ihnen das Denken bei profanen Dingen wie dem Erwischen des richtigen Zugs abgenommen wird, ängstigen sich die anderen davor und denken, dass die Menschheit dadurch verdummt.

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Autor: Reto Vogt