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15. April 2013

Schlaflos in Aarau

Marcel Guignard, der Präsident des Schweizer Städteverbands, ist Stadtpräsident von Aarau. Online beantwortet er sechs Fragen zur Situation der Jugendlichen seiner Heimatstadt im Ausgang.

In der Aarauer Bahnhofsunterführung
In der Aarauer Bahnhofsunterführung.

1. Wie beurteilen Sie Aarau in Bezug auf die oben genannten Probleme?

In den letzten zwei bis drei Jahren stelle ich eine gewisse Beruhigung fest – auch dank grosser Polizeipräsenz zum Teil in Begleitung der extra ins Leben gerufenen Jugendpolizei. Das Nachtleben begann intensiv nach der Verkehrsentlastung in der Altstadt. Nicht selten sind in Aarau um Mitternacht und darüber hinaus gegen 4000 Personen im Ausgang, darunter sehr viele Jugendliche. Seit 2006 haben wir auch einen «Runden Tisch gegen Gewalt im öffentlichen Raum», an dem alle wichtigen Player, d.h. Vertreter der Politik, der Polizei, der Justiz, der Clubs, der Gemeinschaftszentren, der Jugendarbeit und des FCA, ihre Erfahrungen austauschen.
Aufgrund deren Erkenntnissen entstanden 200 Stellenprozente für die Jugend: eine Vollstelle für die mobile Jugendarbeit und eine Vollstelle für die Jugendpolizei.
2. Aarau hat grossen Zentrumscharakter. Gab es nie Pläne, die Aussengemeinden in die Jugendarbeit mit einzubeziehen?

Jugendliche sind ihrem Alter entsprechend mobil in der Region – in sogenannten Sozialräumen – unterwegs. Eine effiziente und wirksame Jugendarbeit ist deshalb nicht nur auf die Gemeinde bezogen, sondern organisiert sich entsprechend der von den Jugendlichen definierten Sozialräume – also regional.
3. Wer könnte das denn in die Wege leiten?

Der Stadtrat unterstützt dies sehr. Deshalb hat er auch ein entsprechendes Legislaturziel definiert: «Im Bereich Jugendarbeit wird die Kooperation mit den Nachbargemeinden intensiviert und ausgebaut.» 2012 wurde der Dialog mit den Regionsgemeinden aufgenommen. Der Prozess ist gegenwärtig im Gang und wird vom Stadtrat gefördert.
4. Wie ist Ihre persönliche Einschätzung am Bahnhof Aarau, abends?

Ich persönlich habe keine Angst. Doch ich kann gut nachvollziehen, dass es als Frau eventuell unangenehmer ist. Punkto Gewalt liegen wir jedoch völlig im Schweizer Durchschnitt. In Aarau lebt es sich nicht gefährlicher als in Städten vergleichbarer Grösse.
5. Sie sagten, für die Prävention sei auch ein breites Jugendkulturangebot wichtig. Weshalb wurde dem Ü-16-Treff Wenk gekündigt?

Im Jugendtreff Wenk gab es U-16- und Ü-16-Angebote. Ein Ü-16-Angebot bestand aber auch im Jugendkulturhaus Flösserplatz. Im Rahmen von Sparanstrengungen in der ganzen Stadtverwaltung wurde dieses Doppelangebot auf das im Flösserplatz weiterhin bestehende Ü-16-Angebot reduziert. Konkret wurden 25 Stellenprozente in der Jugendarbeit gestrichen. In den ehemaligen Wenk-Räumen, die wir vom Kanton zwischennutzen dürfen, ist nun das dAp, ein Treff für unter 16-Jährige. Auch wenn das Gebäude dem Kanton gehört und baufällig ist: Ich rechne frühestens in zwei Jahren mit einer Kündigung. Wenn es so weit ist, schauen wir, wo der U-16-Treff weiter existieren kann.
6. Wie werden die Aarauer Jugendlichen erhört?

Der Jugendkoordinator und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben einen guten Draht zu den Jugendlichen. An sie werden die Wünsche der Jugendlichen immer wieder herangetragen. Ein gutes Beispiel dafür ist der Skaterpark, der auf ausdrücklichen Wunsch von Jugendlichen entstand. Wer sich artikulieren will, der macht es auch.

Autor: Laila Schläfli