Archiv
02. April 2013

Scheidung: Geld für die Kinder?

Scheidungskinder erhalten Schmerzensgeld. Das hat ein Gericht entschieden und damit einen Präzedenzfall geschaffen.

Scheidungskind
Zwischen den Fronten: Kinder werden in Kampfscheidungen 
nicht selten 
instrumentalisiert. (Bild: Keystone)

Mit seinem Urteil schafft das Lausanner Gericht einen Präzedenzfall: Erstmals wurde in der Schweiz Scheidungskindern ein Schmerzensgeld von je 3000 Franken zugesprochen. «Es ist gut, dass hier Grenzen gesetzt wurden», sagt Monica Garcia (39), Juristin bei der Rechtsberatung Projure. «Die Eltern haben durch ihr Verhalten die Fürsorge und Erziehungspflicht verletzt und Schäden bei ihren Kindern in Kauf genommen.» Aber: Auch ein Schmerzensgeld könne nichts daran ändern, wie traurig ein Rosenkrieg für die Kinder sei.

Dass dieses Gerichtsurteil andere Eltern in einer Scheidungssituation dazu motivieren könnte, ihre Kinder besser zu schützen, glaubt Monica Garcia nicht. «Dafür bräuchte es die Einsicht der Eltern, und genau da liegt meist das Problem», weiss sie aus ihrem Berufsalltag. «Sie realisieren vielfach nicht, wie sehr ihr Streit den Kindern schaden könnte.» Diese Einsicht wäre aber der Schlüssel zu einer für die Kinder möglichst verträglichen Scheidung. Hilfe sei durchaus da: Es gibt heutzutage in jeder Gemeinde unzählige Angebote für Mediation, Paarberatung, Jugendberatung und vieles mehr. Man muss sie nur nutzen.

Ein weiteres Problem liegt darin, dass sich bei einer Scheidung meist ein Elternteil als Opfer fühlt. Kinder neigen dazu, sich auf die Seite des vermeintlich schwächeren Elternteils zu stellen. «Das ist enorm belastend für sie», sagt die Juristin. Wie sehr, lässt sich nicht in Zahlen oder Franken beziffern. Wie will das Gericht also über die Höhe eines Schmerzensgelds entscheiden, das einem Kind allenfalls zusteht? Monica Garcia: «Das Gericht muss das in jedem einzelnen Fall gründlich prüfen und auch die Kinder in die Abwägungen einbeziehen. Das ist enorm schwierig, vor allem in einer so emotionalen Angelegenheit wie einer Scheidung.»

Autor: Andrea Fischer