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02. April 2013

Schampar lustiges Thema

Sabino Kornich heisst der Kerl, und wenn ich ihn zu fassen kriege … Ja, was dann? Werde ich ihm sagen, dass er ein Glünggi sei. Muss nur vorher Nachbarin Maria fragen, was Glünggi auf Spanisch heisst. Der Herr forscht nämlich in Madrid am Instituto Juan March. Und er will herausgefunden haben, dass Hausmänner keine Lust mehr auf Sex haben und dass Frauen von haushaltenden Männern nicht angetörnt würden. So stand es in sämtlichen Blättchen zu lesen, und seither habe ich keine Ruhe mehr. «So, Bänz? Bei dir läuft wohl auch nicht mehr so viel …?» ist das Mindeste, was ich zu hören bekomme, immer gefolgt von einem hämisch wissenden «Hö, hö …» Alle haben sie es gelesen, alle!

«Weibliche Arbeiten? So ein Seich!»
«Weibliche Arbeiten? So ein Seich!»

Es fing am Tag, da die Studie publik wurde, schon damit an, dass alle Radiostationen anriefen. Dabei hätte ich den Stubenboden schrubben und Gemüse rüsten sollen. «Wir sind nun verbunden, mit einem, ders wissen muss …», kündigten sie dann ihre sauglatten Interviews an, und alles Dagegenhalten nützte nichts. Radio 1, Radio 24, Capital FM, Zürisee, Energy … Kaum hatte ich jeweils das Rüstmesser wieder in der Hand, klingelte es aufs Neue. «Hoi, Bänz! Lustiges Thema! Ihr Hausmänner habt angeblich keinen Sex», hob eine Nora von Radio Irgendwas an. «Hey, duu als Huusmaa vu de Nation …!» Ob sie etwas aufzeichnen dürfe? Sie durfte. «Aber weisst du, Nora, das Thema ist gar nicht so lustig.» Sie solle sich mal überlegen, weshalb wir keine Antworten bekämen auf Dinge, die wir wirklich gerne wüssten: Wann vertätscht es das nächste AKW? Warum bremsen die Weltmächte diesen Irren in Syrien nicht? Und warum bezahlt die steinreiche Firma Glencore keine Steuern, ich aber schon? Sie solle sich überlegen, bat ich, weshalb stattdessen auf allen Newsportalen die Nachricht zuoberst aufscheine, wonach in einer Beziehung der Sex leide, je mehr «weibliche» Arbeiten der Mann übernehme?

Weibliche Arbeiten? So ein Seich!

Weil sie denjenigen diene, welche die Frauen in der Wirtschaftskrise zurück an den Herd drängen, die doofe Studie. Weil sie dem Zeitgeist entspreche. Ein Blick auf ein R&B-Video genügt, um den Rückschritt festzustellen: Taffe Macker, anschmiegsame Tussis, so sieht die Welt wieder aus. Was will uns die Studie denn vermitteln? Es gebe «weibliche» Aufgaben wie Fudiputzen, Apfelkuchenbacken, Hemdenbügeln und «männliche» wie Autowaschen, Büro, Grill. Und wer sich hübsch an das tradierte Rollenbild halte, werde mit Geschlechtsverkehr belohnt. So ein Seich! Aber manch einem kommt der Seich gelegen. «Weisst du, Nora», fragte ich, «wie viele Männer das nun wieder als Ausrede brauchen, wenn sie das WC putzen sollten? ‹Scha-a-tz, du willst doch nicht, dass ich die Lust auf … du weisst schon … verliere?›» Vielleicht war schlicht der Wunsch Vater des Forschungsergebnisses, weil Señor Kornich halt … Wie sage ich das nun, ohne Marias Ehemann zu beleidigen? Weil er halt einer Machokultur entstammt, der spanische Forscher? «Diese Studie wird doch nur benutzt, um alte Rollen zu zementieren», sagte ich der jungen Radiofrau. Ob sie es ausgestrahlt hat, weiss ich nicht. War vermutlich zu wenig lustig.

Wie gut, dass andere Wissenschafter beweisen, was ich hören will: An der Riverside University in Kalifornien stellten sie fest, das eheliche Sexualleben gedeihe umso besser, je mehr der Mann im Haushalt hälfe. Dem ist nichts beizufügen.

Bänz Friedli live: 4. April, Burgdorf BE

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Autor: Bänz Friedli

Fotograf: Bänz Friedli