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19. März 2012

Rund um die SBB

Die SBB und ihre Leistungen betreffen einen Grossteil der Schweizer Bevölkerung, deshalb werden viele Themen wie Angebot, Fahrplan oder Preise heiss diskutiert. Ein Überblick über die wichtigsten Punkte.

Einsteigen bitte!
Einsteigen bitte! Die meist diskutierten SBB-Themen.

Die steigenden Bevölkerungszahlen, die Zunahme von Agglomerationen und der Trend zu längeren Distanzen zwischen Wohn- und Arbeitsort führen zu Kapazitäts-Engpässen auf den Schweizer Strassen und Schienen. Im Bereich SBB-Personenverkehr führt die zunehmende Mobilität immer wieder zu Fragen und Diskussionen:
Wer trägt die Mehrkosten?
Der Ausbau des Streckennetzes wird zu einem grossen Teil über den FinöV-Fonds des Bundes mitfinanziert. Um die wachsenden Ausgaben zu finanzieren, werden u.a. folgende zusätzliche Quellen in Betracht gezogen:

• Preiserhöhung der Zugbillette
• Einnahmen aus dem Strassenverkehr (Autobahnvignette, CO2-Abgaben etc.)
• Höhere Deckung über die Bundeskasse
• Privatwirtschaft
Um Wartungs- und Unterhaltskosten zu decken, erhöht der Bundesrat per 2013 die so genannten Trassenpreise, welche die Bahngesellschaften für die Benutzung des Schweizer Schienennetzes bezahlen. Dies wirkt sich wiederum auf die Billettpreise aus.

Welche Preisgestaltung ist sinnvoll?
Innerhalb und zwischen den Zentren ist die Streckenbelastung im Personenverkehr besonders hoch. Stark frequentiert sind die Hauptachsen Genf–Lausanne–Bern–Zürich–St.Gallen/Basel, besonders während der Stosszeiten. Daher stellt sich wiederholt die Frage, ob die Preise bestimmt werden sollen nach:

• Anzahl zurückgelegter Kilometer
• Reise-Zeitpunkt (Hauptverkehrs- oder Randzeit)
• Streckenauslastung (Haupt- oder Nebenverkehrsachse)
Internationale Verbindungen
Das Schweizer Bahnnetz ist an zahlreichen Stellen mit den Eisenbahnsystemen der Nachbarländer verbunden. Um mit den günstigen Flugpreisen und gut ausgebauten Strassen konkurrieren zu können, werden die Fahrpläne ins Ausland verdichtet und der Nachfrage angepasst. Doch während die Verbindungen auf einigen Strecken weitgehend reibungslos funktionieren (z.B. Zürich–Paris), kommt es auf anderen Abschnitten vermehrt zu Problemen. In den letzten Jahren besonders umstritten war die Verbindung nach Italien, denn aufgrund des pannenanfälligen Cisalpino kam es immer wieder zu grossen Verspätungen und Ausfällen. Bis 2014 sollen die Pendolino-Züge nun ersetzt werden (siehe Interview).
Der ideale Klassenmix
Während in der ersten Klasse oft Sitzplätze frei sind, herrscht in der zweiten Klasse zu Stosszeiten immer mehr Platzmangel. Dies wirft trotz der finanziell ungleich höheren Marge der SBB in der ersten Klasse zunehmend die Frage nach einer sinnvollen Anzahl an Erstklasswagen pro Fahrt auf.
Toleranz im Kontrollbereich
Speziell die seit Ende 2011 nicht mehr vorgesehene Möglichkeit, in einem Schnellzug erst nach Abfahrt beim Kontrolleur gegen einen bescheidenen Aufpreis einen Fahrschein lösen zu können, gab zuletzt zu reden. Die SBB verhalten sich in gewissen Fällen (vielleicht, wenn sich ein Kunde über defekte Automaten beschwert oder Touristen plausibel nicht infomiert waren) kulant und verrechnen in den ersten Monaten nicht ohne Ausnahme stets den vollen Bussentarif mit Registrierung. Für Kunden ist aber nicht stets einsehbar, wann Sie auf Verständnis oder Nachsicht zählen können und wann nicht.
Information bei Verspätungen & Co.
Wiederholt ein Thema ist die Frage, ob die Schweizerischen Bundesbahnen bei bedeutenderen Verspätungen oder ausfallenden Anschlüssen, etwa aufgrund von Unfällen oder Netzproblemen, betroffene Reisende in den Zügen oder an Bahnhöfen schnell genug über Änderungen im Angebot informieren. Geht man jedoch davon aus, dass neben einer Erklärung zur Wartezeit oder dem (unvorhergesehenen) Halt bereits verbindliche Angaben zur Fortsetzung der Reisevarianten geliefert werden sollen, unterschätzen einige Kunden und Interessensvertretern vielleicht mitunter auch die Komplexität möglicher Lösungen innerhalb dichter Fahrpläne und beschränktem Schienen- und Zugmaterial.