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26. Januar 2015

Saustall

Fertig mit Grossreinemachen
Fertig mit Grossreinemachen, die perfekten Hausfrau-Mütter können kommen! (Bild: iStockphoto)

Kennen Sie auch Mütter, die unangekündigte Besucher lieber im Treppenhaus versauern lassen, statt sie herein zu beten? Die sich vor nichts mehr fürchten als vor fremder Kinder Dreck? Die Fremde nur dann in ihr Heim bitten, wenn dort alles an seinem genau definierten Platz liegt und es dezent nach Zitronenaroma duftet? Ja? Dann ahnen Sie vermutlich, wie ich mich fühle, wenn mich eine dieser perfekt organisierten Damen besuchen will. Ungefähr so, wie das Aschenputtel mit all seinen Linsen, aber ohne die Tauben.

Es geht oft schon Stunden vorher los. Ich bin aufgekratzt und mein linkes Augenlid zuckt. Egal, wohin ich schaue, überall nur Saustall: Cornflakes auf dem Boden, Playmobilmännli in den Ritzen der Couch und Fingerabdrücke auf dem Garderobenspiegel. Warum wird eigentlich unser Esstisch niemals leer? Die Salatschüssel ist vom Vorabend. Und der ausgekratzte Joghurtbecher? Von vorgestern? Oder von vorvorgestern? Keine Ahnung.

Ich stürze mich kopfvoran ins Chaos. Zuerst die Küche. Es heisst nicht umsonst: Gute Mütter haben saubere Küchen. Suuuper, die Abwaschmaschine ist randvoll mit dreckigem Geschirr. (Wer hat wohl vergessen, auf den Startknopf zu drücken?) Meine Motivation ist dennoch ungebrochen. Ich wienere, putze, schrubbe. Nach (gefühlten) drei Stunden bin ich schon fast mit der Küche fertig. Dann kommt der grosse Rückschlag. Ich sage nur «Backofen». Der ist nämlich von aussen hui, von innen pfui. Wenn Sie jetzt denken, das sei wurscht, hier ein vollkommen realistisches Szenario: Die Besucherin öffnet auf der Suche nach dem WC versehentlich die Backofentür. Whooozaaaa!

Tja. Und so geht das dann weiter. Zwei Minuten, bevor der Besuch kommt, bin ich endlich fertig. Die Wohnung ist makellos, und damit das so bleibt, habe ich die Kinder im Reduit eingesperrt. Dingdong!
«Hereinspaziert! Wie schön, dass du vorbeikommst!»
«Ja, ich freue mich auch sehr... sag, ist alles okay bei dir?»
«Wieso fragst du?»
«Du bist so verschwitzt – und hier sieht es so... ähm... so ordentlich...»

Autor: Bettina Leinenbach