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06. Oktober 2014

Sans papiers im Bohnebluescht-Garten

Die Gartenbloggerin ist am Roden – und stösst dabei auf eine Gruppe illegaler Einwanderer.

Asthaufen vom Roden
Wer rodet, der findet - verschiedenes und anderes!

Mit Ausklang des Gartenjahres blühen mein Herzensmann und ich energiemässig nochmals so richtig auf. Das äussert sich darin, dass wir uns eine Kettensäge (er) und eine Heckenschere (ich) schnappen und all das, was in den letzten Wochen zum Dschungel angewachsen ist, zurückstutzen, ausdünnen, in die Schranken weisen. Die Ausbeute dieser gemeinsamen Rodungsaktion wird anschliessend von der Gemeinde gehäckselt, was eine gar famose Sache ist.

Heuer ist das Courant normal jedoch aus dem Takt geraten, brachte unsere Rodungsaktion doch diverse illegale Einwanderer ans Licht des Tages. Nein, keine Neophyten, denn das wären ja Pflanzen, die sich in Gebieten ansiedeln, in denen sie zuvor nicht heimisch waren. Nein, nein, was sich da klammheimlich in unserem Garten niedergelassen hat, stammt weder aus Afrika noch aus dem Nahen Osten, sondern aus unserem Wohnquartier

Deshalb gibt es für mich eigentlich nur zwei mögliche Erklärungen: Entweder schicken unsere Nachbarn all das, was sie nicht mehr wollen, zu uns rüber. Oder – und das kommt der Wahrheit wohl näher – es hat sich auch ausserhalb unseres Gartenhags herumgesprochen, wie gut man es sich als Pflanze im Bohneblueschtgarten (naturnah, giftfrei, sonnig, tolerant) gehen lassen kann.

Wie auch immer: Sie sind da, wollen Asyl, aber Papiere haben sie natürlich keine. Daher weiss ich auch nicht, ob der Chriesibaum, der sich hinter einem Haselbaum versteckt, süss oder sauer ist. Oder ob die Kletterrose, die neben dem Tierlibaum an der Felsenbirne hochturnt, im nächsten Jahr weiss, rot oder gelb blühen wird. Oder ob der Sommerflieder, der zwischen den Heidelbeeri sein Lager aufgeschlagen hat, den Schmetterlingen in Pink- oder Schwarzviolett den Kopf verdrehen wird.

Und darum habe ich mich für ein Mal bei meinem Herzensmann und seiner Kettensäge durchgesetzt: Chriesi, Kletterrose und Sommerflieder erhalten ein provisorisches Bleiberecht, bis wir ihre Identität abgeklärt haben. Wieder gehen muss hingegen die Eiche, die illegal ins Vorgartenbeet eingewandert ist. Wie auch die Stechpalme, die wohl gemeint hat, neben den Stachelbeeri würde sie nicht weiter auffallen. Definitives Asyl bekommt Pfaffenhütchen Nummer vier – es hatte auf Familiennachzug plädiert.

Für einen aber bleibt der Schlagbaum selbst dann unten, wenn er mit einer vom Bundesrat höchstpersönlich unterzeichneten Green Card vor meiner Nase rumwedeln würde: der Kirschlorbeer, der schon seit Wochen unter dem Hag durchzuwachsen sucht!

Welche «Sans papiers» tummeln sich in Eurem Garten? Wer kriegt Asyl? Wer muss gehen? Outet Euch über einen Kommentar, oder erstellt einen eigenen Artikel inklusive Fotos (Infos zu beidem siehe oben rechts).

Autor: Almut Berger

Fotograf: Almut Berger