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14. November 2011

Samichlaus fährt Ski

November kann so schön sein. Die Herbstblätter. Der Räbeliechtliumzug. Und wenn aus den waldigen Furchen des Üetlibergs Nebelfetzen aufsteigen, erinnert es mich ans Emmental. Wunderbar! Den November mag ich nur schon deshalb, weil ich dann durch die Läden streifen und Kleinigkeiten für den Gschänkli-Adventskalender der Kinder aussuchen kann … Ich shoppe nämlich fürs Leben gern. Und dann muss ich lesen, das schwedische Möbelhaus — Sie wissen schon, dasjenige mit den Hu***gopf***ami-nomal!-Gebrauchsanweisungen — prüfe die Einführung eines Männerhorts mit TV-Ecke, Töggeli- und Flipperkasten, wo Frauen dann während des Shoppings ihre Typen deponieren könnten, weil Männer ja bekanntlich Einkaufsmuffel seien …

November kann so schön sein.

Öd, diese Typisierungen, die uns Männern sagen, wie wir scheints seien! In den Ratgeberregalen wimmelts von Büchern, die uns weismachen wollen, wie schwierig es sei, Vater zu sein und doch ein ganzer Kerl zu bleiben — als haderten wir fortwährend mit dem Rollenkonflikt, ob wir nun Softie oder Mannsbild oder beides aufs Mal zu sein hätten. Blödsinn. Vater zu sein ist einfach nur beglückend. Und wer Fudi putzt, Blusen bügelt, Haferbrei kocht und Franzwörtli abfragt, verliert deswegen nicht seine Männlichkeit. Ich jedenfalls bin guter Dinge, danke der Nachfrage. Ausserdem habe ich viel zu lachen, dieser Tage. Im Aargau erzählte mir eine Mutter, ihr sechsjähriger Sohn Souleye habe Bliggs Refrain «Rosalie, die Rose sind für dich, mi Amor» stets voller Inbrunst so nachgesungen: «Rosalie, die Hose sind dir z chlii …» Eine Luzerner Mutter schaute in den Poesiealben ihrer — inzwischen erwachsenen—Kinder nach. «Lieblingsband: Die Pörpel», stand da. Die Pörpel? Richtig, das sind die mit «Ta, ta, taaaa … Ta, ta, ta-raaa – Smoooooke on the water …». Rätselraten dann beim Eintrag: «Lieblingsessen: Steser.» Bis sich herausstellte: Gemeint war «s Dessert».

Räbeliechtli
Räbeliechtli

«Unser Zweieinhalbjähriger kam stolz vom Zoo heim», berichtet Andrea aus Zürich-Altstetten, «und erzählte, er habe den Tiger mit dem ‹Fernglacé› beobachtet.» Christas Tochter fragte als Dreijährige: «Mama, sind wir informiert oder katholisch?» Ihr Brüderchen wollte um Ostern am Frühstückstisch unbedingt das Lied hören, «wo de Samichlaus Schii fahrt».Die Mutter, ratlos, hebt zum einzigen Samichlauslied an, das ihr gerade einfällt; Volltreffer: «Was isch säb für es Liechtli? Was isch säb für en Schii?» Ein Mami berichtet: «Unser Nachbarsjunge hat gern ‹Camarell›, und ‹Schmeisschäs›.» Was «Fleischkäs» bedeutet. «Und unsere Tochter kann den ‹Schliffverluss› an ihrer Jacke schon ganz alleine schliessen.»

Da fallen mir Frudi, der Frosch, und Chutzli, der Zwerg, ein. Die verdrehen auch immer die Wörter. Sie kennen «Frudis Abentür» nicht? Kann ich, sollten Sie noch auf der Suche nach einem Adventskalender sein, nur empfehlen: eine Weihnachtsgeschichte zum Vorlesen, 24 Episoden in schönstem Berner Oberländer Dialekt. Zwei Frauen aus Adelboden haben sie ursprünglich für ihre Gotte- und eigenen Kinder geschrieben und gezeichnet.

Und haben Sie auch so ein Notfallhandy, falls ein Kind mal allein unterwegs ist? Bei Familie W. im Schaffhausischen SMS-elte die Zehnjährige, als sie unverhofft ihren Onkel Viktor im Bus antraf, nach Hause: «Mama! fickdor ist auch auf dem bus.»

Bänz Friedli (46) lebt mit seiner Frau und den beiden Kindern in Zürich.

Autor: Bänz Friedli

Fotograf: Bänz Friedli