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06. Februar 2017

Sagenumwobene Orte der Schweiz

Teufelskeller, Dreifach-Echo und eine Steinbraut: Der Schauplatz von «Das Mädchen vom Änziloch» ist nicht der einzige geheimnisumrankte oder unheimliche Schweizer Ort. Sechs weitere Beispiele mit je einem Ausflugstipp.

Die Stächeleggflue begrenzt das Änziloch spektakulär
Die Stächeleggflue begrenzt das Änziloch spektakulär. (Bild: Gemeinde Romoos)

In der Schlucht etwas östlich vom Napf soll Erwachsenen der Kopf anschwellen, die Kinder Fieber bekommen oder die Pferde bocken. In «Das Mädchen vom Änziloch» spielt Laura Röösli eine Teenagerin, die dem Spuk auf den Grund kommen will (lesen Sie das Porträt aus dem Migros-Magazin vom 6. Februar 2017 ).
Hier unser Wandertipp zum Entlebucher Änziloch – zu den weiteren Geheimnis-Plätzen schlagen wir auch einen Ausflug vor:

Karte zum Änziloch (© SchweizMobil)
(© SchweizMobil)

KRETENWANDERUNG ZUM NAPF
Um das Änziloch bestens von oben zu bestaunen, empfiehlt sich ein Ausflug auf den Napf – jedoch für einmal nicht auf der klassischen Ostseite (Romoos). Wir fahren von Luzern in gut 70 Minuten mit der Bahn (S6) nach Menznau und mit Bus 261 auf den Menzberg. Über die Bergbüelschür und zwei Seitentälchen steigen wir in den Weiler Paradiesli ab. Dann gehts hinauf auf die Bergkrete, über Oberchrache nach Hapfig, wo man die beste Aussicht ins Änziloch mit der Stächeleggflue geniesst. Nach total (gut) drei Stunden mit etwas über 600 Höhenmetern erreichen wir den Napf.
Als Abstieg empfehlen wir den spektakulären Weg Richtung Westen bis Niederenxi, danach auf der Krete über Badegg nach Luthern Bad (ca. 70 Minuten) – mit Busanschluss (282) nach Zell und per S6 nach Luzern (75 Minuten).

Teufelsbrücke, Schöllenenschlucht UR

Als die Säumer des Mittelalters nach einem Weg über die gefährliche Reuss suchten, kam ihnen ausgerechnet der Teufel zu Hilfe – so die Sage – und baute ihnen eine Brücke. Im Gegenzug forderte er das erste Wesen, das die Brücke überqueren würde. Dass die schlauen Urner einen Geissbock hinübersandten, erzürnte den Teufel so sehr, dass er die Brücke mit einem Felsbrocken zerstören wollte. Doch da kam ein altes Weiblein des Weges und malte ein Kreuz auf den Stein. Der Teufel erschrak, der Felsbrocken verfehlte die Brücke und stürzte in die Tiefe. Heute liegt er als der berühmte Teufelsstein bei Göschenen direkt an der Autobahn.

Karte zu Teufelsbrücke und Göscheneralp (© SchweizMobil)
(© SchweizMobil)

DIE SCHÖLLENEN ALS AUSGANGSPUNKT
Im Herzen des Gotthardmassivs mit sämtlichen Verkehrs- und Touristenströmen gehen wir nach Besichtigung der Schöllenenschlucht ... in ein ruhigeres Seitental biken (nur Sommersaison): Anfahrt erfolgt mit Velo und Zug nach Andermatt. Auf der Schöllenenstrasse hinunter nach Göschenen machen wir halt und bestaunen die Teufelsbrücke. Bald aber erreichen wir nach der Passage links am Bahnhof vorbei das Dorfzentrum Göschenen, und gleich nach Kurve und Brücke über den Bach verlassen wir die Hauptstrasse links in Richtung Göscheneralp. Gemütlich pedalen wir (auch mit Strassenvelo bequem fahrbar) in rund einer Stunde bis zur Staumauer, betrachten den See und landen auf dem Rückweg schon bald im idyllischen (Berg-)Gasthaus Göscheneralp (Gwüest 5).

Tüfels Chäller, Baden AG

Eine Landschaft aus Nagelfluh-Türmchen und ein mystisch anmutender Wald lassen ahnen, dass hier ein besonderer Geist haust – etwa der Teufel? Tatsächlich kann sich der Besucher bei Nebel und im Dunkeln dort leicht verirren. Immerhin liegt der Tüfels Chäller an einem gut gekennzeichneten Wanderweg.

Karte zu Tüfels Chäller  (© SchweizMobil)
(© SchweizMobil)

WALDSPAZIERGANG DURCHS NATURRESERVAT
Das Naturreservat Tüfels Chäller, leicht südlich von Baden, ist auch in einer guten halben Stunde von Zürich aus erreichbar und wartet speziell für Familien – trotz Schutzgebiet mit Feuerstellen – mit einer der schönsten Waldgebiete im Mittelland auf.
Wir empfehlen die rund anderthalbstündige Wanderroute mit total unter 200 Höhenmetern von Baden Zentrum nach Fislisbach. Über Oberstadt und Brunnmatt gelangt man im einzigen leicht anstrengenden Aufstieg ins Herz des Reservats, wo gespielt oder gerastet wird. Via Baregg und Spittelau, ein Stück dem Waldrand entlang, spazieren wir schliesslich nach Fislisbach.

Cheesereloch, Gantrischgebiet BE

Die kleine Höhle auf der Südseite des Pfyffe-Hügels soll der Eingang zum unterirdischen Reich der Helva sein, der Königin der Feen. Noch nie hat jemand die Fee gesehen – im Gegensatz zu den Zwergen, die einst auch im Cheesereloch gewohnt haben sollen und nun als Holzfiguren den Wanderweg östlich des Horbühlpasses säumen. Wenn man sie schlecht behandelt, verlassen sie den Ort auf Nimmerwiedersehen, sagt man.

Karte zu den Pfyffe / Cheesereloch  (© SchweizMobil)
(© SchweizMobil)

ÜBER DIE PFYFFEN WANDERN
Von Schwarzenburg aus erledigen wir einen Grossteil der anfallenden Höhenmeter bequem im Postauto. In Schwarzenbühl steigen wir beim Kurhaus aus und machen uns ans einzige anstrengende Routenstück: den Aufstieg von 150 Höhenmetern auf den Pfyffe-Grad (Gäggern). Dann geniessen wir bis zum höchsten Punkt der Pfyffe (1666 m ü. M.) die Aussicht ins Mittelland, bevor wir uns umdrehen und uns bis fast zum Horbüelpass südlich vom Grat hinunterblickend fragen, wo wohl der Eingang ins Reich der Helva am Fuss des Hügels sein könnte. Am Ende laufen wir gemütlich hinab nach Ottenleuenbad (totale Laufzeit an die 1½ Stunden).

Denti della Vecchia, Val Colla TI

Eine alte Frau mit fauligen Zähnen soll die Gegend im Luganeser Hinterland einst beherrscht haben, mit strenger Hand und Wutausbrüchen. Ein Beschützer der Tierwelt schaffte es einst, das alte Weib in die Schranken zu weisen. Nur noch ihre versteinerten Zähne – die Zähne der Alten – erinnern an die einstige Herrscherin.

Karte zu den Denti della Vecchia  (© SchweizMobil)
(© SchweizMobil)

MIT KLEINEM KETTENBLATT UNTER DIE ZÄHNE DER ALTEN
Ausser für geübte Alpinisten ist das Erklimmen der Denti della Vecchia kein passendes Ziel. Möglichst nah untendurch kommt man ihnen auf dem Mountainbike von Lugano her, allerdings braucht es für die knapp 700 Höhenmeter Anstieg mit einigen steilen Abschnitten Kondition – und auch etwas Kraft. Über Villa Luganese steuert man das Strässchen zur Alp Creda an, dort belohnt man sich am besten in der Osteria Monte Creda. Danach nutzt man den breiteren Alpweg (ungeteert), der nur noch rund 100 Meter ansteigt bis zum Ziel Scirona. Die letzten zwei bis drei Kilometer bestaunt man rechts oben die Zähne der Alten. Danach, zur Belohnung für das gar nicht faule Tun, gönnt man sich Abfahrt und Umweg über Colla, Pairago und das Dorf Sonvico.

Das Echo vom Lauiberg, Unteriberg SZ

Das Sihlseeli nahe beim Pragelpass sollte man unbedingt in einer Karfreitagsnacht besuchen, denn alle hundert Jahre materialisiert sich das berühmte Echo vom Lauiberg, erzählt man sich. Aber auch an normalen Tagen hat es das Echo in sich: Es wirft Geräusche gleich dreifach zurück, an vier Busstagen im Jahr gar vierfach. Schuld ist gemäss der Sage ein junger Bursche, der einst das Echo herausforderte, bis es sich ihm in Form eines Elfengesichts zeigte.

Karte zu Saaspass und Lauiberg  (© SchweizMobil)
(© SchweizMobil)

DEN SAASPASS ENTDECKEN
Beinahe unbekannt ist der natürlich nur im Sommer und Herbst empfehlenswerte Übergang vom Klöntal Richtung Pragelpass hinüber Richtung Unter- und Oberiberg. Allerdings gestaltet sich der Ausflug mangels idealer ÖV-Anschlüsse auch als längere Tageswanderung (5–6 Stunden reine Laufzeit, 800 Meter bergauf, 1000 bergab).
Am besten wählt man die frühestmögliche Verbindung über Glarus mit dem Bus 504 bis Richisau (38 Minuten). Dann wandert man über Schwellaui auf den Saaspass, schon bald danach warten das Sihlseeli, die Gelegenheit, das berühmte Echo auszuprobieren, und die Bergbeizen/-hütten von Lauiberg und Sihltal. Über Gribschli erreicht man auf dem Talsträsschen Ochsenboden, wo der Bus nach Einsiedeln wartet.

La Fille de Mai, Bourrignon JU

Zwei seltsam geformte Felstürme erheben sich nördlich der Hochebene von Bourrignon. In der Nacht vom 1. Mai sollen sich die Felsen mit dem zweiten Schlag der Mitternachtsglocken um ihre eigene Achse drehen. Denn sie sind ein versteinertes Paar, das sich einst dort in einer 1.-Mai-Nacht in wildem Tanz um ein Feuer drehte, bis es hineinfiel. Tatsächlich sieht die grössere Felsformation ein wenig wie eine sitzende Frau aus und wird «die Maibraut» genannt.

Karte zur Fille de Mai und Bourrignon  (© SchweizMobil)
(© SchweizMobil)

ZWISCHEN FRAUEN-FELS UND ZIEGELKOPF
Wälder, liebliche Hügel und schroffe Schluchten, garniert mit Felsformationen wie der Fille de Mai und dem markanteren Ziegelkopf, trifft man auf einem knapp anderthalbstündigen Spaziergang von Bourrignon nach Lucelle an. Kurz vor Schluss beschliesst ein Sumpfweiher (Etang de Lucelle) das Sightseeing-Angebot.
Los gehts in Bourrignon Richtung Westen auf einem schönen Wanderwg, bei der Ferme de Vâ biegen wir klar nordwärts ab und erreichen über La Grabe ein kurzes Strassenstück (nach Lucelle). Beim Klus-Anfang wechseln wir über den Fluss, bestaunen erst kurz rechts die sanft ansteigende Combe Jurée und dann gründlicher die links emporragende Felskonstruktion (Ziegelkopf). Weiter gehts zum Etang mit der Aussicht auf die südwestlich verlaufende Combe Noirval. Kurz darauf erreichen wir Lucelle.

Quellen: Wandern.ch / Freizeit.ch / Animahelvetia.ch / Gantrisch.ch / Tell.ch

Autor: Yvette Hettinger, Reto Meisser