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26. Mai 2014

Saft ohne Kabel

Induktion gibts nicht nur beim Kochen, sondern auch bei modernen Handys. Dank einer neuen Technik lassen sich Smartphones ohne Stromkabel aufladen.

Dual CRQ 1: Radiowecker mit Drahtlosladestation.

Ein Dokument ausdrucken, im Internet surfen oder Fotos von der Kamera auf den Computer übertragen: Klappt alles schon lange ohne Kabelsalat. Nur um die Geräte mit Strom zu versorgen, war bisher eine Verbindung zur Steckdose notwendig.

Eine neue Technologie ändert das jahrelang gültige Dogma. Qi ist ein Standard, der die kabellose Energieübertragung ermöglicht. Die Technologie wurde vom Wireless Power Consortium – einem Zusammenschluss von über 200 Firmen – entwickelt und soll vor allem in Smartphones zum Einsatz kommen. Aktuell unterstützen sechs Smartphones der Hersteller Google, Nokia und LG Qi von Haus aus. Sieben weitere, darunter HTC, Samsung und Sony, bekennen sich dazu und wollen ihren Telefonen die neue Technik ebenfalls spendieren.

Der grosse Abwesende heisst Apple: Weder gibt es ein Bekenntnis zu Qi, noch zum Wireless Power Consortium. Besitzer eines iPhones müssen dennoch nicht länger am Kabel hängen: Eine rund 20 Franken teure Hülle verleiht dem Apfeltelefon die praktische Funktion.

Tylt Vü:Drahtlosladestation.
Tylt Vü: Drahtlosladestation.

So gehts: Das Handy auf die Ladestation legen und mit dem ersten Kontakt beginnt sofort der Ladevorgang. Wenn der Abstand grösser als ein oder zwei Millimeter ist, fliesst kein Strom.

Keine Grenzen sind bei den Ladegeräten gesetzt: Qi lässt sich überall einbauen. Zum Beispiel in der edlen Ladestation Tylt Vü (rund 90 Franken) oder im Radiowecker Dual CRQ 1 von Melectronics (130 Franken).

So funktioniert die drahtlose Stromübertragung

Der vom Wireless Power Consortium verabschiedete Standard namens Qi sieht vor, dass die übertragene Leistung fünf Watt nicht überschreitet. Damit ist klar: Der Ladevorgang ohne Kabel bleibt relativ langsam und liegt deutlich hinter der Leistung per Kabel zurück. Die Stromübertragung funktioniert per Definition nur bei einem Maximalabstand von vier Millimetern – in der Praxis wird aber meistens ein direkter Kontakt zwischen Ladestation und Endgerät benötigt.

Dafür sendet die Ladestation regelmässig ein Überprüfungssignal aus. Sobald ein Gerät aufgelegt wird, wird das Signal verändert und die Station prüft, ob es sich um ein kompatibles Smartphone handelt. Ist das der Fall, wird der Ladevorgang per Induktion gestartet. Genauso wie es bei anderen Geräten im Haushalt der Fall ist: Etwa bei einem Wasserkocher, elektrischen Zahnbürsten oder dem Induktionsherd.

Kompatible Smartphones

Standardmässig lassen sich sechs Telefone drahtlos aufladen: Das Optimus G Pro von LG, die Google Nexus’ 4 und 5 sowie die Lumia-Serien 920, 930 und 1520 von Nokia.

Für zahlreiche weitere Geräte gibts Zubehör, das den Smartphones die moderne Ladetechnik spendiert: Dazu zählen die iPhones 4/S und 5/S von Apple, die Samsung-Galaxy-Serie S3 bis S5 und Note 2/3. Ebenfalls passende Hüllen stehen für das LG G2 und die Nokia Lumias 720, 820, 925 und 1020 sowie Sonys Xperia Z zur Verfügung.

Autor: Reto Vogt