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03. Juli 2013

Auf Safari vor der Haustür

Unsere einheimische Pflanzen und Tierwelt geht ausserhalb und innerhalb der Siedlungsräume ständig zurück. Viele Gründe sprechen dafür, dass wir uns mit der Idee eines Naturgartens befreunden sollten.

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Als wir unser Haus mit dem kleinen Garten kauften, war klar, dass wir die hier seit Jahrhunderten anwesenden, einheimischen Bewohner nicht vertreiben wollten. Viel Arbeit stand uns bevor. Die monotonen Hecken, die nur aus Liguster und Fichten bestanden und schnurgerade geschnitten waren, ersetzten wir durch einheimische Wildsträucher. Weissdorn, Hartriegel, Pfaffenhütchen, Roter – und Schwarzer Holunder, Kornelkirsche, Schlehdorn und Traubenkirsche wurden angepflanzt, Tümpel und Teich angelegt und Altholzinseln geschaffen. Wir stellten Steinhaufen und Trockenstandorte als Requisiten für unsere Mitbewohner zur Verfügung. Langweiliger grüner Rasen wurde zur Schlagflora umgewandelt, graue Betonmauern abgerissen und mit Natursteinen aus dem nahen Jura wieder aufgebaut. Pflanzengifte, Schneckenkörner und Düngemittel haben im Garten nichts zu suchen.
Langsam ist die ursprüngliche Pflanzen- und Tierwelt wieder zurückgekehrt. Von der Färberkamille bis zum Immenblatt, vom gelben Fingerhut bis zum Johanniskraut haben sich über hundert einheimische Blütenpflanzen angesiedelt, die von einer Vielzahl von Schmetterlingen besucht werden. Hornissen haben hier schon ihren Staat gegründet und in der alten Salweide am Weiher sind Moschusbockkäfer und Weidenbohrer zu Hause. Auch Einwanderer aus fremden Ländern, wie der asiatische Marienkäfer, die Amerikanische Kiefernwanze oder die Bisonzikade sind gelegentlich anzutreffen.
Über 40 Vogelarten haben uns über die Jahre besucht, Kohl – und Blaumeise, Amsel, Star, Feldsperling und Mönchsgrasmücke haben im Garten schon ihre Jungen aufgezogen. Nur ein kleiner Ausschnitt aus dem vielfältigen Spektrum des Naturgartens wurde hier festgehalten und aufgeschrieben. Viel wäre noch zu erzählen, von Wildbienen und Spinnenjägern, von Wasserfröschen, Bergmolchen und Libellen, oder aus dem erstaunlichen Leben der Grabwespen.
Will man den Garten nicht nur als passiver Geniesser erleben, ist es ungemein spannend und lehrreich, sich im eigenen Freiluftlabor vor der Haustür als Forscher zu betätigen.