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16. März 2015

«Meine Grossmütter sind meine Heldinnen»

Sabine Timoteo ist mit ihrem aktuellen Film «Driften» für den Schweizer Filmpreis nominiert. Zu Hause in Bern nimmt sich die Schauspielerin vor allem viel Zeit für ihre Familie.

Sabine Timoteo
Sabine Timoteos Lebenslauf: In Bern geboren, in Oregon (USA) und Lausanne aufgewachsen.

Name: Sabine Timoteo (39)
Sternzeichen: Widder
Wohnort: Bern

Beruf und Lebenslauf: Ich bin in Bern geboren, aber in Oregon (USA) und Lausanne aufgewachsen. Meine Karriere begann als Balletttänzerin. Mit 18 Jahren kam ich zu Heinz Spoerli ins Ensemble der Deutschen Oper in Düsseldorf. Dort merkte ich, dass ich mit Ballett in einer Sackgasse gelandet bin. Mit 19 Jahren wurde ich für den Film entdeckt und spielte in «L'amour, l'argent, l'amour» meine erste Hauptrolle. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich kein gutes Verhältnis zu meinem Körper und brauchte wieder Boden unter den Füssen. Den habe ich während einer Kochlehre im Berner Restaurant Harmonie gefunden – und natürlich durch die Geburt meiner beiden Töchter.

MEINE GROSSE MUTTER

MEINE GROSSE MUTTER
MEINE GROSSE MUTTER

Bei Gabi (86) gibt es die besten Knödel der Welt – natürlich nach österreichischem Rezept, mit selbst gemachtem Paniermehl und einer saftigen Zwetschge. Meine beiden Töchter verdrücken die Knödel tellerweise. Grossmutter Gabi hat als eine der Ersten erkannt, dass mich Ballett nicht mehr glücklich machte. Sie kennt mich gut. Wenn ich sie in Worblaufen BE besuche, spaziere ich immer mit meiner Hündin Perita dorthin.


MEINE ZWEITE GROSSE MUTTER

MEINE ZWEITE GROSSE MUTTER
MEINE ZWEITE GROSSE MUTTER

Madelaine (88) ist bilingue aufgewachsen, ihre Mutter kam aus Payerne VD. Mit ihr rede ich noch immer Französisch. Gabi und Madelaine, meine beiden Grossmütter, sind meine Heldinnen. Sie nehmen die Menschen so, wie sie sind, und haben eine enorme menschliche Grösse.


MEINE LIEBLINGSSCHUHE

MEINE LIEBLINGSSCHUHE
MEINE LIEBLINGSSCHUHE

In Lettland und Finnland drehten wir ‹Chronicles of Melanie›. Dort habe ich diese Stiefel entdeckt. Sie sind aus verfilzter Schafswolle hergestellt und halten meine Füsse sogar bei minus 20 Grad warm und trocken.


MEIN LUXUS

MEIN LUXUS
MEIN LUXUS

Dieses Bild wurde sprichwörtlich im leeren Raum aufgenommen. Es zeigt ein Zimmer in meiner Arbeitswohnung, das nur mit Ideen und Menschen gefüllt wird und als Projektionsfläche dient. Momentan steht bloss ein Avocadobäumchen drin.


MEIN SCHUTZENGEL

MEIN SCHUTZENGEL
MEIN SCHUTZENGEL

Walter Aebischer ist der Küchenchef der ‹Harmonie›, eines wunderschönen Restaurants bei der Berner Zytglogge. Hier stand ich eines Tages im Jeansrock in der Küche und wollte eine Kochlehre machen. Walter hat gesehen, dass ich den nötigen Durchhaltewillen mitbringe, und mich unter seine Fittiche genommen. Im ersten Lehrjahr wurde ich schwanger. Er schaute mich an und sagte: ‹Wir schaffen das.› Ich zog die Lehre durch, rannte in den Pausen zu meiner Tochter, um sie zu stillen, und ass schnell etwas. Am Ende schloss ich die Lehre mit Bestnoten ab.



MEIN FILM
MEIN FILM

MEIN FILM

Meine Figur in ‹Driften› ist spannend. Es wäre schön, wenn mehr komplexe weibliche Hauptrollen geschrieben würden. 



MEIN TICK

MEIN TICK
MEIN TICK

Ich musste schon als Kind ständig etwas kribbeln, malen oder basteln. Irgendwann entstanden Löcher im Papier, und ich entdeckte den Scherenschnitt. Heute ist eine ganze Wand damit dekoriert.


MEINE FREUNDIN

MEINE FREUNDIN
MEINE FREUNDIN

Perita ist eine Strassenhündin. Als wir in Spanien ‹Die Farbe des Ozeans› drehten, ist sie mir zugelaufen und seither nicht mehr von meiner Seite gewichen.

Autor: Anne-Sophie Keller

Fotograf: Beat Schweizer