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28. September 2015

Saatgut zum Nulltarif

Der nächste Frühling kommt bestimmt. Vorausschauende Gärtner sorgen vor und ernten jetzt ihre eigenen Blumen- und Gemüsesamen.

Samenernte beim Dill
Schneiden Sie die Gartenfreuden – hier Dill – ab und ­packen Sie sie in die Tüte (Bild: Nicola Stocken/GAP Photos).

Seine eigenen Blumensamen zu sammeln ist keine Hexerei. Dankbar sind beispielsweise Ringelblume, Stockrose, Jungfer in Grün, Tagetes, Akelei, Kapuzinerkresse und Sonnenblume. Gut eingetütet werden können auch Frauenmantel, Königskerze, Fingerhut, Bechermalve, Kosmee, Sterndolde und der Rote Sonnenhut. Beim Storchenschnabel, der seine Samen wegschleudert, empfiehlt es sich, kurz vor der Reife einen Nylonstrumpf über die Fruchthüllen zu stülpen.

Samen lassen sich auch von vielen Gemüsesorten gewinnen, vorausgesetzt, es handelt sich um keine F1-Hybriden. Diese Kreuzungen sind nicht samenfest, d.h. sie lassen sich gar nicht oder nur unter Ertragseinbussen weiterziehen. Wer sein eigenes Salatsaatgut gewinnen will, lässt ein paar Pflanzen schiessen. Da nur ausgereifte Samen gut keimen, empfiehlt es sich, nicht zu früh zu ernten.
Wählen Sie einen trockenen, windfreien Nachmittag und konzentrieren Sie sich auf die Samenstände kräftiger, schöner Pflanzen. Die Ernte wird mit Hilfe eines Siebes von allfälligen Samenhüllen und Stängelteilen befreit. Am einfachsten geht das auf einer hellen Unterlage, beispielsweise einem weissen Blatt Papier. Mohnkapseln klopfen Sie über einem Geschirrtuch aus. Anschliessend werden die Samen sortengetrennt und auf Küchenpapier in flachen, offenen Gefässen an einem warmen, zugfreien Ort ausgelegt, bis sie ganz trocken sind. Bei der Sonnenblumenkern-Ernte werden die Blütenköpfe bereits kurz vor dem Verblühen abgeschnitten und an einem Schattenplatz nachgereift. Aber aufgepasst: Ist die Luftfeuchte zu hoch, beginnen sie zu schimmeln. Sobald sich die Kerne von selbst lösen, sind sie reif.

Die Hülsen von Hülsenfrüchte wie Erbsen oder Bohnen sollten trocken und dunkel gefärbt, aber noch nicht aufgeplatzt sein. Bei Gemüse mit Fruchtfleisch wie Tomate oder Gurke muss der Samen komplett von der gallertartigen Hülle gereinigt werden, da sie keimhemmende Stoffe enthält. Gut geht das in einem Sieb unter laufendem Wasser.
Gesammelte Samen richtig aufbewahren
Schimmelbildung ist Gift für jeden Samen; lagern Sie nur absolut trockenes Saatgut ein, und zwar möglichst gleichmässig kühl und dunkel. Ob luftdicht oder nicht, da gehen die Meinungen auseinander: Während die einen ihre Ernte in Schraubgläsern oder alten Plastikfilmdosen horten, schwören andere auf feuchtigkeitsbindende Kaffeefiltertüten oder selbst gefaltete Papiercouverts. So oder so empfiehlt sich ein sorgfältiges Anschreiben mit Samensorte und Erntejahr: Im nächsten Frühling werden Sie froh darum sein.


Tipps: Keimprobe

Sorgfältig gelagertes Saatgut bleibt drei bis vier Jahre lang keimfähig, bei Tomaten können es bis zu zehn Jahre sein. Wer sichergehen will, dass während Ernte und Lagerung nichts schiefgelaufen ist, kann die Keimfähigkeit von älterem Saatgut per Keimprobe testen:
Die Probesaat: Legen Sie einen Suppenteller mit feuchtem Küchenpapier aus. Darauf verteilen Sie rund 20 Samen. Anschliessend wird der Suppenteller inklusive Saatgut mit Klarsichtfolie abgedeckt und bei Zimmertemperatur ans Fenster gestellt. Achtung: Das Küchenpapier darf nicht austrocknen. Keimt nach 10 bis 20 Tagen die Mehrheit der Samen, ist das Saatgut noch verwendbar.

Der Schwimmtest: Dazu streuen Sie einige Samen in ein Glas mit Wasser. Sinken diese innert Stundenfrist auf den Grund, enthalten sie ausreichend Inhaltsstoffe für die Keimung. Schwimmen sie obenauf, sind sie wahrscheinlich ausgetrocknet und werden, wenn schon, schlecht antreiben.

Autor: Almut Berger