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02. April 2012

Ruhe bewahren!

Jedes zweite Elternpaar glaubt, ein Schreibaby zu haben, sagt eine Studie. Tatsächlich ist nur jedes fünfte betroffen.

Jedes fünfte Kind ist ein Schreibaby.
Jedes fünfte Kind ist ein Schreibaby. (Bild: Plainpicture)

Hunger, Durst, nasse Windeln oder schlicht Langeweile sind Gefühle, die Babys über Schreien mitteilen. Das ist normal. «Doch exzessives Schreien kann die Eltern nervlich an Grenzen bringen», sagt Kinderarzt René Glanzmann (54), Leiter der Schreisprechstunde am Universitäts-Kinderspital beider Basel.

Fast die Hälfte der Eltern haben das Gefühl, sie hätten ein Schreibaby, stellt eine Studie der Universität von Queensland in Australien fest. Tatsächlich ist aber nur jedes fünfte Elternpaar betroffen. Diese Zahlen bestätigt René Glanzmann auch für die Schweiz. Wissenschaftlich gesehen weinen Schreibabys mehr als drei Stunden am Tag, an mehr als drei Tagen in der Woche und dies über einen Zeitraum von mehr als drei Wochen. «Etwa ein Viertel unserer Patienten erfüllt die wissenschaftlichen Kriterien nicht», so Glanzmann. Dennoch ist der Leidensdruck der Eltern so gross, dass eine Abklärung sinnvoll ist, bevor die Eltern in der Verzweiflung dem Kind schaden und es beispielsweise hart anfassen. «Schütteltraumen sind nicht selten», bestätigt der Schreiexperte.

Daher ist es wichtig, dass Eltern, die unter dem Schreien leiden, Hilfe beim Kinderarzt suchen, denn allgemein gültige Tipps, wie mit einem Schreibaby umzugehen ist, gibt es nicht. «Ist man nach dieser Abklärung aber sicher, dass dem Kind nichts fehlt, kann man es auch einmal einen Moment allein schreien lassen», sagt Glanzmann.

Die Umfrage: Wie lange schreit Ihr Baby, bis Sie aus dem Konzept geraten?

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Autor: Thomas Vogel