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31. August 2015

Höhenkrankheit

Hochsommer ist die Zeit der Bergtouren. Wer sich unakklimatisiert in grossen Höhen bewegt, riskiert, vom Sauerstoffmangel krank zu werden. Die akute Bergkrankheit ist dabei am häufigsten.

Ab 2500 m ü. M. gemächlicher aufsteigen
Ab 2500 m ü. M. sollte man gemächlicher aufsteigen. Sonst drohen Übelkeit, Kopfschmerzen und Ödeme. (Bild: visualimpact.ch)

Unangenehm, aber nicht lebensbedrohlich: Die akute Bergkrankheit tritt ab etwa 2500 m ü. M. auf und äussert sich durch Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit und schlechten Schlaf. Zudem können Schwindel und Schwellungen (Ödeme) an Händen, Füssen und im Gesicht auftreten. Die Symptome zeigen sich nicht sofort nach Erreichen der Höhe, sondern erst nach vier bis acht Stunden. Man sollte damit nicht weiter aufsteigen. Kopfschmerztabletten oder Tropfen gegen Übelkeit helfen. Im Normalfall verschwinden die Beschwerden nach ein bis drei Tagen. Falls nicht, muss abgestiegen werden.

Wenn Kopfschmerzen nicht mehr auf die Therapie ansprechen, wiederholtes Erbrechen auftritt und der Bergsteiger langsam wesensverändert, schläfrig oder gar bewusstlos wird, liegt höchstwahrscheinlich ein Höhenhirnödem vor, das oberhalb von 4000 m auftreten kann.
Auch ein Höhenlungenödem ist ab einer Höhe von 3000 bis 3500 m ü. M. möglich: Übermässige Leistungsminderung und Atembeschwerden treten auf, später können Husten, Rasselgeräusche beim Atmen oder blutig-schaumiger Auswurf dazukommen.
Hirn- oder Lungenödem brauchen ein bis zwei Tage Zeit, bis sie sich entwickeln. Bei entsprechendem Verdacht muss sofort medizinische Hilfe organisiert und der Betroffene in tiefere Lagen gebracht werden, sonst droht Lebensgefahr.

Tests in der Höhe sind unumgänglich, um seine Grenzen auszuloten
Während die akute Bergkrankheit in den Alpen recht häufig ist, treten Höhenhirn- oder Höhenlungenödem hierzulande nur selten auf. Sie kommen vermehrt dort vor, wo man sich auch längere Zeit auf grösseren Höhen aufhält wie in Südamerika oder Nepal.
Vorbeugen kann man allen drei Erkrankungen, indem man sich gut akklimatisiert und nicht zu schnell aufsteigt. Wer oberhalb von 2500 m seine Schlafhöhe um durchschnittlich nicht mehr als 400 m pro Tag steigert, wird selten krank. In Ausnahmefällen ist auch eine medikamentöse Prophylaxe möglich.

Die individuellen Unterschiede bei der Höhentoleranz sind aber beträchtlich. Leider gibt es trotz intensiver Forschung auf diesem Gebiet noch keine Tests, die dies im Flachland zuverlässig messen können. Der beste Test ist immer noch die Höhe selbst. Was bei früheren Höhenaufenthalten zu Problemen führte, wird mit grosser Wahrscheinlichkeit auch künftig Probleme machen. Was unter gleichen Voraussetzungen funktionierte, wird sich auch ein zweites Mal als gut erweisen.

Wer regelmässig höhenbedingte Probleme hat, sollte sich von einem Spezialisten beraten lassen. In den meisten Fällen gibt es Möglichkeiten, Beschwerden zu vermeiden, so dass das Bergerlebnis wieder zum Genuss wird. 

Autor: Christoph Dehnert