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15. September 2014

Und die Rückkehr in Schule und Beruf?

Woran gilt es vor der Weltreise mit Kindern zu denken? Die wichtigsten Fragen für die Familie Santner drehten sich nicht bloss um die Reise, sondern mehr noch um das Danach.

Aufgaben auf der Australienreise
Mikko lernt die Schnürlischrift. Aufgaben wurden auf der Australienreise rege gelöst, dennoch fällt die Rückkehr in die Schule nicht immer leicht. (Bild zVg)

Die drei zentralen Fragen für die Familie Santner vor der Australien-Auszeit und weitere Punkte in Kürze:

1. Kann man die Kinder für ein halbes Jahr oder länger wegen einer geplanten Reise aus der Schule nehmen?Nina Santner: Ja, das geht. Die Eltern sollten auf jeden Fall das direkte Gespräch mit der Lehrerschaft und der Schulpflege suchen. Grundsätzlich gilt jede Absenz über drei Monate nicht mehr als Urlaub, sondern als Austritt. Wenn die Reise beendet ist, tritt das Kind dann wieder ins Schulsystem ein. Im Idealfall kann es nahtlos anknüpfen, es besteht aber das Risiko, dass es zu viel Schulstoff verpasst hat und das Jahr wiederholen muss. Deswegen ist es empfehlenswert, sich nicht nur das Okay der Schule zu holen, sondern auch Unterrichtsmaterialien zu organisieren. So können die Eltern zumindest versuchen, dass die Lernrückstände nicht zu gross werden.

Zu berücksichtigen gilt es, dass die Unterschiede zwischen den Schulen von Kanton zu Kanton beträchtlich sind. Und dass je nach Länge der Abwesenheit und Aufarbeitung des Stoffes auch eine neue Klassenzuteilung erfolgen kann.2. Ist ein Arbeitgeber verpflichtet, so eine lange Auszeit zu gewähren?
Keinesfalls. Die Erfahrung zeigt aber, dass es sich immer lohnt, das Thema offen anzusprechen. In vielen Fällen sind die Chefs durchaus bereit, eine Art Sabbatical zu gewähren. Wenn man die geplante Auszeit noch mit angesammelten Ferientagen verbindet und sich anderweitig flexibel zeigt, ist vieles möglich. Kluge Arbeitgeber denken nicht nur kurz-, sondern mittel- und langfristig. Ein Angestellter, der ein halbes Jahr auf Weltreise geht, kommt nicht nur sehr entspannt, sondern auch mit vielen neuen Erfahrungen zurück. Das kann im Berufsleben wertvoll sein.
3. Wie lange muss eine solche Reise vorbereitet werden?
Als Faustregel gilt: Die Vorbereitung sollte etwa doppelt so lange wie die eigentliche Reisezeit sein. Das gilt insbesondere, wenn man sich für exotischere Ziele entscheidet.

Auch zuhause müssen viele Dinge geregelt werden:
- Was geschieht mit meinem Haus/meiner Wohnung, während ich weg bin?
- Brauche ich einen Untermieter während der Reisedauer?
- Wer schaut vor Ort nach dem Rechten?
- Was geschieht mit der Post? Wer kümmert sich um den wichtigen Papierkram, wenn ich unterwegs bin?
- Reicht mein Krankenversicherungsschutz aus?
- Weiss das Kreditkartenunternehmen, dass meine Karte bald an entlegenen Orten zum Einsatz kommt?
- Wie halte ich den Kontakt zu den Daheimgebliebenen?
- Brauche ich Reisemedikamente (z. B. Malaria-Prophylaxe)?
- Gibt es Impfungen, die ich noch benötige?
- Welche Hilfsmittel muss ich noch anschaffen, um auf dem Trip so unabhängig wie möglich zu sein (z. B. Solar Panel oder Wasseraufbereitungstabletten)?
Bei der Etappenplanung ist es wichtig, realistische Ziele zu setzen:
- Welche Stationen sind fest eingeplant und welche Ziele können gegebenenfalls gestrichen werden?
- Habe ich genügend Puffer, falls etwas Unvorhergesehenes passiert?
- Wann muss ich wo sein, um beispielsweise einen Anschlussflug zu erreichen?
- Wie sind die klimatischen Bedingungen vor Ort? (reise ich besser von Norden nach Süden oder von Süden nach Norden?)
- Wie komme ich an Bargeld, wenn kein Automat/keine Bank vor Ort ist?
- Welche besonderen Regeln gelten in den Zielländern? (Kulturelle Besonderheiten, Sicherheitsvorkehrungen in Bezug auf giftige Pflanzen und Tiere)
- An wen kann ich mich vor Ort wenden, wenn Probleme auftauchen (Botschaft, Konsulat)?

In Denham muss man Trinkwasser kaufen
In Denham muss man Trinkwasser kaufen, es ist sehr rar. Doch im Nationalpark François Peron gibt's kein Trinkwasser. (Bild zVg)

Autor: Bettina Leinenbach