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08. September 2014

Rollender Ärger

Wo Velos auf Autos und Fussgänger treffen, sind Aggressionen vorprogrammiert. Lösen lässt sich das Problem nur mit sauber getrennten Velowegen. Was meinen Sie zur Problematik? Stimmen Sie ab.

Velos in der Stadt
Wer bedrängt wen? Zu wenig Platz für alle Verkehrsteilnehmer schafft heikle Situationen.

Fehlende Velostreifen, verwirrende Verkehrssituationen und Mischzonen sorgen in allen Schweizer Städten für rote Köpfe. Bei Mischverkehrszonen hilft nur eins: «Die Leute müssen tolerant und rücksichtsvoll sein», sagt Jean-François Steiert (53), Präsident von Pro Velo Schweiz. «Da ist schlicht zu wenig Platz, um Fussgänger und Velofahrer zu trennen.»

In ihrer Velotauglichkeit schneiden aber alle Schweizer Städte schlecht ab, wie eine Umfrage von Pro Velo Schweiz zeigt. Der Durchschnitt der von den Befragten abgegebenen Noten liegt bei einem ungenügenden 3,8, Schlusslicht ist Zürich mit 3,2, Siegerin Burgdorf mit 4,76. Ein «gut» gibts also hierzulande nirgendwo.

Dabei gäbe es etliche gute Vorbilder in Holland, Norddeutschland oder der Velostadt Kopenhagen, von denen hiesige Verkehrsplaner lernen könnten. «Oft wird angeführt, dass hier nicht machbar ist, was in flachen holländischen Gebieten möglich ist. Doch der Vergleich hinkt», meint Jean-François Steiert. «Viele Städte sind auch hier flach. Und die Zunahme an E-Bikes, bei denen Steigungen egal sind, steigt massiv.» Es sei eher der politische Wille, der fehle. Denn: «Wir sind sicher nicht ärmer als jene vorbildlichen Städte, die viel investiert haben.» Es wurde in den vergangenen Jahren zwar einiges getan, doch die Entwicklung schreitet langsamer voran als ringsum in Europa. «Die Veränderung passiert in den Köpfen. Velowege haben hier leider keine Priorität.»

Vielen Leuten ist auch nicht bewusst, dass Velofahrwege allen Verkehrsteilnehmern nützen: «Enge Strassen mit Mischverkehr fördern Aggressionen, bessere Velowege vermeiden dieses Risiko», sagt Jean-François Steiert. Und sie würden auch Staus vermindern. Veloweg gut, alles gut?

Autor: Claudia Langenegger