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20. Februar 2017

Rolf Weder sieht nur wenige Globalisierungsverlierer

Die Schweiz gehört zu den grössten Profiteuren der Globalisierung, sagt der Basler Wirtschaftsprofessor Rolf Weder. Aber die Verunsicherung habe auch hier zugenommen. Er plädiert für eine stärkere Einschränkung der Migration, Altersvolontariate und ein flexibleres Rentenalter, um denjenigen zu helfen, die durch die Globalisierung unter Druck geraten.

Rolf Weder
Rolf Weder glaubt nicht, dass die Globalisierung gestoppt oder umgekehrt werden kann: «Die Alternative wären wohl Handelskriege.»

Rolf Weder, wann hat die Globalisierung begonnen?

Schon im alten Ägypten. Die Schifffahrt hat dabei eine wichtige Rolle gespielt. Durch sie war es möglich, grosse Distanzen günstig zu überwinden, und so begann der internationale Austausch von Gütern. Für die europäischen Länder wirtschaftlich relevant wurde dieser Austausch im Zuge der Industriellen Revolution in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Damals begannen viele Nationen, Industriegüter zu produzieren, die man dann austauschte. Bis zum Ersten Weltkrieg 1914 hat das stark zugenommen.

Das war die erste grosse Globalisierungsphase?

Genau. Der internationale Güterhandel unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg war so intensiv wie dann erst wieder in den 1960er- und -70er-Jahren. So lange hat es gedauert, die Folgen der zwei Weltkriege und des zunehmenden Protektionismus zu überwinden. In den 80er-Jahren begann dann die Globalisierung in neuer Dimension.

Wodurch wurde sie ermöglicht?

Durch die Liberalisierung. Staaten bauten Zölle ab, Transportkosten reduzierten sich dramatisch und der Herstellungsprozess veränderte sich stark. Ein Produkt wird heute nicht mehr als Ganzes am gleichen Ort hergestellt, stattdessen werden Einzelteile an diversen Standorten produziert und schliesslich zusammengesetzt. Das hat auch weniger hochentwickelten Ländern ermöglicht, nützliche Dinge herzustellen und zu exportieren. Diese Aufsplittung der Wertschöpfungskette hat in den letzten 20, 30 Jahren entscheidend zur starken Globalisierung der Welt beigetragen. Das Internet hat zusätzlichen Schub gegeben und Handels- und Transportkosten weiter reduziert.

Der Wohlstand jeder Nation nimmt durch den internationalen Handel zu. Aber innerhalb der einzelnen Länder gibt es Umverteilungen, die auch langfristig wirken.

Es heisst immer, dass langfristig praktisch alle von der Globalisierung profitieren – selbst diejenigen, die es vielleicht kurzfristig nicht tun. Ist das so?

Nicht unbedingt. Fokussieren wir mal auf den Güterhandel: Sicher profitieren sämt­liche Länder davon – der durchschnittliche Wohlstand jeder Nation nimmt durch den internationalen Handel zu. Aber innerhalb der einzelnen Länder gibt es Umverteilungen, die auch langfristig wirken. Wer seinen Job verliert, weil das Gleiche in China billiger gemacht werden kann, findet in der Regel wieder eine neue Stelle – und meist in einer besseren, produktiveren Branche oder Firma. Aber in einem Land wie der Schweiz, die zunehmend auf hochqualifizierte Arbeitnehmer setzt und niedrigqualifizierte Arbeiten im Ausland erledigen lässt, kann es durchaus passieren, dass die verbleibenden Niedrigqualifizierten auch langfristig verlieren. Verlierer kann es also geben, aber das Land als Ganzes profitiert.

Die Schweiz offenbar besonders stark. Wieso gerade sie?

Generell profitieren kleine Länder von der Globalisierung am meisten. Die Schweiz hat sich auf einige Bereiche spezialisiert – etwa Banken, Pharma, Feinmechanik – und ist dort so gut, dass ihre Produkte international sehr gefragt sind. Gleichzeitig hat sie dank der Globalisierung Zugang zu einer Vielzahl von Zwischenprodukten und Talenten, mit denen sie ihre Spezialisierung weiter verbessern kann. Und an die sie als kleines Land sonst niemals rankäme. Dank ihrer gefragten teuren Exportgüter kann sie sich auch viele günstige Importwaren leisten. Das macht letztlich ihren Wohlstand aus.

Stagnierender Welthandel und das Ausmass der Globalisierung
Stagnierender Welthandel und das Ausmass der Globalisierung

Was wäre ohne Globalisierung anders?

Wir hätten viele Dinge nicht mehr oder müssten sie selbst herstellen. In Basel gab es zum Beispiel früher mal den kleinen Automobilhersteller Monteverdi. Die Fahrzeuge waren zwar schön, aber auch sehr teuer, und hatten auf die Dauer keine Chance. Generell wären alle Güter teurer, und wir hätten eine viel geringere Auswahl, was Wohlstand und Lebensstandard stark reduzieren würde.

Globalisierung ist aber heute viel mehr als Güterhandel und Dienstleistung.

Absolut, der Austausch von Personal und Kapital gehört ebenfalls dazu. Und auch beim Handel wird immer mehr in die Autonomie von Ländern eingegriffen, was ja heute auch viele kritisieren: zum Beispiel Vorschriften, dass Industrien nicht subventioniert werden. Oder einheitliche Umwelt-, Produktions- und Produktestandards.

Anders als in den USA haben in der Schweiz die Löhne für Hochqualifizierte nicht mehr zugelegt als jene für Niedriqualifizierte.

Ganz grundsätzlich: Wer profitiert und wer leidet unter der Globalisierung?

Rund 160 Länder sind in der Welthandelsorganisation WTO dabei, und die haben als Ganzes alle profitiert. Innovative Länder mit gut ausgebildeten Menschen wie die Schweiz besonders – und hier wiederum am meisten jene gut ausgebildeten Menschen, die in attraktiven Exportbranchen tätig sind. Bei genauerer Betrachtung der Daten sieht man, dass zum Beispiel in den USA in den letzten 25 Jahren eine Lohnschere entstanden ist: Die Löhne der Hochqualifizierten haben deutlich mehr zugelegt als jene der Niedrigqualifizierten. In der Schweiz hingegen gab es keine solche Lohnschere. Das bedeutet einerseits, dass es den Tiefqualifizierten hier besser gelungen sein könnte, andere, anspruchsvollere Jobs zu finden als in den USA. Andererseits sind die Löhne der Hochqualifizierten hier weniger stark gestiegen als anderswo, wohl auch, weil wegen der starken Einwanderung immer genügend gutes Personal zur Verfügung stand.

Die Einwanderung hat also grossen Einfluss auf die Entwicklung.

Oh ja. Im Vergleich zur Zahl der Beschäftigten ist sie in der Schweiz relativ hoch. Und sie hat sich in den letzten 15, 20 Jahren stark verändert. Während man zuvor vor allem die Immigration von Niedrigqualifizierten förderte, ist die Schweiz nun speziell für Hochqualifizierte attraktiv. Das ist natürlich eine positive Entwicklung: Hochqualifizierte haben ein viel kleineres Risiko, arbeitslos zu werden, und sind gute Steuerzahler. Aber es hat sicher auch die Löhne gedrückt.

Wer spürt sonst noch negative Effekte?

Die Arbeitslosigkeit in der Schweiz ist zwar vergleichsweise tief, aber unter den Niedrigqualifizierten hat sie in den letzten 20 Jahren relativ stark zugenommen. Unsere Analysen haben allerdings gezeigt, dass dies nicht auf den Importdruck der Globalisierung zurückzuführen ist, obwohl wir das eigentlich erwartet hatten. Einzelne Beispiele lassen sich natürlich immer finden, aber letztlich können wir nicht belegen, dass zum Beispiel Importe aus Billiglohnländern dafür verantwortlich sind.

Aber vielleicht die Einwanderung? Arbeitgeber können sich ihr Personal in ganz Europa suchen.

Es wäre möglich, dass unter den Niedrigqualifizierten dadurch ein gewisser Verdrängungseffekt stattfindet. Das müsste man sich genauer ansehen.

Wer seinen Job verliert, muss bereit sein, sich zu verändern, um wieder etwas Neues zu finden. Dann gelingt das meist auch.

Dann gibt es in der Schweiz eigentlich nur Einzelfälle, die man als Globalisierungsverlierer bezeichnen kann?

So ist es. Dank unserer diversifizierten Wirtschaft und unserem flexiblen Arbeitsmarkt. Trotzdem gibt es auch hier Menschen, deren Job ins Ausland verlagert wurde und die keinen neuen mehr finden. Es gibt Firmen, die schliessen mussten, weil man im Ausland günstiger produziert. Wer davon betroffen ist, muss bereit sein, sich zu verändern, um wieder etwas Neues zu finden. Dann gelingt das meist auch.

Der westliche Mittelstand Mittelstand hat weniger profitiert
Der westliche Mittelstand Mittelstand hat weniger profitiert

Könnte man sagen: Negative Effekte spüren alle, die sich nicht flexibel genug an die neuste Entwicklung der Globalisierung anpassen können oder wollen?

Das hat schon was, den stärkeren Wettbewerb spüren fast alle. Manchmal muss man den Wohnort wechseln, um einen neuen Job zu finden. Und selbst wenn der vielleicht attraktiver ist als der alte, fühlen sich die ­Betroffenen nicht gut, weil es ihnen am ­früheren Wohnort besser gefallen hat – und sie zudem fürchten, dass ihnen in ein paar Jahren dasselbe wieder passieren könnte. Bei vielen Menschen ist deshalb das Gefühl der Unsicherheit stark gestiegen. Die Globalisierung bringt mehr Ertrag, birgt aber eben auch mehr Risiken. Und da kann es schon sein, dass die Verunsicherten dann bei einer Wahl für den Kandidaten stimmen, der mehr Stabilität und Kontrolle verspricht, wie Donald Trump das getan hat.

Nach Trumps Sieg scheinen nun auch die diversen regionalen Freihandelsabkommen keine Chance mehr zu haben.

Bei diesen Abkommen geht es nicht nur darum, grenzüberschreitenden Handel zu ermöglichen. Sie sollen auch Produktvorschriften harmonisieren, Dienstleistungen neu regulieren oder es Firmen ermöglichen, Länder zu verklagen. Das geht also sehr viel weiter. Und die Kritiker wollen vor allem, dass ihr Land wieder eigenständiger über solche Dinge entscheiden kann. Das hat wohl auch den Brexit motiviert: Man wollte wieder mehr selbst entscheiden.

Wenn ein Land gute Gründe hat, bestimmte für die Umwelt, Sicherheit oder Gesundheit sensible Bereiche zu schützen, dann ist das in Ordnung.

Ist es wirtschaftlich ein Verlust, wenn diese Abkommen nicht zustande kommen?

Ich finde nicht. Sie würden zu Verzerrungen im Handel führen, weil sie Sonderregelungen für gewisse Regionen schaffen und Dritte diskriminieren. Der Handel ist bereits gut über die WTO-Abkommen geregelt. Ich bin nicht der Ansicht, dass es nötig ist, alles zu öffnen. Wenn ein Land gute Gründe hat, bestimmte für die Umwelt, Sicherheit oder Gesundheit sensible Bereiche zu schützen, dann ist das in Ordnung. Problematisch ist nur, wenn es Produkte nicht ins Land lässt, um damit bei sich eine Branche zu schützen, die vergleichsweise ineffizient ist.

Globalisierungskritik begann Ende der 90er-Jahre als Randerscheinung, heute vertritt selbst der US-Präsident solche Positionen. Was ist passiert?

Die Proteste in den 90er-Jahren waren tatsächlich Fundamentalkritik am internationalen Handel von Gütern und Dienstleistungen. Heute ist die Kritik ganz anders gelagert: Sie fokussiert auf regionale Zusatzverträge, die sich in die nationale Politik einmischen und oft zusätzlich einen freien Austausch von Arbeitskräften beinhalten. Zündstoff bietet auch, dass inzwischen neue, grosse Länder am Freihandel teilnehmen: China, Indien, Brasilien – das bekommt zum Beispiel die Industrie in den USA stark zu spüren. Und es gibt noch einen Bereich, in dem sich die Globalisierung stark negativ auswirkt.

Nämlich?

Frei zugängliche Ressourcen wie Fische in den Weltmeeren. Wir zeigen in einer neuen Studie, dass der internationale Handel für Haie verheerende Folgen hat. Deren Flossen landen zu Abertausenden in den Suppentellern Asiens. Unterbinden kann man das nur mit Verboten und rigiden Kontrollen, ansonsten droht die Ausrottung langsam wachsender Haie. Frühe Opfer der Globalisierung waren ähnlich die Büffel Nordamerikas. Die wurden im 19. Jahrhundert innert zehn Jahren von etwa zehn Millionen auf wenige hundert Tiere dezimiert – ihre Häute landeten in der Lederindustrie Europas, wie ein Kollege vor ein paar Jahren nachwies. Dort konnten sie dank einer technologischen Innovation plötzlich verarbeitet werden und waren günstiger als die dünneren Häute von Kühen im Privatbesitz.

Rolf Weder: «Bei vielen Menschen ist die Unsicherheit stark gestiegen.»
Rolf Weder: «Bei vielen Menschen ist das Gefühl der Unsicherheit stark gestiegen.»

Rolf Weder: «Bei vielen Menschen ist das Gefühl der Unsicherheit stark gestiegen.»

Wie bedeutend sind die Globalisierungsverlierer und -skeptiker in den Koalitionen, die Politiker wie Donald Trump oder Massnahmen wie den Brexit unterstützen?

Die Frage ist, wo der Kern der Kritik liegt: Geht es um grenzüberschreitenden Handel von Gütern und Dienstleistungen? Migration? Entscheide von supranationalen Organisationen, an die sich ein Land halten muss, ob es will oder nicht? Nimmt man all das zusammen, machen diese Kritiker sicherlich einen substanziellen Teil dieser Koalition aus. In den USA ist die Industrie durch den Handel mit China stärker unter Druck geraten als in anderen Ländern, entsprechend gibt es mehr Menschen, die dem die Schuld an ihrer Misere geben. Ich bezweifle zwar, dass sie wahlentscheidend waren, aber sie hatten sicher einen gewissen Anteil in der Koalition der Trump-Wähler. Für entscheidender halte ich aber das Thema Migration.

Es braucht stabile Auffangnetze und ein Steuersystem, das angemessen umverteilt.

Was müssen Politik und Gesellschaft tun, um den Gruppen zu helfen, die unter der Globalisierung leiden?

Es braucht stabile Sozialsysteme. Durch die Globalisierung werden immer irgendwo Arbeitsplätze verloren gehen; die Betroffenen müssen sich neu orientieren und qualifizieren, und sie brauchen ein gutes Auffangnetz, um in der Zwischenzeit ihren Lebensstandard halten zu können. Zudem braucht es ein Steuersystem, das angemessen umverteilt, sodass die Gewinner der Globalisierung einen Teil ihres Profits abgeben. Beides, Auffangnetz und Steuersystem, funktioniert in den USA zu wenig gut, deshalb ist die Kritik dort lauter als bei uns.

Die Schweiz ist da besser aufgestellt?

Ich finde schon. Es gibt eine ziemlich starke Umverteilung und stabile Auffangnetze. Entscheidend ist, dass wir das trotz Spardruck so erhalten können. Umso wichtiger ist es, sicherzustellen, dass die Sozialsysteme nicht missbraucht werden. Sonst verlieren sie politisch an Unterstützung.

Aber denen, die leiden, reicht das nicht. Was könnte man noch tun?

Eine stärkere Einschränkung der in einigen Ländern hohen Migration wäre sicherlich hilfreich. Wenn es weniger leicht ist, junge Talente aus dem Ausland anzustellen, steigt die Nachfrage für gute Mitarbeiter im Inland. So haben auch ältere Leute wieder bessere Chancen. Es braucht gewisse Grenzen bei der Migration – mehr als beim Güter- und Dienstleistungshandel. Dass die EU sich so da­gegen sperrt, kann ich nicht verstehen. Damit gefährdet sie das ganze Integrationsprojekt. Wirtschaftlich entscheidend ist, wie diejenigen Einwanderer ausgewählt werden, die willkommen sind. Es sollten die kommen, die einen möglichst hohen Mehrwert generieren. Man könnte eine Art Punktesystem für Einwanderer einführen, wie es Kanada hat, oder eine Auktion.

Wir sollten die fixe Pensionierungsgrenze aufheben. Welche Firma bildet einen 57-Jährigen neu aus im Wissen, dass er in acht Jahren ohnehin pensioniert wird?

Aber auch dann bleibt das Risiko, bei Umstrukturierungen den Job zu verlieren und nichts Neues mehr zu finden.

Besonders hoch ist das Risiko für Leute über 50, die lange im gleichen Job für die gleiche Firma gearbeitet haben und sich nun plötzlich umorientieren müssen. Für diese Menschen müssen wir mehr tun, es zum Beispiel erleichtern, dass sie neue Ausbildungen machen können. Fast noch wichtiger wären mehr Möglichkeiten fürs Learning-by-doing, also die Chance, am Arbeitsplatz zu lernen. Ein Problem dabei sind oft die hohen Löhne und Lohnnebenkosten in diesem Alter, das sollten wir flexibilisieren. Auch die Bereitschaft, im Alter etwas weniger zu verdienen, würde helfen.

Es bräuchte quasi Altersvolontariate?

Ja, vielleicht. Und wenn wir schon dabei sind: Wir sollten die fixe Pensionierungsgrenze von 65 aufheben. Welche Firma bildet einen 57-Jährigen neu aus im Wissen, dass er in acht Jahren ohnehin pensioniert wird? Würde er hingegen bis 75 arbeiten und dabei nur 70 Prozent von einem 40-Jährigen kosten, wird er plötzlich attraktiv.

Eigentlich sind die Mitteparteien das Problem, denn ihre Politik, ihre unzureichenden Lösungen, haben die extremeren Polparteien erst stark werden lassen.

Um all dies durchzusetzen, müsste sich politisch aber einiges bewegen.

Tatsächlich. Aber umso mehr sollten wir diese Dinge nun angehen. Da sind vor allem die vernünftigen Parteien der Mitte gefordert. Eigentlich sind sie das Problem, denn ihre Politik, ihre unzureichenden Lösungen, haben die extremeren Polparteien erst stark werden lassen. Wenn sich das nicht bessert, muss man sich in der Tat Sorgen machen. Umso mehr, als die Pläne von Populisten wie Trump die genannten Probleme wohl nicht lösen können.

Angenommen, die globalisierungskritischen Kräfte setzen sich politisch noch stärker durch: Liesse sich die Globalisierung überhaupt stoppen oder gar umkehren?

Trump hat sich ja bereits ein wenig gemässigt. Er unterstützt zwar das TPP nicht, aber ein Austritt aus der WTO ist kein Thema – das hätte dann enorme Konsequenzen. Werden diese Kräfte noch stärker, gäbe es vermutlich keinen weiteren Ausbau des Handels mehr. Ziemlich sicher würde die Einwanderung eingeschränkt. Aber dass die Globalisierung an sich gestoppt oder umgekehrt werden könnte, scheint mir unwahrscheinlich. Die Alternative zu den WTO-Abkommen wären wohl Handelskriege: Die einen würden Zölle erhöhen, die anderen nachziehen, Exporteure würden leiden, Waren teurer werden, der Wohlstand sinken. Die Länder würden sehr schnell merken, dass sie sich ins eigene Fleisch schneiden und das aktuelle System deutlich besser ist.


Die Folgen: Einkommensgewinne von 1990 bis 2014

Die Menschen in der Schweiz haben finanziell von der Globalisierung profitiert. Zwischen 1990 und 2014 hatte jeder Einwohner dank der Globalisierung pro Jahr im Schnitt 1632 Franken mehr in der Tasche. Insgesamt kommen so über diesen ganzen Zeitraum 39 240 Franken pro Person zusammen. Mehr profitiert haben nur die Japaner.

RangLandDurchschnitt Einkommensplus/Jahr je Einwohner (Franken)Durchschnitt kumuliertes Einkommensplus ab 1990 je Einwohner (Fr.)
1.Japan176432'360
2.Schweiz163239'240
3.Finnland160838'250
4.Dänemark145234'920
5.Irland135632'520
6.Deutschland135632'520
7.Israel124829'880
8.Österreich105625'320
9.Griechenland105625'320
10.Schweden102024'480
11.Südkorea99623'760
12.Italien93622'560
13.Australien92422'080
14.Portugal92422'080
15.Slowenien85220'400
16.Neuseeland84020'280
17.Niederlande82819'800
18.Grossbritannien81619'440
19.Frankreich78018'720
20.Kanada78018'720


Autor: Ralf Kaminski

Fotograf: Kostas Maros