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01. Januar 2016

Ritalin, eine Pille für den Frieden

Unklar, ob es sich bei der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Störung überhaupt um eine Krankheit handelt. Dennoch stieg der Verschrieb von 1999 bis 2013 ums Achtfache - auch für Eltern?

Die Ritalin-Pille
Die Ritalin-Pille enthält vor allem den Wirkstoff MPH. (Bild: Keystone)

Als Leandro Panizzon 1944 gegen seine Frau Rita beim Tennisspiel plötzlich unter die Räder kam, wusste der Ciba-Angestellte: Es funktioniert!
Das Amphetaminderivat Methylphenidat (MPH), das er als erster synthetisiert hatte, war leistungssteigernd: Die Geburtsstunde des Ritalins.

Heute wird MPH als Aufputschmittel, Droge und Medikament verwendet. Studenten kaufen die Pille, die sie durch die Prüfungen bringen soll, auf dem Schwarzmarkt ihrer Uni. Eltern lassen sich das Mittel für ihre hyperaktiven Sprösslinge vom Arzt verschreiben. Und das nicht zu knapp: zwischen 1999 und 2013 stieg der Konsum von Ritalin um sagenhafte 800 Prozent.

Für viele Eltern und Kinder bedeutet das Medikament ein paar Stunden Frieden. Kritiker zweifeln, ob es sich bei der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Störung überhaupt um eine Krankheit handelt.
Sie bemängeln, dass die Diagnose gerade bei Kleinkindern zu oft und zu früh gestellt werde.

2013 machte der Arbeitgeber des inzwischen verstorbenen Leandro Panizzon, der heute Novartis heisst, weltweit knapp 600 Millionen Franken Umsatz mit seinem Ritalin.

Autor: Peter Aeschlimann