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29. Mai 2012

«Rheuma ist keine Seniorenkrankheit»

Immer häufiger leiden bereits Kinder unter Rheuma: Mehr als 600 Betroffene suchen in der Schweiz jedes Jahr den Kinderrheumatologen auf, das sind sechsmal mehr als vor 15 Jahren.

Claudia Casanova (38) ist Co-Leiterin «Junge Menschen mit Rheuma» der Rheumaliga Schweiz. Sie selber ist seit 36 Jahren von Rheuma betroffen.
Claudia Casanova (38) ist Co-Leiterin «Junge Menschen mit Rheuma» 
der Rheumaliga Schweiz. Sie selber ist seit 36 Jahren von Rheuma betroffen.

Claudia Casanova (38) ist Co-Leiterin «Junge Menschen mit Rheuma» der Rheumaliga Schweiz. Sie selber ist seit 36 Jahren von Rheuma betroffen.

1. Claudia Casanova, immer mehr Kinder leiden unter der Seniorenkrankheit Rheuma. Woran liegt das?

Rheuma ist keine Seniorenkrankheit. Sie betrifft Menschen jeden Alters — zumindest in der entzündlich rheumatischen Form, der rheumatoiden Arthritis. Etwa zwei von 1000 Kindern sind betroffen. Früher diagnostizierte man Rheuma oft jahrelang falsch, heute erkennen Kinderärzte die Krankheit viel früher.

2. Wie äussert sich Rheuma bei Kindern?

Es gibt fast so viele Varianten, wie es Kinder mit Arthritis gibt. Es kann wie eine Verstauchung daherkommen, die nicht abheilt. Häufig sind Fuss- oder Kniegelenke geschwollen und warm. Manchmal sind die Schmerzen auch sehr heftig, sodass die Ärzte zuerst eine eitrige Entzündung des Gelenks behandeln. Warnzeichen sollten sein, wenn Kinder oft weinen, sehr müde und aggressiv sind.

3. Wie behandelt man Rheuma bei Kindern? Die traditionellen Rheumamedikamente sind ja nicht kindertauglich.

Das ist ein generelles Problem in der Kinderheilkunde. Immerhin gibt es heute Medikamente der neuen Generation — die sogenannten Biologika —, von denen viele an Kindern geprüft sind und die zu einer Revolution in der Behandlung geführt haben. Sie werden als Spritze oder Infusion verabreicht und haben wenig bis keine Nebenwirkungen. Die rheumatische Entzündung wird damit unterdrückt.

4. Muss sich ein betroffenes Kind auf frühe Invalidität und lebenslange Schmerzen einstellen?

Früh richtig diagnostiziert und behandelt, kann die Arthritis heute so gut behandelt werden, dass man den betroffenen Kindern und Jugendlichen nichts anmerkt. Sie entwickeln sich normal, können eine Ausbildung machen und Sport treiben oder die Pfadi besuchen. Das ist auch das Ziel einer Behandlung: ein normales Leben führen zu können.

5. Gibt es eine Möglichkeit, dem kindlichen Rheuma vorzubeugen?

Nein, denn die Veranlagung zur rheumatoiden Arthritis wird meist vererbt. Allerdings braucht es einen Auslöser, der die Krankheit zum Ausbruch bringt. Was das ist, weiss man bisher nicht.

«20 Minuten»-Artikel vom 17. Mai 2012
«20 Minuten»-Artikel vom 17. Mai 2012

Den ganzen «20 Minuten»-Artikel, der Anstoss zu den Fragen lieferte, lesen Sie hier

Autor: Thomas Vogel