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27. August 2012

5 Fragen: «Resultate der Versuche sind positiv»

Im Schulmodell Basisstufe werden Kinder des Kindergartens, des ersten und zweiten Schuljahres zusammen unterrichtet. Was im Thurgau heiss diskutiert wird, ist im Kanton Bern bereits beschlossene Sache. Monika Schöni erklärt, weshalb.

Monika Schöni Lanker, Leiterin des Fachbereichs Kindergarten und Projektleiterin Schulversuch Basisstufe der Erziehungsdirektion Bern
Monika Schöni Lanker (63), Leiterin des Fachbereichs Kindergarten und Projektleiterin Schulversuch Basisstufe der Erziehungsdirektion Bern. (Bild zVg)

1. Monika Schöni, weshalb führt der Kanton Bern das Schulmodell Basisstufe ein?

Heute sind die Unterschiede in der Entwicklung der Kinder sehr gross. Einzelne Vier- bis Fünfjährige können schon lesen und schreiben, entsprechen in der Entwicklung jedoch ihrem Alter. Sie können beispielsweise die Schuhe nicht binden und sind sich das soziale Gefüge einer grossen Gruppe nicht gewohnt. In der Basisstufe werden die unterschiedlichen Entwicklungsstufen vier- bis achtjähriger Kinder aufgefangen.

2. Kindergärtler sitzen mit Erst- und Zweitklässlern zusammen in einer Klasse. Ist das sinnvoll?

Kinder werden individuell gefördert, in der Durchmischung profitieren die älteren wie die jüngeren Kinder: Spätzünder können länger spielen, Frühreife lernen eher lesen. Die Basisstufe kommt den unterschiedlichen Bedürfnissen der Vier- bis Achtjährigen sehr entgegen.

3. Wird dieses Modell Schule machen?

Die Basisstufe wurde schon in elf Deutschschweizer Kantonen in einem mehrjährigen Schulversuch erprobt. Die Resultate und Rückmeldungen sind sehr positiv. In den Kantonen Bern und Luzern wird sie deshalb vielerorts eingeführt, in anderen Kantonen ist der politische Entscheid noch offen, im Aargau wurde sie abgelehnt.

4. Die Basisstufe stösst nicht überall auf Zustimmung. Wie argumentieren die Gegner des Modells?

Vor allem mit den Kosten. Die Kinder werden im Zweierteam unterrichtet, zudem braucht es mehr Räumlichkeiten für Spielmaterial, Arbeitstische und ­verschiedene Lernangebote. Es ist aber gut investiertes Geld: Die Betreuung und frühe Förderung durch zwei Lehrpersonen minimiert die Kosten für späteren Zusatzunterricht. Es ist zudem ein gutes Modell, um in kleinen Gemeinden die wohnortsnahe Schulung der jüngsten Kinder zu ermöglichen und allfällige Schulschliessungen zu verhindern.

5. Warum ist es wichtig, kleine Dorfschulen zu erhalten?

Für die Kinder ist es sicher das Beste, am Wohnort die Schule zu besuchen. Sie entdecken die Welt in stets ­grösseren Kreisen: Familie, Dorf, Nachbarort — und so weiter. Wenn sie schon so klein täglich kilometerweit an einen anderen Ort transportiert werden müssen, fehlt ihnen die schrittweise Entdeckung ihres näheren Umfelds. Mit der Schule im Dorf ist vieles einfacher: Die Kinder können zu Fuss, selbständig und gemeinsam mit ihren Kamerädli in die Schule gehen, und mittags zu Hause essen, wie das an ländlichen Orten üblich ist.


Der Zeitungsartikel zum Thema
Am 16. August 2012 berichtete die «Thurgauer Zeitung» über die Debatte zur Basisstufe im Grossen Rat. Der Artikel

Kindergarten und erste Primarklassen sollen zusammengelegt werden können
Kindergarten und erste Primarklassen sollen zusammengelegt werden können («Thurgauer Zeitung» vom 16. August).

Autor: Claudia Langenegger