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18. Dezember 2014

Wid(der) den Vegan-Wahn

Vor wenigen Wochen eröffnete in Zürich das Restaurant AuGust. Fleischliebhaber kommen auf ihre Kosten. Ein Testbesuch.

Restaurant AuGust Zürich
Gleich neben dem Hotel Widder, am Rennweg in der Stadt Zürich, befindet sich das Restaurant AuGust.

Vegan ist im Trend. Das geht sogar so weit, dass heute vegane Weine ein Thema sind. Von all dem will das Restaurant AuGust am Rennweg 1 in Zürich nichts wissen: Es setzt bewusst auf herzhafte Fleischspezialitäten, die vom Fleischkäse über diverse Wurstvarianten (Wiedikerli, Rennweg-Stumpen, Lunganighe Ticinese, Augustiner Schüblig etc.), Innereien wie Kutteln bis zum Rindsfilet reichen. Das vom bekannten Architekturbüro Tilla Theus im Bistrostil gestaltete Lokal befindet sich gleich beim Luxushotel Widder und öffnete am 21. November 2014 seine Tore.

Obwohl das AuGust von Edelboutiquen und -Geschäften umgeben ist, besteht die Karte aus diversen preiswerten Gerichten. Im Restaurant herrscht eine angenehme Atmosphäre wie in einer modernen Markthalle in einem südeuropäischen Land. Sogar wer auf Fleisch verzichten möchte, findet mit Krevetten-Cocktails, mariniertem Lachs, Meeresfrüchtesalat und Beilagen wie Bohnen oder Gratin Alternativen. Doch die meisten Besucher sind hier, um mal wieder herzhaft in ein Stück Fleisch zu beissen. Es ist denn auch kein Zufall, dass die Mehrheit der Gäste männlich ist.

Auch Innereien und andere Spezialitäten vom Schwein gehören zur Karte.

Der Service ist für Zürcher Verhältnisse unglaublich freundlich und zuvorkommend. Änderungswünsche beim Menü werden sofort akzeptiert, ohne lange beim Chef nachzufragen. Die erste Vorspeise, eine Wildterrine mit Knollensellerisalat, ist sehr schmackhaft. Die Salatportion ist etwas bescheiden ausgefallen. Zum Hauptgang gibt es Wildragout, das solid zubereitet wurde, ohne zu überraschen. Noch mehr begeisterten die Kalbsleberli meiner Begleiterin: Sie waren genau genug lang gekocht. Selten hat man so gute Innereien gegessen.

Schön, dass die Weinkarte aus vielen Schweizer Spezialitäten besteht, wobei die Auswahl an offenen Weinen noch etwas knapp bemessen ist. Viele Tropfen kann man bei der Selection Schwander beziehen. Dahinter steht bekanntlich der Master of Wine Philipp Schwander.

Fazit: Das Essen ist überdurchschnittlich gut, die Preise sind fair, und der Service beim Testbesuch verdient Bestnote. Dem Hotel-Widder-Direktionsehepaar Jan und Regula Brucker ist mit dem AuGust der Start geglückt. Sie setzen einen Kontrapunkt zum Vegan-Wahn. Wir kommen wieder und wissen, dass man mindestens zwei Wochen im Voraus reservieren sollte. Das Restaurant war in der Vorweihnachtszeit bis zum letzten Platz besetzt.

Autor: Reto Wild

Fotograf: Reto Wild