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14. Oktober 2013

Respektlose Schüler

Schweizer Lehrer habens schwer: Eine Studie beweist, dass die Schüler in ihnen keine Autoritätspersonen mehr sehen.

Ein Lehrer erklärt etwas an der Wandtafel, der Schüler steht daneben und hört mit seinen Kopfhörern Musik.
Der mangelnde Respekt ist für das Image des Lehrerberufs schlecht. (Bild: Getty Images)

Die Studie «Global Teacher Status» unter Federführung von Wirtschaftsprofessor Peter Dalton von der britischen University of Sussex untersuchte die Reputation von Lehrkräften und Schulen in 21 OECD-Ländern. Das Resultat für unser Land gibt zu denken: Nur gerade 22 Prozent der befragten Schweizerinnen und Schweizer sagen, die Lehrkräfte würden von ihren Schülern respektiert. Damit landen wir weit hinten auf dem 15. Platz. Am meisten Respekt wird Lehrkräften in China gezollt, weitere Spitzenplätze belegen andere asiatische Länder wie Japan und Singapur und die Türkei.

Haben unsere Lehrerinnen und Lehrer ein Problem? Beat W. Zemp (58), Präsident des Dachverbandes Schweizer Lehrerinnen und Lehrer (LCH), verneint: «Der Respekt gegenüber Autoritäten ist in fast allen Berufen gesunken.» Und nicht nur bei uns: In den umliegenden europäischen Ländern förderte die Frage nach dem Respekt gegenüber Lehrkräften ähnlich tiefe Werte zutage. Laut Beat W. Zemp ist dies Ausdruck einer positiven emanzipierten Grundhaltung. Viel wichtiger als Respekt sei das Vertrauen der Eltern, dass die Schule ihre Kinder gut ausbildet. «Und da rangiert die Schweiz in der gleichen Studie auf dem hervorragenden zweiten Platz», sagt Beat W. Zemp. Nur in Finnland ist die Überzeugung der Eltern noch leicht höher, dass die Schule einen guten Job macht.

Trotzdem sieht der Präsident des Lehrerverbandes Handlungsbedarf, auch angesichts des Lehrermangels. Denn verbunden mit dem tiefen Respekt ist eine schlechte Reputation der Lehrberufe. Und dies erschwert es, junge Leute für die Ausbildung zu gewinnen. «Daran müssen wir arbeiten», sagt Beat W. Zemp. «Indem wir etwa die Ausbildung und den Berufsstatus anheben. Statt nur den Bachelor für Primarlehrer braucht es die Masterausbildung. Damit sie auf Augenhöhe mit den Eltern sprechen können.»

Autor: Daniel Schifferle