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15. April 2013

Reproduktion statt Adoption

In der Schweiz werden immer weniger Kinder adoptiert, speziell solche aus dem Ausland. Viele Paare setzen lieber auf die Reproduktionsmedizin.

Neue Hoffnung: Die moderne 
Medizin verhilft mehr Paaren zum eigenen Kind. (Bild: Getty Images)

Die Zahlen des Bundesamts für Statistik sind deutlich: Gerade noch 509 Kinder wurden 2011 in der Schweiz adoptiert. Das sind dreimal weniger als 1980, damals waren es noch rund 1600 Kinder. «Besonders die Zahl der Auslandadoptionen ist zurückgegangen», sagt Margot Karpf (62), Sozialarbeiterin bei der Schweizerischen Fachstelle für Adoption. Ein Grund sei das Haager Adoptionsübereinkommen von 1993, laut dem Kinder erst ins Ausland zur Adoption freigegeben werden dürfen, wenn im eigenen Land keine geeignete Lösung gefunden wird.

Die Kosten für eine Adoption sind hoch

In Ländern wie der Schweiz oder Deutschland gibt es daher mehr adoptionswillige Paare als Kinder. Auch Naturkatastrophen oder Kriegssituationen im Ausland verringern die Zahl der Kinder, die zur Adoption stehen. Und in einigen Ländern werden nur ältere und/oder behinderte Kinder zur Adoption ins Ausland freigegeben. Dies wiederum ist ein Grund für Paare, es sich noch einmal zu überlegen.

Viel Durchhaltewillen braucht es aber so oder so, bis Eltern ein Kind aus dem Ausland zu sich nach Hause holen dürfen. «Oft müssen sie dafür Wochen, teils Monate im jeweiligen Land verbringen, bis sie alle Behördengänge durchgemacht haben», weiss Margot Karpf. Das und die Flugtickets verschlingen eine Menge Geld: Eine Auslandadoption kostest schnell einmal zwischen 30'000 und 40'000 Franken.

Manche Paare, die bereit sind, so viel Geld für den Kinderwunsch aufzuwenden, versuchen es lieber mit Reproduktionsmedizin. Diese verspricht heute wesentlich mehr Erfolg als noch vor einem Jahrzehnt. Reagenzglas, Eizellen oder Spermaspende oder eine Leihmutter, nötigenfalls aus dem Ausland, verhelfen Paaren oft doch zum eigenen Kind. Doch trotz Reproduktionsmedizin und steigender Hürden im Ausland: «Es wird auch in Zukunft Adoptionen geben», sagt Margot Karpf.

Autor: Claudia Weiss