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09. September 2013

Jobsuchende im Visier

Die Grenze zwischen Kontrolle und Bespitzelung ist im Zeitalter des Internets fliessend, wie ein Vorfall beim Basler RAV offenlegt.

Durchsichtige Glasscheibe mit RAV Logo darauf
Hat auf Kritik reagiert: Das Basler RAV informiert Arbeitslose nun, dass sie bei der Stellensuche im Internet kontrolliert werden. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

An sich eine gute Sache: Viele Regionale Arbeitsvermittlungszentren (RAV) verteilen ihren Klienten Gratisgutscheine für das Jobportal www.jobagent.ch. Die RAVs können so aber auch einsehen, wer wann auf der Online-Arbeitsvermittlung aktiv ist. Einige machen von der Kontrollmöglichkeit Gebrauch, andere nicht. Publik wurde kürzlich ein Fall durch die «Tageswoche». Laut der Zeitung informierte das Basler RAV seine Klienten zunächst nicht über die Kontrollmöglichkeit. Erst als sich ein Klient wehrte, wurde dem RAV dies als Verstoss gegen den Datenschutz bewusst. Das Amt reagierte: Zwar kann es heute nach wie vor die Aktivitäten kontrollieren, informiert aber neu die Stellensuchenden darüber.

Wer beim RAV angemeldet ist, muss nicht grundsätzlich befürchten, überwacht zu werden. RAV-Klienten haben aber Pflichten. «Man muss darlegen, wie man dazu beiträgt, eine Stelle zu finden. Und dies darf das Amt überprüfen», erklärt Beat Rudin (56), Datenschutzbeauftragter von Basel-Stadt und Lehrbeauftragter an der Uni Basel. Während staatliche Stellen sich innerhalb gesetzlicher Vorgaben bewegen müssen, warnt Rudin Stellensuchende davor, dass potenzielle Arbeitgeber und private Firmen eine weitaus freiere Hand hätten. «Heutzutage muss man damit rechnen, dass in den Onlinespuren des Einzelnen recherchiert wird», sagt Beat Rudin. Und: «Es gibt Firmen, die Spezialisten beauftragen, tiefer im Netz zu graben.» Schnell kann etwas negativ auffallen. Fatal daran laut Rudin: «Wir erfahren oft gar nicht, wie sehr wir ausspioniert wurden, und haben keine Chance, uns zu wehren.»

Am meisten gegen Missbrauch nützt Zivilcourage. «Wir haben das Recht auf Einsicht und können Auskunft verlangen», sagt Beat Rudin. Ob bei Sozialhilfe, RAV oder Bonitätsauskunftsfirmen: Die Datensammler müssen herausrücken, was sie über uns zusammengetragen haben.

www.jobagent.ch

Autor: Claudia Langenegger