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09. Dezember 2013

Raus aus dem Ehebett

Entwöhnungstipps für Eltern. So schlafen die Kinder wieder öfter in ihren eigenen Betten.

Wenn das Kind wieder im eigenen Bett schlafen soll.

Fast jedes frischgebackene Elternpaar stellt sich die Frage, ob es das Kind im Ehebett schlafen lassen soll. Doch weder Experten noch Fachbücher können endgültige Ratschläge geben: «Das ist bei jedem Kind individuell», sagt Daniela Melone (46), Leiterin Elternberatung bei Pro Juventute. Zum Glück. «Gäbe es Richtlinien, würden sich Eltern daran orientieren, ohne auf die eigenen Bedürfnisse und die des Kindes zu achten.» Diese Bedürfnisse haben absolute Priorität und werden nur durch Beobachten herausgefunden. Auch Frischgeborene sagen ihren Eltern jede Menge – durch nonverbale Gesten wie die Körperspannung oder Hauptverfärbungen.

Keine Erstickungsgefahr

Dass sich die Kinder nach einer Weile ans Elternbett gewöhnen, macht gemäss Melone nichts. Solange sich alle Beteiligten damit einverstanden erklären, sei das etwas Schönes. Es spricht deshalb nichts dagegen, das Kind über längere Zeit im Ehebett schlafen zu lassen. «Befürchtungen das Baby zu erdrücken oder zu ersticken sind unbegründet, denn Eltern und Kinder bewegen sich im Schlaf so, dass es zu keinen bedrohlichen Situationen kommen kann.» Gefährlich könne es zum Beispiel dann werden, wenn die Eltern entweder alkoholisiert oder anders beeinträchtigt sind. Dennoch gibt es Gründe, dem Kind das Elternbett zu verweigern. Und zwar ab dem Zeitpunkt, wo sich Mami, Papi oder Kind nicht mehr wohl dabei fühlen. Das müssen die Betroffenen familienintern unbedingt ansprechen

Zeit und Konsequenz nötig

Elternexpertin Daniela Melone von Pro Juventute
Elternexpertin Daniela Melone von Pro Juventute (Bild: zVg).

Wenn es so weit ist, brauchts Ausdauer: «Ein Kind ans eigene Bett umzugewöhnen, ist harte Arbeit.» Daniela Melone sagt, dass Eltern mindestens während zweier Wochen konsequent sein müssen und nicht nachgeben dürfen, wenn das Kind im Schlafzimmer steht. Anstatt eine weitere Matratze neben das Elternbett zu legen, empfiehlt Melone, das Kind auch tagsüber, wenn es schlafen möchte, dorthin zu bringen, wo es nachts schlafen soll. Eltern können ihrem Nachwuchs auch genügend Wärme und Nähe geben, wenn sie beim Schlafen getrennt sind, ist Daniela Melone überzeugt.

Es gibt allerdings weder einen richtigen noch falschen Zeitpunkt für den Wechsel ins Kinderzimmer. Am wichtigsten ist, dass alle Beteiligten gegenseitig Rücksicht aufeinander nehmen. Auf das Beispiel eines 13-jährigen Mädchens angesprochen, das noch bei der alleinerziehenden Mutter schläft, stellt Melone klar: «Kinder sind keine Ersatzpartner, die das elterliche Bedürfnis nach Nähe und Geborgenheit stillen sollen. Kinder müssen nicht die Eltern glücklich machen. Dafür sind sie nicht da.» Die Motive, weshalb Kinder im Ehebett schlafen, müssen für die ganze Familie passen und vorab geklärt werden.

Autor: Reto Vogt