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10. Dezember 2012

Raus aus dem Büro!

Über 400 000 Menschen arbeiten teilweise zu Hause, und es werden immer mehr.

Homeoffice
Homeoffice ist im Trend: Immer mehr Menschen verbringen 
einen Teil ihrer Arbeitszeit 
daheim. (Bild: Getty Images)

Einen Tag pro Woche arbeitet Pia daheim. Dieser Tag ist Gold wert: Sie muss nicht pendeln, kann ihren Kleinsten in die Krippe bringen und ist da, wenn die älteren Kinder von der Schule kommen. Das Arbeiten fällt ihr leicht: Meist sitzen ihr Abgabetermine im Nacken. Ablenkungen, die daheim zahlreich lauern, haben keine Chance.

Laut Schätzungen arbeiten in der Schweiz über 400'000 Personen teilweise zu Hause — Tendenz steigend. Das fällt aber nicht allen leicht. «Man muss seine Arbeitsroutine finden und die Disziplin aufbringen, sich abzugrenzen. Das ist anstrengend», erklärt Jens Meissner (38), Professor für Organisation und Risikomanagement an der Hochschule Luzern. Das Homeoffice braucht klare Strukturen: «Man muss festlegen, von wann bis wann man arbeitet und wann Feierabend ist.» Sonst arbeite man schnell zu viel und beute sich aus. Wer sich trotz Disziplinierungsversuchen ablenken lässt, sich überarbeitet oder einsam fühlt, für den gilt: zurück ins Büro. «Man soll dort arbeiten, wo man sich wohlfühlt», sagt Meissner. Firmen, die das Homeoffice eingeführt haben, bleiben dabei. «Die Akzeptanz wird immer grösser», weiss Meissner. Die grössten Hürden liegen im Organisatorischen. «Die Firma muss die Handhabung klar regeln und dafür sorgen, dass sich kein Arbeitnehmer benachteiligt fühlt.»

Die engere Verknüpfung von Privat-und Berufsleben hat nicht nur für Eltern, die häufiger in der Nähe ihrer Kinder sein wollen, positive Seiten. Mit dem selbst gestalteten Arbeitstag sind Arbeitnehmer motivierter und identifizieren sich stärker mit der Firma, die zudem Betriebskosten spart. «Die Grenze ist noch lange nicht erreicht», sagt Meissner. Mit der rasanten Weiterentwicklung digitaler Technologien und der Verfügbarkeit des Internets sieht er vor allem im mobilen Arbeitsplatz riesiges Entwicklungspotenzial: Der Ort, wo man der Arbeit nachgeht, wird immer beweglicher und flexibler.

Autor: Claudia Langenegger