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01. Oktober 2012

Rauchverbot ‒ den Bogen überspannt?

Nach dem Nein für ihre Initiative muss die Lungenliga über die Bücher: Hat sie sich zu sehr in den Kampf gegen das Rauchen verbissen und dabei andere Belastungen der Atemluft aus den Augen verloren? Die Direktorin der Lungenliga nimmt Stellung.

Fumoirs
Fumoirs werden nicht verboten: Hier darf weiterhin geraucht werden. (Bild: Keystone)

Die Abstimmung hat es gezeigt: Die Schweizer wollen kein flächendeckendes Gesetz zum Schutz vor dem Passivrauchen. Woran liegt dieser Unwille? Sonja Bietenhard (55), Direktorin der Lungenliga, resümiert: «Wir wollten mit der Initiative vor allem die rund 30'000 Mitarbeitenden im Gastgewerbe schützen, die nach wie vor dem gefährlichen Tabakrauch ausgesetzt sind. Das ist leider nicht gelungen.»

Ein Schlag ins Wasser also? Ein Zeichen dafür, dass die Leute genug haben von immer mehr Verboten? Jein, meint Sonja Bietenhard. Natürlich sei die Lungenliga enttäuscht darüber, dass ihr Anliegen als ein weiterer Schritt in Richtung Bevormundung wahrgenommen wurde, als «eine weitere Scheibe des Salamis», wie sie sich ausdrückt. Denn das solle es nicht sein. Aber trotzdem ist die Direktorin zufrieden: «Dank der Initiative hat das Thema Passivrauchen eine viel grössere Aufmerksamkeit bekommen, als wir das mit unseren üblichen Mitteln geschafft hätten.»

Doch was ist mit den anderen Belastungen? Es scheint etwas übertrieben, so viel Aufwand gegen das Passivrauchen zu unternehmen, wenn beispielsweise gleichzeitig immer mehr Autos auf den Strassen unterwegs sind. «In der Schweiz sind wir dank der geltenden Emissionsbestimmungen und immer mehr Feinstaubfiltern gut dran. Wo wir etwas tun können, zum Beispiel bei den Cheminées daheim, machen wir Kampagnen», sagt Sonja Bietenhard.

Allen Bemühungen der Lungenliga zum Trotz: Die Zahl der rauchenden Teenager stagniert bei rund 24 Prozent (laut BAG). Der Verdacht liegt nahe, dass die immer stärkeren Verbote das Rauchen erst recht attraktiv machen für rebellierende Jugendliche. Die Expertin räumt ein, dass dies bei einem Teil sicher der Fall sei. «Aber wir haben auch hier gute Erfolge», relativiert sie sogleich. «Das Projekt ‹rauchfreie Lehre› beispielsweise, eine Art Wettbewerb für Lehrlinge, hat grossen Zulauf.» Und da das Rauchen die Gesellschaft nach wie vor viel Geld koste, sei und bleibe es wichtig, alles Machbare dagegen zu unternehmen.

Die Umfrage

Wo sollen Nichtraucher konsequent vor dem Qualm geschützt werden? Die Umfrage auf www.facebook.com/MigrosMagazin

Autor: Andrea Fischer