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11. November 2013

Rauchstopp: «Das Wie ist nicht entscheidend»

Viele Menschen würden gerne mit dem Rauchen aufhören. Nicht zuletzt wegen der Angst vor einer Gewichtszunahme greifen jedoch immer noch viele zur Zigarette. Einer, der den Absprung geschafft hat, ist Schauspieler Marco Rima.

Marco Rima in Schlips und Schale
«Man muss gewisse Schalter im Hirn umlegen.» – Marco Rima ist seit über zwei Jahren Nichtraucher.
Methoden zum Nikotinersatz
Methoden zum Nikotinersatz. (Bild Fotolia)

KLEBEN STATT RAUCHEN
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Früher war alles anders. Früher, da gab es die Zigarette vor dem Essen und die danach, die Zigarette zum Morgenkaffee und die Zigarette(n) nach Feierabend. Und während der Arbeit wurde sowieso gequalmt. Heute aber hat Komiker und Schauspieler Marco Rima mit diesen Gewohnheiten gebrochen. Vor rund zweieinhalb Jahren zog der 52-Jährige zuletzt an einer Zigarette.

Marco Rima begann erst als 34-Jähriger mit dem Rauchen, doch schon bald war er bei einem Päckli pro Tag angelangt. «Ich bin ein Suchtmensch, darauf bin ich nicht stolz», sagt Rima. «Würde ich nur eine Zigarette rauchen, wäre ich wieder dabei», ist sich der vierfache Prix-Walo-Sieger sicher.

Nach der Musical-Tournee von «Die Patienten» wurde Marco Rima von einer hartnäckigen Grippe heimgesucht, die das Rauchen quasi unmöglich machte. Diese Erkrankung nutzte Rima zum Aufhören. Im anschliessenden Australien-Urlaub war der Schauspieler oft abseits der Zivilisation unterwegs – Zigaretten waren schwer erhältlich, und man musste für ein Päckli bis zu 16 Dollar (umgerechnet knapp 16 Franken) hinblättern.

Zurück in der Schweiz, wartete auf Rima die Königsdisziplin. «Wenn man mit dem Rauchen aufhört, muss man gewisse Schalter im Hirn umlegen, gewisse Gewohnheiten verändern. Bei den Dreharbeiten wird beispielsweise ständig geraucht. Für mich war es die ideale Möglichkeit, mich als Nichtraucher zu profilieren», sagt der Schauspieler.

Elisabeth Hobi hörte von einem Tag auf den anderen zu rauchen auf
«Ich hatte Niemandem davon erzählt. Das machte es einfacher.» – Elisabeth Hobi hörte von einem Tag auf den anderen zu rauchen auf.

Zum Rauchstopp führen bekanntlich viele Wege. Dass Marco Rima mit seiner Grippe eine Not zur Tugend machte, ist mindestens so aussergewöhnlich wie die Taktik von Elisabeth Hobi (61). Die kaufmännische Angestellte rauchte ihre letzte Zigarette vor genau 21 Jahren. Und diese rauchte sie nicht etwa genüsslich zu Ende – es war ein Rauchstopp von einem Moment auf den anderen. «Ich hatte die Zigi bis zur Hälfte geraucht, da wollte ich plötzlich nicht mehr», erinnert sich Elisabeth Hobi.

Davor hatte sie während rund 20 Jahren geraucht, am Ende zwischen zwei und drei Päckli täglich. Zu Beginn behielt Elisabeth Hobi ihren Sinneswandel für sich. Sogar ihr Mann, der ebenfalls rauchte, merkte erst nach zwei Wochen, dass seine Frau damit aufgehört hatte. «Ich hatte niemandem davon erzählt. Das hat es mir einfacher gemacht.»

Am Meeresstrand rauchte er seine letzte Zigarette

Bis zu zwei Päckli pro Tag rauchte auch Gallus Keel (63). Während rund 40 Jahren war der Journalist nikotinabhängig. Allen Carrs Bestseller «Endlich Nichtraucher» war seine Methode, aufzuhören. Besonders die Tatsache, dass der Autor seine Leserschaft aufmuntert, den Rauchstopp nicht zwanghaft durchzuziehen, beruhigte Gallus Keel. «Auch wenn ich nicht jeden Tag in dem Buch las, so lag es doch als Mahnmal auf meinem Nachttischli», sagt er.

Gallus Keel nimmt das Buch «Endlich Nichtraucher» aus dem Bücherregal
«Das Buch lag wie ein Mahnmal auf dem Nachttischli» - Gallus Keel seine Nikotinsucht mit Hilfe von Allen Carrs Bestseller «Endlich Nichtraucher» bezwungen.

Gallus Keel lebte rund 23 Jahre in der Toskana, wo er mit Freunden einen Gastrobetrieb führte. Die vorwiegend aus Schweizer Touristen bestehende Kundschaft machte ihn auf Carrs Bestseller aufmerksam. Am Ufer des Mittelmeers rauchte er dann seine letzte Zigarette, der in «Endlich Nichtraucher» ein eigenes Kapitel gewidmet ist. Entschlossen, sich der «Versklavung durch den Glimmstängel» zu widersetzen, wurde für Gallus Keel jeder rauchfreie Tag zu einem wahren Fest. Kurze Zeit später kehrte er als gestandener Nichtraucher in die Schweiz zurück.

So verschieden die Ausstiegsmethoden der drei waren – Marco Rima, Elisabeth Hobi und Gallus Keel haben doch eines gemeinsam: Alle drei hatten nach dem Aufhören keine Probleme mit ihrem Gewicht. Damit bilden sie eher die Ausnahme: Nikotin ist appetithemmend, und deshalb führt ein Rauchstopp in vielen Fällen zu einer Gewichtszunahme von «weniger als vier Kilo», wie Isabella Sudano sagt. Die Suchtberaterin des Universitätsspitals Zürich hat schon vielen beim Ausstieg geholfen: «Bei
einer Beratung zum Rauchstopp arbeiten wir fast immer mit Nikotinersatz.»

Hierzulande gibt es zwei Arten von Medikamenten, die Nikotin enthalten und sich für die Tabakentwöhnung eignen. Zum einen Nikotinpflaster, Kaudepots, Lutschtabletten, Microtabs oder Inhalator, die nicht rezeptpflichtig sind, und zum anderen die rezeptpflichtigen Tabletten mit den Wirkstoffen Bupropion oder Vareniclin*.

Das Bundesamt für Gesundheit errechnete 2010, dass rund 27 Prozent der Bevölkerung nikotinabhängig sind. Allerdings scheint in der Schweiz im letzten Jahrzehnt ein Umdenken stattgefunden zu haben – der Tabakkonsum sank im Vergleich zum Jahr 2001 um rund 6 Prozent. Dazu hat bestimmt auch das fast gesamtschweizerisch geltende Rauchverbot in Lokalen und Restaurants beigetragen.

Testen Sie den Grad Ihrer Nikotinsucht unter: www.at-schweiz.ch/de/startseite/rauchstopp/abhaengigkeitstest.html