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11. November 2013

Kleben statt Rauchen

Rauchstopp mit Nikotinersatz: Wie wirksam sind Pflaster, Kaugummis oder die E-Zigarette? Chancen und Risiken für den schnellen Ausstieg.

Welches Nikotinersatzprodukt ist das beste?
Welches Nikotinersatzprodukt ist das beste? (Bild: Fotolia)

Ein Pflaster auf der Haut, ein Kaugummi zwischen den Zähnen und die Zigarette im Abfall? Ja, sagt die eine Studie – Nein die andere. Bei der Frage nach der Wirksamkeit von Nikotinersatzprodukten hängt die Antwort stark davon ab, wen man fragt. So kommt zum Beispiel die Harvard School of Public Health zum Schluss, dass Ersatzprodukte Menschen nicht effektiver beim Rauchstopp helfen, als wenn sie es ohne versuchen. Die deutsche Zeitschrift «Apotheken-Umschau» schreibt dagegen unter Berufung auf die bisher «umfassendste Untersuchung zu diesem Thema» das genaue Gegenteil: Deutlich mehr Probanden mit Nikotinersatz waren gemäss der Studie rauchfrei als ohne. Wem also glauben?

Wirksamkeit umstritten

Das deutsche Krebsforschungszentrum schreibt dazu auf seiner Webseite, dass «Motivation und Konsequenz viel wichtiger sind als Pflaster und Kaugummi». Es sei allerdings möglich, dass Nikotinersatzmittel bei Entzugserscheinungen helfen können. Die folgenden stehen zur Auswahl:

Pflaster: Nach dem Aufstehen wird das Pflaster auf die Haut geklebt und muss täglich gewechselt werden. Es hilft nicht nur bei Entzugserscheinungen, sondern soll auch das Rauchverlangen dämpfen. Allerdings ist die Wirkung umstritten und funktioniert längst nicht bei allen Menschen. Es wird in drei Stärken angeboten: 10, 20 oder 30 täglich gerauchte Zigaretten. Bei Allergien wird von Nikotinpflastern abgeraten, da sie Hautreizungen verursachen können.

Kaugummi: Das Kauen setzt Nikotin frei, das über die Mundschleimhaut aufgenommen wird. Zu schnelle Kaubewegungen können allerdings Reizungen verursachen, weshalb der Kaugummi nach einer gewissen Zeit in der Backe «parkiert» werden sollte. Bei einem bisherigen Tageskonsum von 15 Zigaretten sollten Nikotinkaugummis mit einer Dosierung von zwei Milligramm genügen – empfohlen sind maximal 16 Stück am Tag. Nach sechs bis acht Wochen die Anzahl schrittweise reduzieren und spätestens nach drei Monaten komplett einstellen.

Lutschtabletten: Die Tabletten werden unter die Zunge gelegt und lösen sich dort auf. Das ermöglicht eine unauffällige Anwendung, weil die Kaubewegung entfällt. Die Dosierung hängt vom bisherigen Konsum ab (1,2 oder 4 Milligramm) und sollte 15 Tabletten am Tag nicht überschreiten. Wie bei den Kaugummis ist die Anwendung höchstens für zwölf Wochen empfohlen.

E-Zigarette: Sie ist zwar umstritten und der Verkauf nikotinhaltiger Flüssigkeit in der Schweiz verboten. Aber eine kürzlich publizierte Studie kommt zum Schluss, dass die elektronische Zigarette den Nikotinpflastern ebenbürtig ist. Forscher halten ihr ausserdem zugute, dass sie für Raucher typische Verhaltensweisen und Gesten ermögliche, welche die Psyche beruhigen. Noch ungeklärt sind allerdings die Nebenwirkungen.

Autor: Reto Vogt