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18. August 2014

Rassisten unter uns

Exemplarisch für die rassistischen Kommentare auf Facebook
Exemplarisch für die rassistischen Kommentare auf Facebook (Bild: Screenshot).

«Lüüt wo sus scho stählet, söllet no bide arme Bure helfe und dene s’Züg klaue. Und denn hend die no kei Ahnig vo Hygiene und rotzet i üses Gmües», kommentiert Bäckerin Saskia S. einen Zeitungsartikel mit dem Titel «Asylbewerber sollen auf dem Bauernhof anpacken» auf Facebook. Damit ist sie nicht alleine: Marlene R. schreibt dazu: «Schwarze und arbeiten ha ha ha», und Stefanie K. fragt sich: «Jo und denn? Wered mirs gär nimmä los?»

Es sind leider keine Einzelfälle. Unter Onlineartikeln fast aller Schweizer Nachrichtenportale und vor allem auf Facebook mehren sich rassistische und hetzerische Aussagen. Wenn eine syrische Asylbewerberin bei ihrer Ausschaffung das eigene Kind verliert, erhält sie kein Mitgefühl, sondern muss sich von Urs U. Dinge anhören wie: «Me chans ja probiere u mir zahle denn ihri Uslage, Gnuegtuig, Schmerzensgeld, Anwaltschöschte ... Sowit simer afe mit eusere Asylpolitik?!»

Auch Gewaltandrohungen gegen Politiker werden häufiger. Laut dem Bundessicherheitsdienst wurden bis Mitte 2014 fast so viele Vorfälle registriert wie im ganzen Jahr 2012. Ernst M. kommentiert die Nachricht auf Blick.ch so: «Wo liegt das Problem? Wenn die Politiker ihre Hausaufgaben nicht machen und so schnell wie möglich in die EU wollen, ist das kein Wunder!» In der aufgeschalteten Onlineabstimmung finden fast 70 Prozent der Leser (Stand 13. August 2014): «Wer mit so was nicht leben kann, soll sich nicht wählen lassen.»

Ergreifen ist möglich

Die Kommentierenden schrecken nicht davor zurück, sich mit vollem Namen und Angaben Familienstand, Beruf und Wohnort aufzutreten. Und genau weil sie so auftreten, erhalten die Aussagen ein stärkeres Gewicht als etwa anonym abgegebene Sätze unter einem Onlineartikel. Darüber hinaus stacheln sich die Facebook-Rassisten gegenseitig an, wodurch sich die Aussagen zusätzlich verschärfen, und neues, womöglich sogar junges, Publikum mobilisiert wird.

Deshalb ist es falsch, solche Kommentare stehen zu lassen und sie zu ignorieren. Wer rassistische oder ehrverletzende Aussagen auf Facebook entdeckt, kann diese melden. Dazu mit der Maus über den Kommentar fahren und auf das Kreuzchen «Verbergen» klicken. Anschliessend «Melden» anwählen und den Grund dafür selektieren, z.B. «Hassreden, zielen auf eine Rasse oder Ethnizität ab». Wenn das genügend Menschen tun, besteht die Chance, dass die Person oder die ganze Seite auf Facebook gesperrt wird.

Autor: Reto Vogt