Archiv
10. Juni 2013

Rasen, verzweifelt getätschelt

Im Rasen von Almut Berger klafft seit bald einem Jahr eine zwei mal vier Meter grosse Lücke. Schon drei Mal hat die Hobbygärtnerin neu eingesät, und noch immer siehts dort aus wie auf einer Brache.

Garten Hobbygärtnerin Kolumne
Vor der Veranda der Hobbygärtnerin klafft ein grosses Loch im Rasen

Damit das gleich klar ist: Für mich ist ein englischer Rasen ein No-go. Alle paar Minuten mähen, düngen, Rasenkanten schneiden, Gänseblümchen jagen? No way! Für mich muss ein Rasen drei Punkte erfüllen: möglichst grün sein (gern auch Chrottepösche- und Klee-Grün), möglichst dicht (Moos schmeichelt den Barfüssen) und möglichst hart im Nehmen, falls der Sohnemann wieder einmal den halben Kindergarten zu einem Fussball-Federball-Frisbee-Match einlädt.

Wenn der Rasen nicht mehr wuchert, ist guter Rat teuer
Wenn der Rasen nicht mehr wuchert, ist guter Rat teuer

So weit, so gut. Nun hatte aber mein Herzensmann im letzten Frühsommer unsere Holzterrasse ersetzt. Zum einen war die bald 20-jährige Holzkonstruktion durchgefault, zum anderen hatten die beiden Birken unseres südlichen Nachbarn Dimensionen angenommen, die uns plötzlich im Schatten sitzen liessen. In der Folge verlängerten wir die Terrasse auf der einen Seite um ein paar Meter gen Sonne, um sie im Gegenzug auf der anderen Seite um ein paar Meter zurückzubauen. Und dort klaffte sie nun, die zwei mal vier Meter grosse Lücke.

Die Makroaufnahme zeigt das Ausmass des Übels
Die Makroaufnahme zeigt das Ausmass des Übels

No problem für eine Hobbygärtnerin, sollte man meinen. Eine Packung Universalrasen gekauft, das Kleingedruckte gelesen und losgelegt:

Den Boden sorgfältig umgegraben, Steine, Wurzelreste sowie Unkräuter entfernt, die Erde mit Rasenerde gedopt, anschliessend mit der Schneeschaufel flachgetätschelt (eine Walze hätte sich für die paar Quadratmeter nicht gelohnt), das Saatgut mit Sand gemischt und erst quer und dann längs verteilt. Vorsichtig eingehakt und nochmals mit der Schneeschaufel flachgetätschelt, ausgiebig gewässert.

Nun hiess es warten: gemäss Packungsbeilage 7 bis 14 Tage. Und das habe ich gemacht, 7 Tage, 8, 14, 15. Am Tag 21: den ersten Löwenzahn entdeckt, am Tag 23: sechs weitere, am Tag 34: eine Akelei, dann ein Häufchen Katzensch… und noch eine Akelei! Nur Grashalme wollten sich keine blicken lassen.

Weitere vier Wochen gingen ins Land, bis ich mich für einen weiteren Anlauf motivieren konnte. Steine und Wurzelreste musste ich ja nun keine mehr entfernen. Trotzdem war das Endergebnis ähnlich mager, nur dass diesmal immerhin ein paar Grashalme gewachsen waren, geschätzte fünf pro Quadratmeter. Gnädigerweise kam dann der Winter.

So einfach gehts: Ausrollen und sich freuen
So einfach gehts: Ausrollen und sich freuen (Bild: Geohumus.com).

Anfang April habe ich nun einen dritten Tätschelanlauf gestartet. Ersparen Sie mir bitte die Schmach, ins Detail zu gehen. Nur so viel: kaum grün, noch weniger dicht, von kindertauglich ganz zu schweigen. Zurzeit denke ich deshalb ernsthaft über den Kauf von Rollrasen nach.

Auf welchen Rasen stehen Sie? Gesät oder gerollt? Schnipseln Sie mit der Nagelschere oder greifen Sie zur Sense?

Golfrasen oder Blumenwiese? Teilen Sie Ihre Erfahrungen und Ihr Wissen mit anderen Gartenfreunden in einem Kommentar mit, oder erstellen Sie mit Anleitungen, Tricks und Fotos aus Ihrem Garten einen eigenen Artikel (Infos zu beidem siehe rechts).

Autor: Almut Berger

Fotograf: Almut Berger