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27. August 2012

Rasch die Welt gerettet

Bänz Friedli spart Energie.

«Wasser ist kostbar und rar!», stand gross auf einem Zettel im Hotelbadezimmer, darunter war erklärt, man möge als Gast doch bitte die Waschlappen und Frottiertücher nur dann auf den Boden werfen, wenn man sie ersetzt haben wolle; lasse man sie hängen, bedeute man dem Zimmerpersonal, dass man gewillt sei, sie einen weiteren Tag zu benutzen. «Wir danken für Ihren wertvollen Beitrag zur Rettung des Planeten.»

«Nicht gesaugt? Strom gespart!»
«Nicht gesaugt? Strom gespart!»

So einfach ist das: Da verpestet man mit einem Mietwagen die Luft, ist mit der ganzen Familie Hunderte Kilometer gereist, war vielleicht gar mit dem Flugzeug unterwegs und hat die persönliche CO2-Bilanz auf Jahre hinaus versaut — und wenn man sich in fremden Landen nur bereit erklärt, sich mehr als einmal mit demselben Tuch trocken zu reiben, hat man schon die Welt gerettet. Diesen Sommer wurden wir mit Slogans eingedeckt: «Sie verringern Ihren ökologischen Fussabdruck!», «Sie handeln verantwortungsvoll!», «Sie schonen die Natur!» Wohin man als Reisender kommt, überall wird einem flattiert, welch umweltbewusster Mensch man sei, und in Ferienstimmung ist man geneigt, den Stuss auch noch zu glauben. Hoteliers wollen, dass man sich wohlfühlt, klar. Aber es ist nicht nur geschmeichelt, sondern geheuchelt. Für das bisschen Wasser- und Waschmittel-Sparen gibts schon einen Persilschein fürs Gewissen … Oder ist das jetzt das falsche Sprachbild?

«Nicht gesaugt? Strom gespart!»

«Save the planet!» sei eigentlich eine patente Ausrede, dachte ich mir, wieder daheim. Jede Nachlässigkeit im Haushalt lässt sich damit entschuldigen. Nicht gestaubsaugt? Strom gespart! Nicht gewaschen? Wasser gespart! Und der Ingrid aus dem Quartier, die mir auf meinen Ausruf «Vergiss es, ich glätte doch T-Shirts nicht mit dem Bügeleisen!» mal maliziös erwiderte: «Man sieht es» — der würde ich beim nächsten Mal ebenso maliziös antworten: «Ich schone drum die Umwelt!», Betonung auf «ich». Und was das Puff in der Wohnung betrifft … Nachdem ich hier berichtet hatte, Anna Luna habe das Riesendurcheinander in ihrem Zimmer als «Stilläbe» bezeichnet, erzählte die pensionierte Kindergärtnerin Ursula S. mir eine Anekdote, die ich Ihnen nicht vorenthalten darf: von einem Mädchen namens Laura. «‹Meine› Laura hatte ihr eigenes Znüniritual», schreibt Ursula. «Sie sass am Boden, breitete all die Köstlichkeiten aus ihrem Täschli um sich aus und genehmigte sich ein ausgedehntes zweites Frühstück. Alle anderen Kinder waren jeweils längst wieder am Spielen; Laura liess sich nicht stören, das Chaos an Papierschnitzeln, Plastiksäckchen, Krümeln und Serviettenfetzen um sie herum wurde gross und grösser.» Mühsam kletterten die anderen Kinder über Laura hinweg. «Bis ich eines Tages etwas genervt sagte: ‹Laura, räum endlich dein Stillleben auf!› Laura wollte wissen, was ein Stillleben sei, und ich suchte zur Veranschaulichung Kunstbilder hervor.» Am nächsten Morgen: Laura am Boden, das übliche Puff. Kindergärtnerin Ursula rollt die Augen. Darauf Laura, stoisch: «Ja, ja, ich bring dänn min Läbesstil scho i d Ornig.»

Nur die eine ökologische Bemühung ahme ich zu Hause bestimmt nicht nach: In einem Hotel mussten wir einwilligen, dass die Betten nicht täglich frisch bezogen würden. «Wenn Sie einverstanden sind», hiess es, «wechseln wir die Laken nur jeden zweiten Tag.»


Bänz Friedli (47) lebt mit seiner Frau und den beiden Kindern in Zürich.

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Autor: Bänz Friedli

Fotograf: Bänz Friedli