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23. Februar 2015

Rare Rotschöpfe

Als Kinder gehänselt, als Erwachsene bewundert – Rothaarige fallen auf. Auch, weil sie so selten sind: Sie machen nur rund ein Prozent der Weltbevölkerung aus. Auch rothaarig: Die Bildgalerie mit Leserinnen und Lesern!

Belinda Lenart (28), Make-up-Artistin und «Bachelor»-Gewinnerin
Belinda Lenart (28), Make-up-Artistin und «Bachelor»-Gewinnerin (Bern): «Seit vier Jahren bin ich ein stolzer Ginger, vorher habe ich meine Haare ständig gefärbt. Nun denke ich: Das, was die Natur für mich vorgesehen hat, passt am besten zu mir.»

«Ich mach mir die Welt – widdewidde wie sie mir gefällt», singt Pippi Langstrumpf, der wohl berühmteste Rotschopf aller Zeiten. Das «stärkste Mädchen der Welt» bestätigt damit eines von vielen Vorurteilen gegenüber Rothaarigen: die Eigensinnigkeit. Und auch sonst wird den Rotschöpfen so einiges nachgesagt. Stur sollen sie sein, verrucht, impulsiv, leidenschaftlich im Bett. Sie stammen von den Hexen ab, verwandelten sich früher in Vampire …
Die Liste lässt sich beliebig weiterführen. An den Mythen über Rothaarige ist auch die Literatur nicht ganz unschuldig. In vielen grossen Werken kommen Rothaarige in einem ziemlich unschmeichelhaften Kontext vor. So schrieb zum Beispiel J. D. Salinger im Bestseller «Der Fänger im Roggen»: «Leute mit roten Haaren werden schnell wütend.» Der Kriminelle in «Oliver Twist» wird von einem Rothaarigen dargestellt, und auch in «Gullivers Reisen» steht: «Man hat bemerkt, dass die Rothaarigen beider Geschlechter gieriger und boshafter als die Übrigen seien.» Der griechische Philosoph Aristoteles soll gesagt haben: «Die Rothaarigen haben einen schlechten Charakter.» Mag sein, aber führen können sie, wie die Geschichte beweist: Queen Elizabeth I, Napoleon Bonaparte und Winston Churchill waren rothaarig.

Rothaarige haben Seelen!
Pumuckl, Feuerkopf, Rosthaufen, Rüebli … Besonders in der Kindheit werden Rothaarige öfters mal gehänselt. So machte zum Beispiel ein Youtube-Video die Runde, in dem ein rothaariger britischer Teenager sich darüber beklagt, wegen seiner Haarfarbe diskriminiert zu werden. Er regt sich darüber auf, dass in einer Fernsehshow behauptet wurde, Rothaarige hätten keine Seelen. Das Video mit dem Titel «Ginger do have souls!» ging mit 37 Millionen Klicks um die Welt. Der Londoner Fotograf Thomas Knights brachte sogar ein Buch mit gut aussehenden rothaarigen Männern heraus («Red Hot 100»), das dem Mobbing ein Ende setzen sollte. Er sagt: «Rothaarige Männer haben, im Gegensatz zu rothaarigen Frauen, keine Vorbilder in den Medien. Kein Superheld, kein wichtiger Politiker und kein Frauenheld hat in Hollywoodfilmen rote Haare.»

Seit Kurzem macht sich wenigstens die Forschung Sorgen um die gebeutelten Rothaarigen. Der Klimawandel lasse sie bis 2100 aussterben, behaupten britische Wissenschaftler. Künftig wird es weniger schönes Wetter geben, damit auch weniger Sonnenlicht und Vitamin D. Das sei jedoch zuständig für die roten Pigmente. Alles Quatsch, sagt Torsten Schöneberg, Biochemiker an der Universität Leipzig. «Rothaarige wird es immer geben.» Nur wird das Weitergeben von rotem Haar erschwert durch die rezessive Vererbung: Beide Eltern müssen das mutierte MC1R-Gen, das für rote Haare zuständig ist, in sich tragen. Das Vorkommen von roten Haaren kann aber auch Generationen überspringen, erklärt Schöneberg.

Ob sie nun aussterben oder nicht, fest steht: Die Rothaarigen sind eine Spezies für sich. Oder wussten Sie, dass rote Haare kaum zu färben sind, dass Rotschöpfe mehr Anästhesiemittel brauchen und empfindlicher auf Kälte und Wärme reagieren? Ganz schön eigensinnig eben.

Echt rothaarig? Leserinnen und Leser zeigen sich

Rote Haare und stolz drauf? Hier sehen Sie die Bildgalerie mit Porträtbildern der Besucher von Migrosmagazin.ch. Bis zum 8 März ansehen, liken und weiter teilen.

Autor: Silja Kornacher

Fotograf: Ornella Cacace