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25. April 2016

Ran an den Spaten

Je länger die Tage werden, desto mehr wächst das Verlangen, wieder Erde zwischen den Fingern zu spüren. Doch Vorsicht: Voraussetzung für einen fruchtbaren Saisonstart sind frostfreie und trockene Böden.

Die Frühlingssonne weckt die Gärtnerslust. Aber Achtung: Noch sind die Eisheiligen nicht vorbei.
Die Frühlingssonne weckt die Gärtnerslust. Aber Achtung: Noch sind die Eisheiligen nicht vorbei.

Der frühe Vogel fängt den Wurm: Diese Redensart gilt nicht zwingend für den Hobbygärtner, mag ihn der grüne Daumen noch so jucken. Der beste Zeitpunkt, in die Gummistiefel zu steigen und die Beete vorzubereiten, ist dann, wenn die Gartenerde nicht mehr an den Sohlen klebt. «Frostfrei und trocken» lautet die Devise. Eine gute Orientierungshilfe bietet dabei der sogenannte phänologische Kalender: Er richtet sich nicht nach den klassischen Jahreszeiten, sondern nach den Entwicklungsschritten bestimmter Pflanzen.

Für Selbstversorger geht es so richtig los mit dem Erstfrühling, den die Blüte der Forsythien einläutet. Neben Erbsen, Rüebli, Radieschen, Rettich, Spinat kann man ab diesem Zeitpunkt auch Chicorée, Mangold, Randen, Zuckererbsen und Zwiebeln säen. Wer lieber gleich zum Setzling greift, ist mit Fenchel, Kohlrabi und Kopfsalat gut bedient. Es empfiehlt sich, ein Folienvlies bereitzuhalten für den Fall, dass der Winter ein frostiges Comeback gibt.

Mit dem Spaten Mehrjähriges verjüngen

Auf dem Fensterbrett keimen bereits diverse einjährige Sommerblumen wie Löwenmäulchen, Lobelien und Sommerastern. Auch für Tomaten, Gurken, Kürbisse, Melonen, Zucchini, Peperoni und Chili ist es nun an der Zeit. Dazu verwendet man Ansaaterde: Sie ist mit Sicherheit frei von Schädlingen und Krankheitskeimen, dazu leicht und gut belüftet. Ist der letzte Frost vorbei, können die Schützlinge – inzwischen kräftig entwickelte Pflanzen – ins Freiland umziehen.

Gewürze im Topf
Die meisten Gewürze lassen sich jetzt gut teilen.

Kübelpflanzen aus dem Mittelmeerraum, etwa Lorbeer und Oleander möchten nach der Überwinterung möglichst früh raus – bei frostfreiem Wetter an einen schattigen, windgeschützten Platz, beispielsweise an die Hausfassade. Der Schatten ist nötig, weil diese Pflanzen sich – wie Hobbygärtner übrigens auch – mit den immer kräftiger werdenden Sonnenstrahlen gern einen ersten Sonnenbrand einfangen. Auch hier gilt es, bei drohendem Nachtfrost zum Folienvlies oder alternativ zu einem alten Betttuch zu greifen. Weichblättrige Kübelbewohner wie etwa die Engelstrompete bleiben mit Vorteil noch im Haus.

Teilen und verpflanzen lassen sich jetzt mehrjährige Sommer- und Herbstblüher wie Phlox, Aster, Taglilie, Anemone, Staudenmargerite. Am einfachsten geht das mit der scharfen Kante eines Spatens. Die Verjüngung funktioniert übrigens auch bei horstartigen Kräutern wie Estragon, Schnittlauch, Petersilie, Pfefferminze oder Liebstöckel, sprich: Maggikraut.

Lavendel schneidet man mindestens um ein Drittel bis zur Hälfte zurück, um dem Verkahlen vorzubeugen. Zurückgeschnitten werden jetzt auch die Rosen. Für Hecken und Büsche hingegen ist es bereits zu spät: Sie dienen den Vögeln bis in den Sommer hinein als Kinderstube.

Mit dem Vertikutierer entfilzen

Versetzen von Grasziegeln
In Gärten mit Kindern wird der Rasen besonders strapaziert.

Wer den Rasen der Naturwiese vorzieht, greift zum Vertikutierer. Mit seinen Messern ritzt er die Grasnarbe an, entfernt Rasenfilz und Moos und fördert die Belüftung des Bodens. Kleinere Flächen kann man auch mit einem stabilen engzinkigen Rechen belüften. Eine erste Gabe Rasendünger (Packungsbeilage lesen!) dient als Wachstumstreiber.

Mit den steigenden Temperaturen wächst auch das Unkraut besonders gut: Wer das Problem jetzt bei der – wortwörtlichen – Wurzel packt, erspart sich viel lästiges Jäten. Gegen nachwachsendes Unkraut in den Beeten hilft eine Mulchschicht, beispielsweise aus Rasenschnitt. Die Frühlingssonne lockt bereits erste gefrässige Schädlinge wie Blattläuse oder Nacktschnecken ans Tageslicht und damit an die Jungpflanzen. Auch hier gilt: Je früher der Gärtner mit Abstreifen ­respektive Einsammeln reagiert, desto geringer fallen die Schäden später aus. Oder, um den Bogen zu schliessen: Der frühe Gärtner konzentriert sich auf Unkraut, Schnecken und Co. – und überlässt den Wurm dem frühen Vogel.

Autor: Almut Berger

Fotograf: Almut Berger