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16. Januar 2012

Quacksalber Doktor Google

Wie zuverlässig sind Diagnosen aus dem Internet? Das haben australische Forscher untersucht. Mit ernüchternden Ergebnissen.

Quacksalber Doktor Google
Viele Patienten informieren sich im Internet über gesundheitliche Fragen. Aber den Arztbesuch kann das Surfen im Netz nicht ersetzen, sagen Experten. (Bild: Getty Images)

Der Informationsgehalt von Websites zu Themen rund um Krebs ist eher dürftig. Besonders gelte dies für deutschsprachige Sites. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Ludwig Instituts für Krebsforschung in Melbourne, Australien. Mehr noch: Weniger als ein Viertel der gefundenen Seiten erfüllen die Standards der in der Schweiz ansässigen Health On the Net Foundation (HON). Von Hunderttausenden von Websites, die sich mit dem Thema Krebs befassen, sind nur 7300 von der HON zertifiziert. Das ist insofern von Belang, als Doktor Google in den letzten Jahren zur zweitwichtigsten Informationsquelle avanciert ist, so das Ergebnis der Forscher. Insgesamt untersuchten sie über 10'000 Webauftritte.

Dass Patienten mit einer vorgefassten Internet-Diagnose ins Spital kommen, beobachtet auch Thomas Cerny, Präsident Krebsforschung Schweiz und Chefarzt Onkologie/Hämatologie am Kantonsspital St. Gallen. Dabei stamme das Wissen der Leute gemäss dem Krebsspezialisten weniger von spezifisch onkologischen Quellen, sondern eher von Newsseiten oder aus Presseartikeln, was fachlich meist wenig hilfreich sei. Deshalb verweist Thomas Cerny seine Patienten und ihre Angehörigen auf eine — wie er betont — fachlich gute Internetsite. «Aber auch die Informationen, die sie dort bekommen, müssen den Patienten erklärt werden», so der Onkologe. Das sei die Aufgabe des behandelnden Arztes.

Dennoch hat die Internetrecherche in Gesundheitsfragen für Thomas Cerny auch einen praktischen Nutzen. Vertrete der Krebsarzt eine andere Meinung als die konsultierte Website, so müssten diese Zweifel im offenen Gespräch ausgeräumt werden, sagt der Fachmann. Somit fördert Dr. Google letztlich die Kommunikation zwischen Arzt und Patienten.

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Autor: Thomas Vogel