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19. August 2013

Psychotherapie auf der eigenen Couch

Depressive Menschen werden ihre Krankheit genauso gut mit einer Online-Therapie los wie im Sprechzimmer des Psychiaters.

Psychotherapie auf der eigenen Couch
Der Patient muss das Haus nicht mehr verlassen: Er kommuniziert mit seiner Therapeutin via Computer. (Bild: Getty Images)

Eine Psychotherapie funktioniert übers Internet mindestens so gut wie eine konventionelle Therapie, das zeigt eine Studie des Psychologischen Instituts der Universität Zürich. Für die Untersuchung wurden 62 Patienten mit mittelschwerer Depression in zwei Gruppen eingeteilt: Die eine begab sich für die Sitzungen in die Praxis einer Therapeutin. Für die andere Hälfte fand die Therapie ausschliesslich online statt. Die Patienten lösten schriftliche Aufgaben und bekamen danach per E-Mail Feedback von der Therapeutin.

Das Resultat am Ende der Therapie: Bei 53 Prozent der Online-Patienten wurde keine Depression mehr festgestellt, bei der Sprechzimmertherapie waren es 50 Prozent. Für das überraschend gute Abschneiden der Online-Variante nennt Birgit Wagner (45), Psychologin und Mitautorin der Studie, mehrere Gründe: «Schreiben gibt der Auseinandersetzung mehr Struktur als Grübeln, man ist konzentrierter bei der Sache.» Von Vorteil ist laut der Psychologin aber auch, dass Patienten die Kommentare der Therapeutin sowie ihre eigenen Ausführungen immer wieder nachlesen können.

Wer in der Schweiz nach einer Online-Therapie sucht, wird im Moment allerdings noch kaum fündig. «Erste Angebote gibt es bei den Psychologischen Instituten der Universitäten Bern und Zürich», sagt Birgit Wagner. Bereits gut verankert seien Online-Psychotherapien in den Niederlanden, Schweden und Australien.

Autor: Daniel Schifferle