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14. November 2016

Die Psyche als grösster Feind des Anlegers

Der grösste Feind des Anlegers ist die eigene Psyche. Doch es gibt eine bewährte Medizin zur Behandlung: Schlaftabletten.

Kursausschläge beim Swiss Performance Index verschwinden
Aktien sind viel weniger riskant, als es erscheint: Die heftigen Kursausschläge beim Swiss Performance Index verschwinden, wenn die Entwicklung im Halbjahrestakt gemessen wird. (Quelle: SIX)

Stellen Sie sich vor, Sie haben Anfang 2015 eine starke Schlaftablette genommen und sind erst diesen November, also 22 Monate später, wieder aufgewacht. In dieser Zeit hat sich die Finanzwelt radikal verändert: Plötzlich steht vor den Zinssätzen bei den Schweizer Staatsanleihen ein Minuszeichen. Zudem ist der Euro-Kurs dramatisch gesunken.

Äusserst stabil dagegen präsentiert sich die Schweizer Börse: Per 1. November notiert sie lediglich 2,0 Prozent tiefer als Anfang 2015. Dank der Schlaftablette haben Sie somit rein gar nichts davon mitbekommen, dass die Aktienkurse während dieser 22 Monate nicht weniger als viermal massiv eingebrochen sind: beim Frankenschock, dann wegen China, des Ölcrashs und nach dem Brexit.

Spätestens nach sechs Monaten jedoch waren diese Verluste stets wieder ausgebügelt. Die Grafik zeigt eindrücklich, wie gering die Kursschwankungen ausgefallen sind, wenn die Messung jeweils nur zum Semesterende erfolgte. Doch warum fällt es den Anlegern so schwer, eine fiktive Schlaftablette zu nehmen und die Börse einfach für ein paar Monate zu ignorieren?

Der Grund liegt in der menschlichen Psyche. Wir treffen lieber einen falschen Entscheid, als gar nichts zu unternehmen. So hechten Fussball-­Goalies beim Penalty praktisch immer in eine Ecke, anstatt in der Mitte stehen zu bleiben – obwohl über ein Viertel aller Schüsse auf die Mitte ­zielen (mehr dazu unter blog.migrosbank.ch ). Ebenso verleitet die Hektik an der Börse zu übertriebenem Aktivismus, der sich schädlich auf die Performance auswirkt.

Hinzu kommt ein weiterer Fallstrick: die sogenannte Verlustaversion. Ein Verlust schmerzt uns generell stärker, als wir uns über einen gleich hohen Gewinn freuen. Wenn also die Kurse temporär einbrechen, tendieren wir rasch zu einem Verkauf der Aktien – obschon sie uns auf lange Frist viel Erfolg bringen würden.

«Wer schläft, sündigt nicht», heisst es im Volksmund. Auch bei der Geldanlage gibt es ein gutes Mittel, damit Sie sich nicht gegen die eigenen Anlageprinzipien versündigen: Verschlafen Sie einfach mal das Börsengeschehen für die nächsten Monate.

Aktuell auf blog.migrosbank.ch: Die beste Medizin für Anleger: Schlaftabletten

Autor: Albert Steck