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26. September 2016

Mamasöhne

Ist die Mutter die wichtigste Frau im Leben? Prominente Schweizer betreiben Seelenforschung.

Mamasöhne ...

Greis (38) Rapper

Greis (38) Rapper
Greis (38) Rapper (Bild PR)

«Meine Mutter Henriette ist 78 und immer noch total fit – kürzlich fing sie sogar mit Pilates an! Sie ist sehr engagiert und war eine der ersten Frauen, die in der Schweiz eine Malerlehre machte. Als ich im Kindergartenalter war, zogen wir nach Bern. Dort musste sie zuerst einmal die Sprache lernen. Das bewundere ich an ihr. Sie ist sehr gradlinig, präzise und hat ein grosses Allgemeinwissen. Sie kann viel mehr geben als jeder andere Mensch, den ich kenne. Sie ist extrem aufopfernd und hat alles für mich gemacht. Meine emotionale und sensible Seite habe ich definitiv von ihr geerbt. Noch heute sehe ich sie oft: Ich gehe fast jede Woche zu ihr nach Lausanne.»

Frau
Frau


Renzo Blumenthal (39) Ex-Mister-Schweiz

Renzo Blumenthal (39) Ex-Mister-Schweiz
Renzo Blumenthal (39) Ex-Mister-Schweiz (Bild PR)

«Meine Mutter ist sehr pflichtbewusst und streng. Doch sie war auch liebenswürdig. Meine drei Brüder und ich haben uns viel gestritten. Diese turbulenten Zeiten waren für unsere Mutter bestimmt nicht einfach. Wir haben viel von ihr verlangt und im Gegenzug wenig gehorcht. Das sehe ich aber erst seit ich selber Kinder habe ein. Bei meinem Sohn kann man teilweise auch predigen und es bringt nichts. Meine Eltern sind aber immer ruhig geblieben. Meine Mutter hat mittlerweile sieben Enkelkinder und schaut oft zu ihnen – auch zu unseren. Meine Mutter ist wichtig. Doch mittlerweile ist meine Frau die wichtigste Frau in meinem Leben. Wenn sie nicht da ist, funktioniert die Familienorganisation nicht.»

Stefan Büsser (31), Comedian

Stefan Büsser (31), Comedian
Stefan Büsser (31), Comedian

«Ich bin tatsächlich eher ein Mamikind, obwohl ich einige schöne Eigenschaften von meinem Vater mitbekommen habe. Zum Beispiel mein wahnsinnig gutes Aussehen! Alles Wichtige auf der zwischenmenschlichen Ebene wie Empathie oder über den Tellerrand blicken, habe ich von meiner Mutter geerbt. Wir sind beide Kopfmenschen und machen uns oft zu viele Gedanken über Dinge. Als ich mit 18 auszog, weinte sie. Dass ich meine Wäsche mittlerweile selbst waschen kann, macht sie bis heute stolz. Wir­ tele­fonieren mehrmals pro Woche. Sie weiss fast alles über mich – egal, ob es um Bezie­hungen, Geschäftliches oder um meine Gesundheit geht. Sie hat zudem schon so viele Shows gesehen, dass sie mein Programm weiterführen könnte, sollte ich jemals auf der Bühne zusam­men­klappen. Zudem findet sie die Auftritte immer noch lustig – sogar die Sprüche, die ich selbst nicht mehr lustig finde.»

Matthias Aebischer (48), SP-Nationalrat und ehemaliger Fernsehmoderator

Matthias Aebischer (48), SP-Nationalrat und ehemaliger Fernsehmoderator
Matthias Aebischer (48), SP-Nationalrat und ehemaliger Fernsehmoderator

«Meine Mutter Margarete ist 76. In meinen Teenagerjahren hatte ich eine wüste Loslösungsphase: Mit 17 war ich einen Monat in Italien. Dort merkte ich, wie gut ich es zu Hause hatte. Nach diesem Monat sei ich viel dankbarer gewesen, sagt meine Mutter. Am Anfang hat sie sich ziemlich in die Erziehung meiner Töchter eingemischt. Ich spüre anhand ihrer Mimik oder Körperhaltung, ob ihr etwas passt oder nicht. Ich merke, wenn sie die Kinder zurechtweisen möchte. Dann spreche ich das aber an und sage: ‹Gäu, jetzt würdest du das anders machen.› Wir können sehr offen reden. Ich glaube aber nicht, dass die Mutter für einen Mann die wichtigste Frau ist. Das sollte die Partnerin sein. Sonst kommt man nicht weiter. Das Ziel ist ja Entwicklung. Wenn man die ganze Zeit dem Mami nachhängt, entwickelt man sich nicht weiter.»

Davide Mariani (25), Fussballspieler beim FC Lugano

Davide Mariani (25), Fussballspieler beim FC Lugano
Davide Mariani (25), Fussballspieler beim FC Lugano (Bild PR)

«Meine Mutter Martha stammt aus Mexiko. Da mein Vater immer tagsüber gearbeitet hat, habe ich mehr Zeit mit ihr verbracht und so ein sehr enges Verhältnis aufgebaut. Sie war nicht besonders streng; mein Bruder, meine Schwester und ich hatten viele Freiheiten. Meine Mutter ist eine sehr ehrgeizige Frau, die immer etwas Neues lernen will. Sie ist auch sehr liebenswürdig und herzlich. Für ihre Kinder würde sie alles machen. Ich bin ihr ähnlicher als meinem Vater. Meinen Ehrgeiz und meine Loyalität habe ich von ihr. Ohne diese Eigenschaften wäre ich nicht Fussballer geworden. Von all den Frauen, die ich kenne, ist sie bestimmt die wichtigste. Ich rufe sie mindestens einmal am Tag an, und ich denke oft an sie. Mir ist meine Familie allgemein extrem wichtig.»

Autor: Anne-Sophie Keller