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18. Mai 2015

Praktisch = schön? Schön wärs!

Die «Bohne, Bluescht & Berger»-Autorin hadert mit einem Gartenhag, der zwar gäbig, aber optisch definitiv kein Highlight ist.

Maschendrahtzaun auf Nachbars Grenze
Heidelbeeri (vorne rechts), bitte recken: je höher, desto besser.

Schön praktisch heisst nicht unbedingt schön schön. Das zeigt sich aktuell grad wieder im Bohnebluescht-Garten. Respektive an seiner Westgrenze. Dort hat die Nachbarschaft kürzlich einen 1,5 Meter hohen Gartenhag installiert. Der Grund für die Installation ist nicht etwa ein Nachbarschaftsstreit, sondern der Einzug eines jungen Hundes, eines Malinois. Eine belgische Schäferhundrasse, die einst gern als Hüte- und Treibhunde eingesetzt wurde. Was bei den im Bohnebluescht-Garten frei laufenden Kindern, Hühnern, Igeln und Blindschleichen logischerweise nicht immer nur auf Begeisterung stösst.
So gesehen, ist die Installation von 1,5 x 20 Meter Maschendrahtzaun zwar praktisch, keine Frage, was sie aber leider nicht schöner macht. Dazu kommt, dass das Ganze auf einem Mäuerchen steht. Was die 1,5 Meter nochmals um einen halben Meter «lupft». Und drum fühl ich mich, wenn ich auf meiner Gartenliege liege und gegen Westen schau, grad ein bisschen wie Robert Redford im Knastdrama «Brubaker».
Okay, es ist ja nicht so, als wäre die Nachbarschaft nicht bemüht, mit Schilfpflanzen, einem Sommerflieder und diversen Stauden die Optik aufzuhübschen. Nur finden diese Bemühungen halt, zumindest von meiner Liege aus gesehen, auf der falschen Seite des Hags statt. Auf der richtigen Seite wiederum wachsen unsere Beeristräucher – und die werden nun einmal keine zwei Meter hoch. Und dort, wo der Teich ist, hats leider auch nicht wirklich Platz für etwas Hohes und gleichzeitig Schlankes (und bevor jetzt jemand «Thuja» vorschlägt, bloss nicht: ich hasse Thuja und hab erst letztes Jahr eine ganze Thujahecke ausgebuddelt.
Ich hab deshalb schon überlegt, aus den alten Fensterläden, die ich letztes Jahr bei Mit-Bloggerin Marisa Flores abstauben durfte, eine Art optischen Unterbrecher zu konstruieren. Was mir aber umgehend Krach mit dem Sohnemann eingetragen hat, der sie für seinen künftigen Baumhauspalast beansprucht. Zu begrünendes Armierungseisenspalier wiederum, wie bereits bei unserer Holzwand im Gebrauch, lehnt der Herzensmann ab, da «zuviel Rost».
Gestern Nachmittag hatte ich beim Jäten jedoch eine Blitzidee: Statt weiterhin in einer Endlosschlaufe all die Winde an der nachbarschaftlichen Grenze zu bekämpfen (ich sage nur «Mord und Totschlag» ), lass ich ihr künftig einfach freien Lauf. Wetten, der Hag wäre innert kürzester Zeit nicht mehr (wieder)zuerkennen?
Frau Bohnebluescht zwitschert übrigens auch auf Twitter.

Autor: Almut Berger

Fotograf: Almut Berger