Archiv
04. August 2014

Powerdrink für Tomate & Co.

Die «Bohne, Bluescht & Berger»-Bloggerin macht auf Miraculix. Und braut sich aus Brennnesseln ihren eigenen Zaubertrank.

Miraculix am Zaubertrank brauen.
Während Miraculix auf Misteln steht, greift Frau Bohnebluescht zu Brennnesseln.

Dank meiner Ferien rund ums Haus, sprich im «Bohnebluescht»-Garten, habe ich endlich Zeit für Dinge, die ich schon immer tun wollte. Zum Beispiel Süppchen kochen. Nicht etwa aus den Zucchetti, die sich zurzeit im Hochbeet geradezu stapeln, sondern aus Brennnesseln.

Tönt zwar nach Entschlackungskur für die Gärtnerin, ist aber als Powerdrink für deren Tomaten gedacht. Gartenfachfrau Claudia Sifrig, die ich im Frühling zum Thema «Urban Gardening auf dem Balkon» interviewt hatte, hat mir damals in einem Nebensatz erzählt, dass Brennnesseljauche ein wahrer Powerdrink sei – gerade für Starkzehrer wie Tomaten. Da es aber damals wie gesagt ums Gärtnern auf dem Balkon ging, liess ich den Tipp mit der selbstgebrauten Brennnesselgüllä weg und verwies stattdessen auf selbstgekauften Volldünger.

Zum Glück, kann ich heute nur sagen! Denn all ihr Balkon- und übrigen -gärtner da draussen, lasst es euch sagen: Brennnesseljauche im Gärprozess stinkt! Sie stinkt nicht nur, sie stinkt-stinkt-stinkt! So sehr, dass Obelix als Kind nie in meinen Zaubertrank reingefallen wäre, er wäre noch nicht einmal in seine Nähe gekommen!

Zwar gibts diverse Tricks, um den Geruch (was, Geruch? Gestank!) abzumildern, wie Steinmehl oder auch Lavendelblüten, nur ist das reine Kosmetik, ich habs probiert. Darum gärt mein Zaubertrank im Moment auch dort, wo es eh schon nicht wirklich nett duftet: in zwei Kübeln auf dem Kompost unter der Magnolie, ganz-ganz-ganz weit weg von unserer Terrasse Nummer 1.

Das Dumme ist nämlich, dass man die Kübel nicht einfach per Deckel verschliessen kann: Denn erstens braucht es zum Gären Luft, und zweitens würde der entstehende Überdruck früher oder später besagte Deckel mit Hochdruck durch den «Bohnebluescht»-Garten katapultieren (ich sehe schon die «Blick»-Schlagzeile: «UFOs über dem Zürcher Oberland gesichtet!»). Ganz ohne Deckel geht es aber auch nicht: Denn erstens könnte ein Sommergewitter meinen Zaubertrank fluten, und zweitens könnten möglicherweise die Meisen, die jeweils auf der Magnolie rumturnen, von den olfaktorischen Ausdünstungen beduselt vom Stängel fallen und jämmerlich ertrinken.

Drum heisst es jetzt einfach möglichst flach atmen: noch eine Woche täglich rühren, dann sollte der Zaubertrank fertig sein. Und wenn er dann so viel Power hat und gibt, wie er jetzt stinkt, dann werden wir heuer eine Weltrekordtomatenernte einfahren.

Und hier noch für die, die sich von all den olfaktorischen Beschreibungen nicht abhalten lassen, hier das Rezept:

Ein Kilo frische Brennnesseln sammeln (Achtung: allfällige Schmetterlingsraupen umsiedeln) und grob zerkleinern.

Das Hackgut in einem Plastikeimer mit 10 Liter Wasser übergiessen.

Den Eimer mit einem Deckel so bedecken, dass noch Luft daran kann. Möglichst weit vom eigenen Sitzplatz und dem der Nachbarn (ausser man mag sie nicht) aufstellen.

Täglich einmal umrühren und das rund zwei Wochen lang. Der Gärprozess ist abgeschlossen, wenn sich die Jauche dunkel färbt und keine Blasen mehr aufsteigen.

Die Jauche vor Gebrauch mit Wasser verdünnen: 1:10 für Starkzehrer wie Tomaten, Zucchetti, Gurken und Kürbisse, 1:20 für alles Übrige. Möglichst an trüben Tagen und direkt im Wurzelbereich ausbringen.

Wie macht ihr Tomaten & Co. Beine? Mit Kompost? Selbstgekauftem Volldünger? Selbstgebrautem Zaubertrank? Outet euch über einen Kommentar, oder erstellt einen eigenen Artikel inklusive Fotos (Infos dazu rechts).

Autor: Almut Berger

Fotograf: Almut Berger