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23. September 2013

Platz an der Wärme gesucht

Mit den sinkenden Temperaturen stellt sich die «Bohne-Bluescht-und-Berger»-Autorin die brennende Frage: Wohin mit all ihren nicht winterharten Pflanzen?

Wollen alle aufs warme Ofenbänkli: Agapanthus ...

Gestern habe ich in einem Gartenheftli unter dem Titel «September – das gibt es noch zu tun» gelesen, dass ich meine Kübel- und Topfpflanzen ab sofort nicht mehr düngen soll. Dadurch werde vermieden, dass sie nochmals neue Triebe ansetzen, die bis zur Winterpause nicht mehr reifen und daher abfaulen.

Daraufhin sind mir blitzartig zwei Dinge eingefallen: Erstens, dass ich meine Kübel- und Topfpflanzen diesen Sommer noch gar nie gedüngt habe. Und zweitens, dass sich demnächst unweigerlich die Frage des Überwinterns aufdrängen wird.

Und da wirds mal wieder schwierig. Zwar hatte ich mir im letzten Frühling fest vorgenommen, dass nur noch Winterhartes mein Gartentörli passieren darf. In diesem Vorsatz bestärkt hatte mich die traurige Tatsache, dass ein Trupp blutrünstiger Spinnmilben auch noch meinen allerletzten Oleander niedergemacht hatte. Den hatte ich nämlich während der kalten Monate im - zugegebenermassen viel zu dunklen - Keller parkiert.

Aber eben: Wenn sich schon meine Neujahrsvorsätze jeweils innert kürzester Zeit in Luft auflösen, warum sollte das bei meinen Frühlingsvorsätzen anders sein. Und so stehe ich jetzt vor dem Problem, für ein Bananenbäumchen, zwei Agaphanti (letzten Winter wars noch einer, aber es war wirklich höchste Zeit, den Ballen zu teilen), eine knütschrote Canna, diverse Kakteen (okay, die kann man ins Büchergestell stellen), einen bei einer Tombola gewonnen Drachenbaum, zwei geerbte Elefantenfüsse sowie je einen grossen Rosmarin, Thymian und Oregano einen Platz an der Wärme zu finden.

Bananen, Elefanten und Drachen könnte ich notfalls bei uns im Schlafzimmer unterbringen. «Nein!», sagt jedoch mein Herzensmann. Unser Schlafzimmer sei, wie der Name schon sagt, ein Schlafzimmer und kein Gewächshaus. Dann im Kinderzimmer? «Nein! Nein!», sagt der Sohnemann. Sein Kinderzimmer sei, wie der Name schon sagt, ein Kinderzimmer. Und selbst mein Argument, dass es doch «mega cool» sei, zwischen Elefanten und Drachen zu hausen, zieht nicht, da er gerade auf Dinosaurier steht.

Dann halt im Bad? Nur zieht da bereits der riesige Papyrus ein, der momentan noch auf der Terrasse steht. Und natürlich die beiden zum Glück etwas kleineren Papyri, die der Sohnemann erfolgreich durch Ableger vermehrt hat. Und dann ist da ja noch der Lorbeerbusch, der den letzten Winter unter meinem Schreibtisch direkt neben der Heizung verbringen musste, was er mir bis heute nicht verziehen hat. Und die Datura, die mir kürzlich eine nette Kollegin mit dem Kommentar «Du hast doch sicherlich genug Platz» vorbeigebracht hat. Also vielleicht doch ins Schlafzimmer? «Nein!», sagt mein Herzensmann, «nein, nein, und nochmals nein!»

Okay, dann wünsche ich mir halt einen Wintergarten zum Geburtstag. Und gleich auch noch das Olivenbäumchen, die weisse Frangipani und die lila Passionsblume, um die ich den ganzen Sommer im Gartencenter rumgeschlichen bin. Dummerweise habe ich aber erst im Dezember Geburtstag – jetzt ist guter Rat teuer!

Wo überwintern Sie Ihre Exoten? Im Keller, der Garage der Schwiegermutter oder gegen Entgelt in einer Gärtnerei? Teilen Sie Ihre Erfahrungen und Ihr Wissen mit anderen Gartenfreunden in einem Kommentar mit, oder erstellen Sie mit Anleitungen, Tricks und Fotos aus Ihrem Garten einen eigenen Artikel (Infos zu beidem siehe rechts).

Autor: Almut Berger

Fotograf: Almut Berger