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15. Dezember 2014

Philipp Fankhauser im Porträt

Der Bluesmusiker ist schon seit 30 Jahren im Geschäft. Sein Know-how stellte Philipp Fankhauser als Juror der Talentshow «Voice of Switzerland» unter Beweis. Nun hat er in Baby-Mops Trevor einen neuen Freund gefunden.

Philipp Fankhauser mit Baby-Mops Trevor
Ein Herz und eine Seele: Philipp Fankhauser, Baby-Mops Trevor und die Gitarre.

Zwei winzige Glupschaugen gucken aus dem schwarzen Schal: Trevor, der Baby-Mops, reckt den Kopf zu seinem neuen Herrchen. Mächtig im Grössenvergleich beugt sich Philipp Fankhauser (50) über das aktive Fellknäuel in seinen Armen. «So geliebt will ich mal werden!», sagt der Bluesmusiker. Auf den ersten Blick wirkt er unnahbar, ernst, auch wenn er beteuert, «innerlich am Lächeln» zu sein. Immer wieder guckt er hinunter, mit derselben leicht geneigten Haltung, mit der er sich über seine Gitarre beugt, und streichelt sein Hündchen, das nun die Tournee begleitet. Philipp Fankhauser ist ein wenig besorgt: «Da muess i dir no Ohreschützli choufe.»

Die Mühle Hunziken soll wieder «das ehrwürdige Juwel» werden

Derselbe Mensch twitterte nach einem jahrelangen, nun gewonnenen Rechtsstreit: «#schafseckel». Er mag nicht kommentieren, auf wen das gemünzt ist, aber beim Lesen des entsprechenden Links wird klar: Es geht um die Mühle Hunziken in Rubigen BE, deren neuer Betreiber Philipp Fankhauser ist. «Das hat irgendwie gepasst, ‹Schafseckel› ist ja nicht beleidigend: ein schönes, uriges Schweizer Wort», und er fügt an: «Es gibt deine, meine und die wirkliche Sicht der Dinge, das wusste schon Muddy Waters.» Aus der Mühle wird er mit den neuen Besitzern wieder «das ehrwürdige Juwel» machen, das sie einst war. Die Qualität der Konzerte im Club soll beibehalten und noch gesteigert werden. Mehr verraten möchte er nicht, dafür sei er ein bisschen zu abergläubisch.

Gute Sachen pflegt er gern. Wie seinen Thorens-TD-124-Plattenspieler, der gleich alt ist wie er. Alle zwei Jahre lässt er ihn revidieren. «Ich bin aber kein Freak, was das anbelangt: Ich bete Altes nicht an.» Die Losung, ob etwas gefällt, ist simpel: Eine Gitarre muss gut in den Händen liegen, ein Song berühren. «Eine sagenhafte Stimme allein bringt nichts, wenn sie nichts transportiert.» Seine rauchige Stimme pflegt er nicht. Wenn er morgens aufsteht, freut er sich auf vier, fünf Tassen Schwarztee und ebenso viele Zigaretten. Rauchen tue er «mit grossem Vergnügen. I love it».

«Man muss schon mal mit den Boots in Texas gestanden haben.»

Sein aktuelles Album Home knüpft an die vorherigen an. «Die Motive und die Seele sind immer noch gleich.» Er sei aber selbstsicherer und gelassener geworden. «Heute bin ich so vom Glück geküsst, ich habe aus mir einen fröhlicheren Charakter werden lassen.» Tendenziell sei er zwar ein glücklicher Mensch, «doch ich erinnere mich an viel Melancholie, Selbstzweifel, niedere Selbstwertgefühle». Als Kind und Jugendlicher kannte er Tiefpunkte, dunkle Momente. Teils hätten die mit seinem «unattraktiven Äusseren» zu tun gehabt: «Ich habe mich ziemlich gehen lassen als Teenager.» Bis heute plage ihn manchmal das Gefühl, nicht sonderlich gut auszusehen. Umso befreiender war es, als er vor einem Jahr seinen neuen Partner kennenlernte, der sich in ihn verliebte, ohne zu wissen, wer er, Philipp Fankhauser, ist.

«Auf der Bühne geht es mir gut: Da habe ich keine Selbstzweifel.» Live kommt er richtig aus sich heraus, lacht und scherzt mitten im langsamen Blues-Song: «Möget dr das überhoupt ghöre?» Nach dem dritten Song tanzt das Publikum am Konzert im Bierhübeli in Bern vor knapp einer Woche mit, pfeift, applaudiert. Er erzählt Geschichten, interagiert mit dem Publikum. «Ich muess ja geng Konzert gäh – aber ja, es git schlimmeri Schicksal.» Das unbändige Verlangen nach der Bühne und danach, diese Musik zu bringen, die Menschen vom Blues zu befreien, treiben ihn an. «Wenn es etwas gibt, was ich kann, ist es das: auf die Bühne stehen und den Blues singen.»

Philipp Fankhauser reiste 1993 auf Einladung von Johnny Copeland, dem amerikanischen Bluessänger aus Texas, nach New York, tourte als dessen Gast vier Jahre durch die USA und schlug sich als weisser Bluessänger mehr schlecht als recht durch. Oder als Harley-Davidson-Tourguide – um nur einen seiner Gelegenheitsjobs zu nennen.

1997 starb sein Freund und Mentor Johnny Copeland, drei Jahre später kehrte Fankhauser in die Schweiz zurück: Obwohl musikhistorisch ein Teil Amerikas in ihm steckt, kann er sich nicht mit der Lebensart der Amerikaner – und was ihnen von der Regierung angetan werde – identifizieren. Rückblickend sei es sicher förderlich gewesen, als Bluesmusiker durch die USA getourt zu sein: «Man muss schon mal mit den Boots in Texas gestanden haben.»

Ein Dickschädel mit grosser Liebe für Hund und Katze

Von Berufs wegen empfand er eine Ausbildung als überflüssig: «Ein Bluesmusiker braucht keine Theorie, das muss von innen kommen.» Mit zwölf Jahren habe er gewusst: Ich werde Bluessänger. Dass er seine Vision verwirklicht hat, verdanke er seinem Dickschädel.

Ebenso seinen neuen Hund: Am Samstag fiel der Entscheid, am Sonntag wurde Trevor gefunden, am Montag gekauft. «Ich bin ein totaler Tiernarr. Menschen hab ich – mit grossen Ausnahmen – nicht so gern.» Bis vor zwei Jahren leistete ihm Kater Bubi selig Gesellschaft. Ein Hund erfordert mehr Verantwortung und Zeit, und die brauchte er bis jetzt für sich selber. «Vielleicht ist das eine Art Kinderwunsch, der da in Erfüllung geht. Der Wunsch nach jemandem, der einem das Leben versüsst.»

Autor: Laila Schläfli

Fotograf: Gian-Marco Castelberg