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15. Juni 2015

Perfekt!

Die Gartenbloggerin würde am liebsten die Zeit anhalten: Genau jetzt ist ihr Garten nämlich einfach nur perfekt!

Für einmal läuft in Frau Bohneblueschts Garten alles rund!

Es gibt so Momente, da wünscht man sich, dass der, der unsere Weltkugel rotieren lässt, für - sagen wir mal – vier Wochen in die Ferien verreist. Auf dass man das, was gerade ist, für all die Momente, in denen alles wieder mal nicht so ist, wie man sich wünschte, dass es sei, ganz tief in seinem Herzen versorgen könnte.

Ein solch perfekter Moment findet genau jetzt in meinem Garten statt. Ja, genau dort, wo sich normalerweise Schleimer und Blattläuse die Klinke des Gartentörlis in die Hand geben, sich Chrottepösche und Hornsauerklee mit Salat, Kohlrabi und Erdöpfel um die Vorherrschaft im Gemüsebeet prügeln und Ackerwinde und Stachelgestrüpp Johannisbeeri, Wegwarte und Blutweiderich langsam, aber stetig die Luft abdrehen.

Der Rasen, sonst mehr Moos als Halm, macht plötzlich auf englisch, die Algen im Teich haben – pssst! – vergessen, sich zu vermehren, die Clematis an der Terrassenwand blüht nach vier Jahren zum ersten Mal und aufs allerprächtigste, und selbst die Hühner haben endlich begriffen, dass man einen Häckselweg nicht jedes Mal in einen Schützengraben verwandeln muss, bloss weil man dort ein paar Würmli vermutet.

Beim Gartenschopf hängt der Himmel voller Kiwis, im Vorgarten leuchten Pfingstrose (weiss) und Mohn (rot) um die Wette, und die grosse Buchsbaumkugel gleich nebenan kugelt, als habe noch nie ein Buchsbaumzünsler an ihr herumgeknabbert. Das im letzten Frühling gepflanzte Säulenapfelbäumchen bricht schier zusammen unter seinen sieben, acht Äpfeli, der Rhabarber füllt mit seinen Stängeln Gefrierschrankfach um Gefrierschrankfach, und Tomaten, Chili, Zucchetti und Butternuss sind endlich aus ihrem Kälteschlaf erwacht. Nur die Gurken streiken. Aber wer braucht schon Gurken, wenn sich bei den heuer erstmals gesetzten Auberginen bereits erste Blütenansätze zeigen?

Ich hab mir natürlich überlegt, meine Kamera zu holen, um diesen perfekten Moment im Bild festzuhalten, die Idee aber rasch wieder verworfen. Die Wärme der Sonne im Gesicht, das weiche Gras unter den Füssen, der Duft der Wildrose in der Nase: Manches lässt sich einfach nicht auf einen Film, einen Chip bannen. Drum entschuldigt mich jetzt bitte, wenn die heutige Kolumne für ein Mal etwas kürzer ausfällt: Ich bin dann mal im Garten, Wildrosen schnuppern!

Autor: Almut Berger

Fotograf: Almut Berger