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18. März 2013

Patent-Weltmeister

Ohne Eulers Zahlenquadrat kein Sudoku, ohne Neher keine Alufolie für das Znüni des Juniors. Mit welchen Erfindungen haben Schweizer Tüftler sonst noch unser Leben bereichert und erleichtert?

Bei der Internationalen Messe für Erfindungen vom 10. bis 14. April 2013 in Genf präsentieren auch dieses Jahr wieder Tausende helle Köpfe ihre Ideen. Dass der international renommierte Treffpunkt für Schrittmacher des Fortschritts auf Schweizer Boden stattfindet, versteht sich von selbst: Im Lande Einsteins blühen Erfinder- und Unternehmergeist, man denke etwa an die weltberühmte Familie Piccard.

So klein das Land auch ist, gemessen an der Zahl der Patente ist es spitze. In und aus der Schweiz werden weltweit die meisten Patente pro Einwohner gemeldet, und auch in der Anzahl der Patente pro Forschungsmillion ist das Land auf Platz 1.

Das heutige Sudoku basiert auf Eulers Zahlenquadraten
Das heutige Sudoku basiert auf Eulers Zahlenquadraten

Hier finden Sie einige Erfindungen, mit denen Schweizer Tüftler die Menschheit vorangebracht haben:
Alufolie: Am 27. Oktober 1910 meldete der Schweizer Ingenieur Robert Viktor Neher (1886 bis 1918) das Auswalzen der Knister-Silberfolie zum Patent an. Sie war damals aber noch um einiges dicker als ein Haar. Produzierfertig war sie 1912. Erster Kunde für die luft- und lichtdichte Verpackung war die Berner Firma Tobler, die ihre Dreieck-Schokoriegel bis heute in Alufolie wickelt. Abnehmer war neben mehreren Schokoladenfabriken auch die Firma Maggi, die ihre Fertigsuppen und Brühwürfel damit verpackte. Die klassische Rolle wurde erst später entwickelt.
Cementit-Leim samt Tube und Deckel: Wie viele der nützlichen Erfindungen entstand auch der Kleber Cementit als Nebenprodukt. Als Zulieferer der Schweizer Uhrenindustrie suchten die miteinander verschwägerten Firmengründer Walter Merz und Albert Benteli nach einem neuartigen Klebstoff für Uhren. Er sollte es ermöglichen, Phosphor in Pulverform dauerhaft auf Zeiger und Zifferblätter zu fixieren, sodass die Uhren auch nachts die Zeit anzeigten. Aus einer Mischung aus Kunstharz und Zellulose entstand so in den 30er-Jahren der Alleskleber Cementit, den die Erfinder während der Uhrenkrise des Zweiten Weltkriegs auch für den Privatgebrauch lancierten.
Klettverschluss: Bei Spaziergängen mit seinen Hunden ärgerten den Schweizer Ingenieur Georges de Mestral (1907–1990) die Kletten-Früchte, die dauernd im Fell der Tiere hängenblieben. Unterm Mikroskop entdeckte er, dass die Früchte winzige elastische Häkchen tragen, die auch bei gewaltsamem Entfernen aus Haaren oder Kleidern nicht abbrechen. De Mestral sah darin eine Möglichkeit, zwei Materialien auf einfache Art zu verbinden. Er entwickelte den textilen Klettverschluss und meldete seine Idee 1951 zum Patent an.
Sparschäler Rex: Von Alfred Neweczerzal (1899–1959) erstem «Rex» mit querliegender beweglicher Klinge sind bis heute weit über 70 Millionen Stück hergestellt worden – zwei Drittel davon für den Export. 1947 hatte ihn der in Davos geborene Neweczerzal erfunden, ein Nachfahre tschechischer Auswanderer und Grossvater des heutigen Inhabers der Zena AG. 2004 erschien der Schäler in der Serie «Designklassiker der Schweiz» als Motiv der 15-Rappen-Briefmarke.
Sudoku: Der eigentliche Erfinder des Rätsels ist der Amerikaner Howard Garns. 1979 unter dem Namen NumberPlace zum ersten Mal in einer Rätselzeitschrift veröffentlicht, wurde es ab 1986 in Japan populär, wo es auch seinen heutigen Namen erhielt. Ohne die Grundlagenforschung des weltberühmten Schweizer Mathematikers Leonhard Euler (1707–1783) – die Lateinischen Quadrate – wäre Garns allerdings an seinem Rätsel früh gescheitert.
WEITERE ERFINDUNGEN

Kleiderschnittmuster (um 1844 in Zürich erfunden)

Maggi-Brühwürfel (Julius Maggi, 1848 – 1912)

Cellophan (Jacques E. Brandenberger, 1872 bis 1954)

Stewi-Wäscheständer (Walter Steiner, erfunden 1947)

Knoblauchpresse (Karl Zysett, Gründer des Zürcher Küchengeräteherstellers Zyliss, 1907 – 1998; erfunden 1948 / auch die Salatschüssel kommt aus seiner Firma)

Robidog (Joseph Rosenast liess sich die geniale Hundetoilette 1981 patentieren. 1987 gewann er dafür eine Medaille an der Genfer Erfindermesse)

Farbstoffsolarzelle (Michael Grätzel, Uni Lausanne)

Die erste organische Leuchtdiode (Martin Schadt, geboren 1938)

Autor: Christiane Binder